Höhenangst dürfen Heiko Preisendörfer, Manuel Lind und Anton Lotter nicht haben, wenn sie in einer Höhe von bis zu 30 m zwischen den Baumkronen hängen. Die drei Forstwirte der Bayerischen Staatsforsten AöR aus den Forstbetrieben Hammelburg und Arnstein waren Ende Oktober für einen Arbeitseinsatz zu Gast am Forstbetrieb Bad Brückenau. Der Arbeitsauftrag der drei hochspezialisierten Baumkletterer bestand darin zwei Kunsthorste für den Schwarzstorch (Ciconia nigra) in den Revieren Unterebersbach und Bad Kissingen zu bauen.

Die Waldarbeiter bauen die Horste in spezieller Technik, damit die Plattformen möglichst langlebig sind, heißt es in der Pressemitteilung der Bayerische Staatsforsten, Forstbetrieb Bad Brückenau, weiter. Als Material dienen Lärchenkanthölzer sowie -bretter und auch Äste und Moos. An einem Lastenseil werden die Bauteile in die Krone der Bäume gezogen und dort verbaut. Der Bau beider Horste dauerte rund zwei Tage.

Auch mitten im Ort

"Die naturnahen und pfleglich bewirtschafteten Wälder der Vorrhön mit ihrer Strukturvielfalt und ihrem Gewässerreichtum bieten dem seltenen Zugvogel ideale Lebensbedingungen", teilen die Verantwortlichen weiter mit. Gerade um Unterebersbach können jedes Jahr einige der schwarz-weiß-roten Schreitvögel beobachtet werden, nicht selten mitten im Ort am Ebersbach.

Zwei altbekannte Horste abgestürzt

"Da in den letzten drei Jahren leider zwei altbekannte natürliche Schwarzstorchhorste durch, die im Klimawandel verstärkt vorkommenden, Winterstürme abgestürzt sind, haben wir uns dazu entschlossen einen Kunsthorst im Revier zu errichten, damit der schon als einheimisch geltende ,Aberschböcher-Storch' bei seiner Rückkehr aus dem afrikanischen Winterquartier einen geeigneten Brutplatz findet", begründet Förster und Revierleiter André Schönfeldt das Vorgehen.

Die hohe Standorttreue der Schwarzstörche spricht für eine deutliche Verbesserung der Lebensgrundlagen in den letzten Jahren, wofür bei den Bayer. Staatsforsten auch einiges getan wird. So werden alte Waldbestände und starke Bäume, die sich besonders zum Bau von Horsten eignen, als möglicher Lebensraum und Brutplatz erhalten. Zusätzlich werden gezielt Feuchtwiesen und Bachtäler im Wald gepflegt und es wurden zahlreiche neue Tümpel als Nahrungshabitate angelegt, wo Fische, Amphibien und Wasserinsekten als Nahrung zu finden sind.

Bestand hat wieder zugenommen

Durch die biotopverbessernden Maßnahmen und den strengen Schutz der Vögel nimmt deren Bestand kontinuierlich zu, weshalb es heute wieder weit über 100 Brutpaare in Bayern gibt. "Das war nicht immer so", erinnert sich Freya Storath, stellvertretende Revierleiterin des Forstrevieres Bad Kissingen, "bis in die 1930er Jahre wurde dem schwarzen Storchenvogel noch intensiv durch den Menschen nachgestellt, da er als fischfressender Vogel als Nahrungskonkurrent galt. Ebenso war er als Unglücksbote bekannt, der der Überlieferung nach die missgebildeten und kranken Kinder brachte. Sein Verwandter, der Weißstorch, war bei den Menschen hingegen als Glücksbringer beliebt."

Standorte bleiben zum Schutz geheim

Die Standorte der Horste wurden von den Revierleitern in Zusammenarbeit mit Axel Reichert, dem Naturschutzspezialisten der Bayerischen Staatsforsten in Nordbayern sorgfältig ausgewählt und bleiben geheim, damit die scheuen Waldvögel an ihren Nistplätzen so wenig wie möglich gestört werden, heißt es in der Pressemeldung schließlich. Die Kinderstuben seien nun hergerichtet, jetzt müssen nur noch die Altvögel unbeschadet aus dem Winterurlaub zurückkehren und die Nester finden.