Rund ein halbes Dutzend Befürworter der Bäume in der Fußgängerzone wurden am Mittwochabend enttäuscht: Nach längerer Diskussion sprach sich der Stadtrat einstimmig für die Fällung der vier Bäume in der Fußgängerzone aus. Quittiert von einem Buh-Ruf hob der Stadtrat damit einen Beschluss aus dem Jahr 2013 auf. Gleichzeitig wurde jedoch festgelegt, dass drei Bäume nach den Bauarbeiten neu gepflanzt werden. Leider verließen die meisten Baumfreunde danach die Sitzung und verpassten damit einen anderen Beschluss für mehr Grün: Alle zehn Kasten-Linden am Rosengarten werden im Herbst ersetzt - wenn auch zum größten Teil mit etwas kleineren Bäumen.


Nur zwei Linden haben überlebt

Laut Thomas Hornung von der Tiefbau-Abteilung haben nur zwei Linden das Umpflanzen Ende letzten Jahres überlebt. Diese beiden Bäume sollen die Lücke im Bereich der Baustellenzufahrt füllen. Das stand in der Sitzung nicht mehr zur Diskussion. Dafür wurden jede Menge Varianten für die Lücke am Technik-Schacht vorgeschlagen: Die CSU-Fraktion hatte in ihrem Antrag einen Verzicht auf alle acht Kasten-Linden gefordert. Fraktionsvorsitzender Michael Heppes sprach sich in der Sitzung jedoch überraschend dafür aus, dass symmetrisch jeweils zwei Bäume gepflanzt werden könnten.
SPD-Oberbürgermeister Kay Blankenburg plädierte für eine komplette Vervollständigung der Baumreihe: "Diese alleeartige Anlage gehört aus meiner Sicht zum Gepräge der Kurstadt." Zudem sei auch der Schatten unter den Bäumen wichtig, eine Einschränkung der Sicht sei dagegen zweitrangig, vor allem vom Balkon des Regentenbaus aus: "Da steht man nicht sehr oft."
Hornung stellte zur Diskussion, dass die Linden auch noch etwa einen halben Meter gekürzt werden könnten. Zudem betonte er, dass die Neupflanzung in der ursprünglichen Förderung enthalten sei. Von den Kosten in Höhe von 37 842 Euro bleiben der Stadt also nur 9468 Euro. Zudem fallen 800 Euro im Jahr für die Pflege an.


Mehrheit für Kompromiss

Einen Kompromiss schlug DBK-Stadtrat Florian Keßler vor: Er hatte nachgemessen und festgestellt, dass die vorgesehenen Bäume mit 70 Zentimeter Stammumfang im Schnitt dicker als der Bestand sind. Deshalb plädierte er für 40 bis 45 Zentimeter Umfang bei annähernd gleicher Krone. Laut seiner Recherche kostet ein solcher Baum nur 1500 Euro anstelle von 4700 Euro. Diese Variante erhielt eine 16:11-Mehrheit. Zuvor waren der Verzicht auf Nachpflanzung mit 26:1 Stimmen, die Variante mit vier Bäumen mit 17:10 und die Lösung mit acht großen Bäumen mit 18:9 Stimmen abgelehnt worden.


Neue Lage nach dem Gutachten

"Die restliche Lebensdauer rechtfertigt diese Mehrkosten nicht", begründete DBK-Stadtrat Alexander Koller den Antrag zur Fällung der vier Bäume in der Fußgängerzone. Wie in der Mittwochsausgabe berichtet, hatte ein Baumgutachten ergeben, dass eine Erhaltung viel teurer als eine Neupflanzung wäre. "Wir sind nicht eingeschränkt bei der Planung", nannte Freie-Wähler-Stadtrat Sigismund von Dobschütz als weiteres Argument. "Ich habe 2013 für die Erhaltung der Bäume gestimmt, aber nach dem Gutachten habe ich dagegen stimmen müssen", sagte Grünen-Stadtrat Richard Fix. Gestritten wurde über die Notwendigkeit des Gutachtens: "Wir sind durch dieses Gutachten sehr viel schlauer", verteidigte Blankenburg das Vorgehen. Bürgermeister Anton Schick (DBK) meinte, dass dadurch Folgekosten vermieden wurden.


Kommentar von Ralf Ruppert:

Grundschulwissen gegen Gutachten

Das Gutachter-Bashing im Bad Kissinger Stadtrat wird langsam, aber sicher zur Tradition: Am Mittwochabend musste sich der Baum-Sachverständige sagen lassen, dass man doch schon in der Grundschule lerne, dass die Wurzeln eines Baumes so groß wie dessen Krone seien. CSU-Stadträtin Martina Greubel wollte damit suggerieren, dass man sich das teure Gutachten hätte sparen können.
Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn die Stadt auf der Grundlage von Grundschul-Wissen die Fällung der Bäume angeordnet hätte. Es gibt immer wieder Gutachten, die überflüssig sind, dieses höchst anschauliche Baum-Gutachten gehört aber ganz sicher nicht dazu.