Für Johannes Brennsteiner, den jungen Holzbildhauer, der die Figur des Martin Luther für Bischofsheim fertigte, ist seit fast drei Jahren auf der Walz ist. Für ihn war der Auftrag in Bischofsheim eine herausragende Erfahrung. Die Rhön habe er als Wanderziel bewusst ausgewählt, da er die Bischofsheim Holzbildhauerschule ja kennen lernen wollte. Doch sechs Wochen wollte er sich in Bischofsheim eigentlich nicht aufhalten. Aber dann kam der Auftrag der Stadt Bischofsheim, der erste kommunale Auftrag für den jungen Künstler.
"Es war der umfangreichste Auftrag während meiner Wanderschaft. Sonst habe ich nur mitgearbeitet oder ausgeholfen." Die Skulptur des Martin Luther eigenständig zu erstellen, sei ihm eine große Freude und auch Herausforderung gewesen. Reibungslos habe die Abstimmung mit der Stadt Bischofsheim und der evangelischen Kirchengemeinde funktioniert.
Der junge Holzbildhauer kommt aus Dingolfing. Als er sich vor fast drei Jahren entschied nach alter Väter Sitte auf die Walz zu gehen, verpflichtete er sich einen Bannkreis von 60 Kilometern um seinen Heimatort einzuhalten, kein eigenes Handy und kein eigenes Fahrzeug zu besitzen, nur zur Fuß oder per Anhalter unterwegs zu sein. Öffentliche Verkehrsmittel dürfe er nur in Notfällen nutzen.
Unterwegs lernte er andere Handwerksgesellen kennen, die ebenfalls auf der Walz sind. Unter ihnen Julian Heidemann einen junger Mauer. Als es nun darum ging für den Bischofsheimer Martin Luther eine Möglichkeit zur Befestigung, einen Sockel, zu erstellen, nahm Brennsteiner mit Heidemann Kontakt auf, der sofort nach Bischofsheim kam. Zufälligerweise hatte er sich in der Nähe von Fulda aufgehalten und gerade keinen Auftrag.


Weiter geht's nach Georgien

"Ich bin froh, für den Sockel einen Fachmann vor Ort zu haben", sagte Brennsteiner, Die beiden haben ihre Arbeit in Bischofsheim fertig gestellt und werden sich auf den Weg nach Georgien machen. "Eine alte Kultur kennen lernen und arbeiten. Es ist nicht das klassische Reiseland", freuten sich sie auf die bevorstehenden Erlebnisse. Und das mit der Sprache werde "interessant" meinten sie.
Drei Jahre und einen Tag dauere so eine Walz. Der Abschied von der Wanderschaft stehe für Brennsteiner, nach der Zeit in Georgien an. "Ich bin in vielen Ländern in Europa unterwegs gewesen, in Spanien, Frankreich, Italien, Polen, der Schweiz, Tschechien, Ungarn und Rumänien. Der Abschied und die Freiheit aufzugeben, wird nicht leicht sein", vermutet er jetzt schon. Sein Kollege, der junge Mauerer ist seit über einem Jahr unterwegs.


Eine richtig gute Zeit

Beide waren sich einig, dass sie in Bischofsheim "eine richtig gute Zeit" erlebten. "Wir haben uns pudelwohl gefühlt und die Holzbildhauer zu schätzen gelernt. Es ist eine richtig gute Schule." Zur offiziellen Aufstellung der Martin-Luther-Skulptur werden sie allerdings noch einmal nach Bischofsheim zurück kehren. "Da möchten wir dabei sein. Wir freuen uns jetzt schon wieder in der Rhön zu sein." Solange werde der Sockel unter dem Sonnendach am künftigen "Martin-Luther-Platz" ohne Martin Luther sein. Der geschützte Platz sei bewusst gewählt worden, um die Skulptur vor Witterungseinflüssen zu schützen.