Bad Kissingen — Im Jahr 2013 haben die Jugendämter in Deutschland 42 100 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. In 19 Fällen musste das Jugendamt des Landkreises Bad Kissingen die Notbremse ziehen und ein Kind aus einer Familie nehmen: "Kinder von ihren Eltern zu trennen, ist immer das äußerste Mittel - die Ultima Ratio", sagt Siegbert Goll, Leiter des Jugendamtes.
Leicht fallen ihm und seinen Mitarbeitenden des Sozialen Dienstes die Entscheidung und dieser Schritt nie. Es ist immer ein Balanceakt. Dabei hat das Wohl des Kindes oberste Priorität.
83 Hinweise bekam das Jugendamt des Landkreises Bad Kissingen im vergangenen Jahr auf mögliche Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen. Die konkrete Situation des Kindes wurde umgehend überprüft und bei Bedarf die geeignete Maßnahme zur Gefahrenabwehr ergriffen. Es sind Nachbarn, Bekannte, Kinderärzte, Schulen und Kindertagesstätten, die aufmerksam waren und das Jugendamt auf den Plan riefen. Viele Kinder und Jugendliche melden sich aber auch selbst.
Das Jugendamt kümmert sich um jeden einzelnen Fall. 19 Fälle stuften die Mitarbeiter im vergangenen Jahr als so alarmierend und schwerwiegend ein, dass sie die Kinder und Jugendlichen aus Familien im Landkreis Bad Kissingen herausholen mussten - vorübergehend jedenfalls. Und das, um sie zu schützen.
In solchen Fällen leiden Kinder und Jugendliche unter akuten Gefahren. Sie erleben schwere Konflikte in der Familie, massive Vernachlässigungen, körperliche und seelische Misshandlungen, sexuelle Gewalt. Dann ist die Inobhutnahme der letzte Ausweg - der "Rettungsring", den das Jugendamt werfen muss. red