Vor rund einem Jahr nahm Sabine Nasner im Sandberger Rathaus als "Fachkraft für die Walddörfer Senioren" ihre Arbeit auf. Ihre Stelle wird durch das Bayerische Sozialministerium mit 80.000 Euro (auf vier Jahre verteilt) gefördert. Sabine Nasner ist seitdem "Kümmerer" für alle Belange rund um die Seniorenarbeit in den fünf Ortsteilen der Walddörfer.

Die Corona-Pandemie habe zwar einige geplante Aktionen auf Eis gelegt, dennoch seien in diesem Jahr eine ganze Reihe von Ideen und Anregungen vorangetrieben worden. "Im Mittelpunkt aller Überlegungen steht dabei stets der Gedanke, den Menschen das Altwerden in ihrer Heimat und als Mitglied der Gesellschaft zu ermöglichen", so Nasner. Die Anschaffung eines Bürgerbusses, Pflegeentlastungsnachmittage und Tagespflege sind Themen, um die vorhandene Infrastruktur weiterzuführen und Neues aufzubauen. Eine Befragung nach den Bedürfnissen und Wünschen in den Walddörfern ging allen Aktivitäten voraus, ebenso wie persönliche Gespräche mit Senioren, um möglichst maßgeschneiderte Angebote entwickeln zu können.

Dabei zeigte sich, dass das Thema Mobilität ganz oben auf der Wunschliste steht. Die Anschaffung des Bürgerbusses soll bis März 2021 realisiert sein. Ziel ist es, die Anbindung der Walddörfer an den Öffentlichen Personennahverkehr zu optimieren. Hohe Kosten, unübersichtliche Fahrpläne und eine schlechte zeitliche Anbindung, lauteten die Kritikpunkte. Angeschafft wird ein "Kleinbus" mit bis zu neun Sitzen und einem barrierefrei zugänglichem Rollstuhlplatz. Dieser Umbau nehme einige Zeit in Anspruch, so dass die Lieferung erst bis März in Aussicht gestellt wurde, sagte Bürgermeisterin Sonja Reubelt. Gefahren wird der Bürgerbus künftig von ehrenamtlichen Fahrern, die allerdings einen Personenbeförderungsschein besitzen müssen.

Nasner startete einen Aufruf und stieß auf große Resonanz. 20 Personen haben sich hierfür gemeldet. Wichtig ist Bürgermeisterin Sonja Reubelt und Sabine Nasner, dass der Bürgerbus keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle und notwendige Ergänzung zum bestehenden Kreuzbergbus werden soll. "Der bestehende ÖPNV soll lediglich ergänzen, und Lücken im Verkehrsnetz sollen durch den Bürgerbus geschlossen werden", so Reubelt. Wie der Kreuzbergbus soll auch der Bürgerbus ein Rufbus sein, der telefonisch angefordert werden könne. Um den unübersichtlichen Fahrplan des ÖPNV zu entzerren, erstellt Sabine Nasner einen eigenen Fahrplan für die Walddörfer. Reubelt und Nasner erhoffen sich eine größere Akzeptanz, wenn der Fahrplan verständlich und für ältere Menschen auch leserlich gestaltet ist. Außerdem plane die Gemeinde Sandberg die Hälfte der Fahrpreise des Kreuzbergbusses für einen Zeitraum von zunächst einem Jahr zu übernehmen. Danach soll eine Evaluierung stattfinden.

Beratung vor Ort

Sabine Nasner bietet für die Walddörfer-Senioren Beratung vor Ort an. "Das wird sehr gut angenommen", betonte sie. Die Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Anliegen zu ihr. Meist ist sie dabei behilflich, an weiterführende Stellen zu vermitteln. Das betreffe konkret oft Anfragen zum Themenkomplex Pflege und Patientenverfügungen. "Ich gebe keine Rechtsberatung", betont sie ausdrücklich. Manchmal kommen Menschen aber auch nur zu ihr, um mit jemand zu sprechen. Auch dafür sie als Fachkraft für die Walddörfer-Senioren da und hat ein offenes Ohr. Ein weiteres Thema ist ein Angebot für Tagespflege in den Walddörfern. Der erste Termin für einen Pflegeentlastungsnachmittag war für Anfang November vorgesehen, musste aber aufgrund der Corona-Situation abgesagt werden. Nasner hofft nun, dass es im Frühjahr oder Sommer möglich sein wird, das Projekt erneut aufzugreifen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Demenz. Hierzu wird es Anfang des neuen Jahres eine offizielle Vorstellung mit den beteiligten Partnern geben.

Marktplatz der Generationen

Die Gemeinde Sandberg ist Partnergemeinde des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales im Projekt "Marktplatz der Generationen" und gilt als Modellkommune in Sachen Demografie und Seniorenpolitik. Bürgermeisterin Sonja Reubelt reichte für die Gemeinde Sandberg die entsprechende Bewerbung ein. Sandberg zählt zu den ausgewählten Kommunen, die passgenau beraten, und bei der Umsetzung konkreter seniorenpolitischer Maßnahmen bis Juli 2022 aktiv begleitet  werden. Abgedeckt werden die Themenfelder "Markt", "Dienstleistung & Mobilität", "Selbstbestimmt wohnen und neue Wohnformen", "Gesundheit und Pflege" sowie "Gesellschaftliche Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement". Gleichzeitig ist die Gemeinde Sandberg Part einer Austauschplattform mit den weiteren beteiligten Gemeinden. Dabei gehe es darum, voneinander zu lernen und zu profitieren, sowohl bei konkreten Projektideen wie auch bei Anträgen und Konzepten sowie dem Ausschöpfen von Fördermöglichkeiten. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden allerdings bisherige Termine zum Austausch virtuell vorgenommen, berichtet Sabine Nasner. Über die Wintermonate werde es eine monatliche Marktplatzstunde zu unterschiedlichen Themen mit externen Referenten geben.