Seine letzten Wochen als Oberbürgermeister hatte sich Kay Blankenburg sicher anders gedacht: sich noch bei öffentlichen Termine zeigen, Abschiedsreden formulieren, die Übergabe seines Amtes an Nachfolger Dirk Vogel einleiten. Aber nicht in Zeiten von Corona. Da sieht sich Blankenburg plötzlich ganz unerwarteten Herausforderungen gegenüber.

Der OB ist derzeit häufig daheim erreichbar. Das nicht, weil er krank wäre. Oder eine wochenlange Quarantäne absitzen müsste. Blankenburg möchte krisenbedingt persönliche Kontakte reduzieren, die Mitarbeiter seiner Verwaltung und sich vor dem Virus schützen, indem er "so viel wie möglich zu Hause" arbeitet. Selbst verordnetes Home Office also.

Aber die Arbeit des 62-Jährigen hat sich in den vergangenen Tagen grundlegend verändert. Wegen Corona fallen praktisch alle öffentlichen Termine flach. Stattdessen organisiert Blankenburg viel Verwaltungstechnisches um.

So möchte er so vielen seiner Mitarbeiter "mobiles Arbeiten" ermöglichen. Sie sollen von zu Hause aus "über dienstliche Geräte Zugang zum städtischen Netzwerk" erhalten. Dafür steht der OB telefonisch und per Mail permanent mit der IT-Abteilung im Kontakt. "Noch ist es keine große Zahl an Mitarbeitern, die von daheim aus schaffen. Aber wir arbeiten daran." Besonders wichtig: Die Führungsebene muss handlungsfähig bleiben.

Blankenburg will zudem verhindern, dass "notwendige Infrastruktur" - wie Müllabholung und Abwasserentsorgung - zusammenbricht. Auch eine stabile Stromversorgung liegt ihm am Herzen. Aber das sei Sache der Stadtwerke.

Kurzum: Blankenburg hat den repräsentativen Teil seines Amtes stark heruntergefahren; organisiert dafür seine Verwaltung um. Da werden Mitarbeitern aus derzeit kaum oder nicht beanspruchter Infrastruktur auch mal andere Aufgaben zugewiesen. Ein Beispiel: Wer vorher Jugendkulturzentren oder die Musikschule mit Leben füllte, macht sich vermutlich gut im Telefondienst.

Kay Blankenburg gibt sich keiner Illusion hin: Der erwartbar empfindliche Rückgang der Gewerbesteuer, besonders aus Hotels und Gastronomie, wird ein tiefes Loch in den Stadtsäckel reißen. Doch die Verwaltung baut den Unternehmern Brücken. Dem OB zufolge können Kissinger Gewerbetreibende damit rechnen, dass die Stadt Vorauszahlungen von Gewerbesteuer herabsetzt. Und dass sie Steuern stundet, ohne dafür belastende Zinsen zu verlangen.

Die Stadt hält 53 Prozent an der Staatsbad GmbH, der zurzeit die Kurtaxe wegbricht (wir berichteten). Deswegen hat der OB auch das im Blick. Als Hauptgesellschafter muss die Stadt irgendwann das Defizit ausgleichen.

Blankenburg appelliert an die Menschen, "Einkäufe so weit wie möglich aufzuschieben und dann im stationären Handel in Bad Kissingen zu kaufen, nicht online".

Die angespannte Lage verlangt vom OB noch etwas anderes: mehr Entscheidungen kurzfristig und der Situation gerecht selbst zu treffen. Weil es in der hochansteckenden Corona-Phase kritisch wäre, den gesamten Stadtrat einzuberufen. So wird Blankenburg nicht zur für den 1. April geplanten Sitzung laden. Und auch die festliche Verabschiedung scheidender Stadträte samt Übergabe der Bürgermedaillen muss höchstwahrscheinlich ausfallen.

Zwei wichtige Entscheidungen wird Kay Blankenburg vielleicht noch in seiner spärlichen Restamtszeit treffen müssen: Ob der Kissinger Sommer stattfindet. Und ob das Terrassenschwimmbad am zweiten Mai-Wochenende öffnen darf.

Alles hängt nach seinen Worten davon ab, wie sich die Corona-Krise entwickelt. Daran orientiere sich die Staatsregierung, ob und wie lange sie bis 19. April verhängten Einschränkungen ausgedehnt. Reichten die bis Mitte, Ende Juli ausdehnen, erledigten sich Kissinger Sommer und Schwimmbad-Öffnung für den OB von selbst. Sollte die Staatsregierung - wieder Erwarten - Lockerungen beschließen, erhalten Blankenburg oder sein Nachfolger Dirk Vogel Spielraum. "Die Lage ändert sich ständig. Wir müssen dann schnell entscheiden, ob der Kissinger Sommer kommt oder nicht." Beim Terrassenschwimmbad laufe es ähnlich.

Blankenburg steht in Kontakt mit Vogel, informiert ihn über Entscheidungen, die in seiner Amtszeit noch anfallen. Seinem Nachfolger bescheinigt er "eine sehr fordernde Aufgabe. Da kann er gleich sehen, wie gut die Verwaltung funktioniert, wenn sie stärker beansprucht wird". Bisher habe sie den Stresstest hervorragend bestanden.

Dirk Vogel hat vergangene Woche mit Blankenburg telefoniert - und wird das bis zu dessen Abschied noch öfter tun. Anders als der Noch-OB will er "ab 2. Mai in der Verwaltung präsent" sein. Nur wenn er sich selbst Corona einfange oder in Quarantäne müsste, würde er sich Home Office verordnen. Da sich die Lage im Moment ständig ändere, könne er erst ab Mai "wirklich schauen, wo stehen wir, was müssen wir tun, was passt zu Bad Kissingen.

Der 42-jährige SPD-Mann glaubt, dass es für den stark touristisch geprägten Kurort schwerwiegender wird, die Corona-Krise zu meistern, als für eine "gewöhnliche" Kleinstadt. "Wir werden die durch erheblich nach unten gehenden Anteile an Steuern und Kurtaxe entstandene Delle finanzieren müssen. Das wird Bad Kissingen nicht alleine stemmen können."

Vogel will aber nicht schwarz sehen. Die Corona-Krise wird seiner Meinung nach "neue Rahmenbedingungen" schaffen. "Ich will schauen: Wo liegen Dinge, mit denen wir nach der punkten können". Die vorhandenen Gesundheits- und Rehaplätze würden sicher auch dann gebraucht. Und Einrichtungen wie das Zentrum für Telemedizin seien definitiv zukunftsfähig.