Doch auch im Kurtheater gibt es nicht ganztägig, aber vielköpfig eine Revolution am Sonntag, 9. Juli, denn dessen Bühne wird um 15 Uhr gestürmt von Kindern und jungen Leuten von zehn bis 20 Jahre.
Als zweites großes Schülerevent des Festivals werden Schüler der Sinnberg-Grundschule, der Anton-Kliegl-Mittelschule, des Jack-Steinberger-Gymnasiums, des Kinder- und Jugendchors der Herz-Jesu-Kirche und der Musikschule "Titania, du lass Musik beginnen", eine Theateraufführung unter Verwendung von William Shakespeares Komödie "Ein Sommernachtstraum", Felix Mendelssohn-Bartholdys "Musik zu Shakespeares Sommernachtstraum" und eigener Texte aufführen.

Schon die Hauptprobe am Donnerstag zeigte, dass das unter der Ägide der schülerprojekterfahrenen Mitarbeiterin des "Kissinger-Sommer"-Festivalorchesters der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen Lea Fink ein wahrhaftiges Riesenevent geworden ist. Schon im letzten Herbst warb Intendant Dr. Tilman Schlömp bei den Kissinger Bildungs- und Kultureinrichtungen nicht nur um Mitarbeit, sondern um aktive Mitgestaltung. Und die kam von vielen Seiten. Michaela Weißenberger, Diplom-Musiklehrerin, die in der Sinnberg-Grundschule musikpraktischen Unterricht gibt, hat mit tatkräftiger Unterstützung der Grundschullehrerinnen und ihres Schulleiters Karlheinz Deublein mit etwa 140 Kinder aus vielen Klassen von 1 bis 4 zwei Choreographien für Mendelssohns berühmten "Hochzeitsmarsch" und den "Tanz der Rüpel" einstudiert.


Elfen zoffen sich

Sie hat die Anregung ihrer Schüler aufgenommen, dass man eine Gruppe Elfen wohl genauso wenig allein lassen kann wie eine Schulklasse. Sie büchsen aus dem feierlichen Marsch aus und rappen zu "Bibi und Tina", bevor sie wieder ordentlich das Brautpaar empfangen, und aus dem Rüpeltanz machen sie einen "Flirt-Streit", in dem sich Jungen und Mädchen alterstypisch bezoffen.

Wichtigstes Arbeitsprinzip ist für Lea Fink Offenheit, Abwarten, was die teilnehmenden Gruppen anbieten. Auf der Grundlage der Schlegel-Übersetzung von Shakespeares berühmter Komödie und unter Einbeziehung der vielen Anregungen und Textvarianten von den Schülergruppen erstellte sie eine Endfassung.

Aufgrund dieses Textbuchs bereitete die Theatergruppe der Oberstufe am Gymnasium unter Leitung von Ulrike Weilbach die Geschichte über den Streit des Elfenkönigspaares Titania und Oberon vor, die Deutschklasse im M-Zweig der Anton-Kliegl-Schule von Dagmar Fischer nahm sich die Handwerkerhandlung um Zettel samt dessen Verwandlung in einen Esel vor; die Rollen der Elfen werden von beiden Gruppen übernommen. Fischer konnte nach eigener Aussage erstaunt feststellen, wie sehr ihre Schüler mit den ihnen gestellten Aufgaben wuchsen, als sie erst einmal bemerkt hatten, wie viel Spaß kreatives Arbeiten macht: Eigentlich wollten sie in ihrer Text-AG nur die Handwerkertexte umschreiben, doch mit der Zeit kam die Lust, diese auch dann zu spielen, was acht von ihnen jetzt auch tun.


Wunderschöner Wechselgesang

Mit zwei Chorstücken, darunter einem wunderschönen Wechselgesang mit Elfenkönigin Titania, ist der Schulchor des JSG unter Leitung von Christel Gimmler am Projekt "Sommernachtstraum" beteiligt, auch das Schulorchester mischt mit. Michaela Weißenberger und Brigitte Ascherl übernahmen die Einstudierung des Kinder- und Jugendchors der Herz-Jesu-Kirche und der Musikschule. Für Lea Fink ist dieses erste Kissinger Projekt "ein Testballon, ob es funktioniert".

Hinter diesen vielfältigen Mitmach-Angeboten steht die Idee, den Kissinger Sommer mit den örtlichen Bildungs- und Kultureinrichtungen auf Dauer zu verbinden. Ein wichtiger Aspekt der Zusammenarbeit ist, "Schüler mit Profis zusammenzuführen". Sehr junge musikalische Profis sind die beiden Pianisten Anton Gerzenberg und Alexander Vorontsov, die die meisten der elf Sätze von Mendelssohns "Musik zum Sommernachtstraum" in Klavierfassung spielen, zum Teil unterstützt vom JSG-Schulorchester.

Zwei Profisänger, Nina Rademacher, freischaffende Sopranistin aus Würzburg und der in Dresden ansässige kanadische Bariton Sheldon Baxter singen die Partien der Elfenkönigin Titania und ihres Gatten Oberon. Gesamtregie über das Monumentalwerk aus Theater, Musik und Tanz führt die Musiktheaterregisseurin Luise Kautz vom Mainfrankentheater Würzburg. Lea Fink war ihr sehr dankbar, dass sie sich auf die Arbeit mit einem anfänglich noch nicht vorliegenden Skript eingelassen hat. Und das mit Erfolg, denn vier Tage vor der Aufführung lässt sich schon erkennen, dass dieses erste Projekt der Jugendkulturförderung der Bremer Kammerphilharmonie in Bad Kissingen eine gelungene Sache ist und das Potenzial zu einem großen Erfolg für die zahlreichen Beteiligten hat. Und es ist eine wunderbare Einführung in das Konzert der Bremer Kammerphilharmonie am Abend des 9. Juli, in dem diese unter ihrem Dirigenten Paavo Järvi Mendelssohns "Ein Sommernachtstraum" im Max-Littmann-Saal spielt.

Karten zum Preis von 10 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Kinder gibt es im Vorverkauf des Kissinger Sommers im Arkadenbau und an der Kasse im Kurtheater.