Andrea Schäfer und Sabine Schalke von der Einhard Grundschule in Euerdorf wollen es ganz genau wissen: Im Rahmen der 1300-Jahrfeier der Gemeinde planen sie einen Projekttag zum Thema mittelalterliche Handschriften an der Schule und lassen sich im Museum Heimatstube in Reiterswiesen in die Welt klösterlicher Skriptorien entführen. Sie schauen dem Kalligraphen Reinhold Schädlich über die Schulter, dürfen handgeschöpftes Papier in die Hand nehmen und
erfahren, wie die Minnelieder des Otto von Botenlauben Buchstabe für Buchstabe in karolingischer Minuskelschrift aufs Pergament geflossen sind.
"Für die Tinte sammle ich im Frühjahr Schlehenzweige, klopfe die Rinde ab und im Herbst köcheln die getrockneten Reiser viele Stunden vor sich hin". Der Künstler der schönen Schriften gibt auch allen anderen Besuchern bereitwillig Auskunft, was es mit dem Motto der Ausstellung "Mit Federkiel und Dornentinte" im Museum Heimat-stube in Reiterswiesen auf sich hat: "Im Mörser wird Holzkohlenasche zerkleinert und dem rotbraunen Sud zugesetzt, damit er an Schwärze gewinnt." Später wird die Gänsefeder gespitzt und dann ist höchste Konzentration ist gefragt", lacht der pensionierte Kunstlehrer, "denn es gibt weder Tipp-Ex noch eine "Return- Taste".
Seit 25 Jahren ist Reinhold Schädlich aus Münnerstadt mit ganz viel Herzblut der Kalligraph "Meister Runold" bei den Botenlauben-Festspielen und hat fast alle Lieder des Minnesängers als kunstvolle Handschrift gestaltet. Für die Ausstellung sind in drei Zimmern des Museums die Gedichte in mittelhochdeutscher Sprache stilvoll dekoriert. Zu allen Liedern gibt es auch die Übersetzung ins heutige Schriftdeutsch und so erfahren die Besucher dass "Ich hân diu bant, diu nieman kan beschouwen" mit "Ich trage Fesseln, die kein Blick kann schauen" übersetzt wird und finden so auch den Zugang zur Lyrik des Botenlaubers.
Aufgrund des großen Erfolgs ist die Ausstellung auch an den beiden Osterfeiertagen zum traditionellen Osterfrühschoppen in der Heimatstube jeweils von 11 bis 12 Uhr nochmals geöffnet.