Ramsthal Die Bewertungskommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" ist beeindruckt von der innovativen Kraft des Weinorts, der Wertschätzung von Natur und dem Zusammenhalt im Dorf.
"Mir in Romsl halde hald zomm", kommentierte Adolf Keller, langjähriger Vorsitzender und einer der prägenden Gestalter des Dorfes, das Lob von Dieter Büttner. Der Leiter der Bewertungsjury für den Landkreisentscheid des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" hatte beim Abschlussgespräch im "Haus der Erlebniskunst" nach dem Dorfrundgang in Ramsthal von "der Strahlkraft des Ortes in die Region hinaus" gesprochen. Er hatte auch die Aufgeschlossenheit der Ortsbürger hervorgehoben, einerseits die Identität zu bewahren, gleichzeitig auch Neues zu wagen. Bürgermeister Alfred Gündling und seinen Mitstreitern und den Bürgern rund um Altbürgermeister Franz Büttner war es gelungen, der Kommission ein in allen Punkten positives Bild des Wein- und Fremdenverkehrsorts zu vermitteln.


Dorfleben im Einklang

Dabei war die Aufgabe nicht leicht. Jeweils zwei Fachleute hatte das Landratsamt zu den Themen: Entwicklungskonzept der Gemeinde, wirtschaftliche Situation, soziale und kulturelle Möglichkeiten, Baugestaltung, Grün im Dorf und Landschaft und Naturschutz als Juroren bestellt, die sich von den Gegebenheiten im Dorf ein Bild machen, die Ergebnisse festhalten und bewerten sollten. Aber Ramsthal wäre nicht Ramsthal, wenn sich dem Rundgang nach der Vorstellung des Ortes im Rathaus durch den Bürgermeister nicht über 50 Bürger angeschlossen hätten.


In Tracht dabei

Die Kellers, Günders und weitere Weinbauvereinsmitglieder waren in Tracht dabei, mit Sträußchen am fränkischen Dreispitz bei den Herren und blumengeschmückten Täschchen bei den Damen. Imke Stöber, wie die anderen Teilnehmer bekennende Ramsthalerin, kam gar mit kunstvoll-cooler "Romsl"-Stickerei auf ihrer Jacke. An fast 20 Stationen wurde deutlich, warum Ramsthal zu den Vorzeigeorten des Landkreises zählt. Erfreulich wurde vermerkt, dass das ehemalige Pfarrhaus mit Bücherei und Gemeindewohnungen einer neuen Nutzung zugeführt und ein leer stehendes Haus in der Dorfmitte zur Unterbringung von Flüchtlingen ertüchtigt werden und so Basis gelungener Integration werden konnte. Es schmerzt jede Gemeinde, wenn die Kinder nicht mehr im Ort unterrichtet werden können. In Ramsthal ist das verwaiste Schulgebäude mit Hilfe der Gemeinde und nach Gründung eines Vereins zum vielbeachteten Haus der Erlebniskunst geworden. Die mutige Entscheidung gegen einen Abriss hat den Bürgern neue Wege zu Kunst und Kultur aufgezeigt. Auch das Beispiel, wie durch einen straßenabgekehrten modernen Anbau ein vom Abriss bedrohtes Haus zu lebenswertem Wohnen im Altort werden kann, beeindruckte die Juroren.


Bekenntnis zum Ortskern

Die Familien Baldauf und Neder haben räumliche Enge in Kauf genommen und ihre Kellerei bewusst nicht auf die grüne Wiese ausgelagert, sondern mit den gelungenen Vinotheken den Ort auch architektonisch interessant gemacht. Ähnliches plant die Weinbaufamilie Keller. Auch in das Ortsbild prägende Gasthaus Wahler wird weiter investiert, erfahren die Juroren, und das Gästehaus Ingrid hat - einzigartig in der Region - mit "Schlafen im Holzfass" und einer Pilgerhütte am Jakobsweg innovative Ideen verwirklicht.
Dass Ramsthal ein einladendes Dorf ist, stellt auch Jurorin Irmgard Heinrich, Kreisvorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, fest. Die gestalteten Holztore, auch der Blumenschmuck beim Blick in den Hof und die gepflegten Gärten haben ihr besonders gefallen.


Lob und Anregung

Peter Piel, Fachreferent Naturschutz, regt an zu prüfen, ob der komplett verrohrte Bach nicht wenigstens teilweise gezeigt werden kann und wünscht sich, dass die Vegetation an den Straßenrändern wenigstens teilweise stehen bleibt. Er bezeichnet andererseits, dass die Pflege der Wanderwege, die Erhaltung der Flurdenkmale und der sensible Umgang mit der Natur eine sichtbare Wertschätzung der Natur sei. Dass die Landschaft der durch sieben Seitentäler eingeschnittenen Hochfläche nur durch sanften Tourismus erschlossen wird, führt für ihn "zu einem sehr guten Fazit".