Wie viele Autokäufer ist auch das Ehepaar Barbara und Norbert Jenkner aus Westheim gespannt auf die erste Probefahrt mit ihrem Wunschauto. Schließlich warten sie schon lange darauf. Es ist kein gewöhnliches Auto, das sie fahren dürfen. Es ist ein Auto, das selbst Strom produziert und auch abgeben kann. Zurzeit gibt es davon nur zwei Prototypen, die nicht Ingenieure der großen Autofirmen entwickelt haben, sondern drei Studenten aus München, die seit drei Jahren in Wohnzimmer und Garage die Idee von einem autarken Solarauto verwirklichen: den "Sion" von "Sono Motors". Finanziert wurde die Entwicklung der Existenzgründer bisher durch 200.000 Euro aus Crowdfunding.

Hier hat auch Familie Jenkner 500 Euro investiert: "Wenn wir von dem Serienprodukt nicht überzeugt sind, bekommen wir das Geld zurück."

Die Testfahrt findet in Nürnberg in einem Industriegebiet statt. Das Besondere an dem Auto sieht man gleich: Rundum sind Solarzellen, insgesamt 7,5 Quadratmeter auf der Außenhülle verteilt. Geschützt werden die Kollektoren durch flexibles Polycarbonat. Die Solarkollektoren laden sich jederzeit im Freien auf und sollen bis zu 30 Kilometer zusätzliche Reichweite bringen. Das 80 Kilowatt (kW)-Solarauto ist mit einer Reichweite von 250 Kilometern für Stadtpendler und Familien ausgelegt. Mit einer Anhängekupplung für eine Zuglast von 750 Kilogramm lassen sich auch gängige Lasten transportieren. Der Kofferraum ist recht groß.

Eine bemerkenswerte Idee ist der Luftfilter aus Moos, der auch noch dekorativ aussieht. Aus den zwei Prototypen, die jetzt zur Probefahrt bereit stehen, sollen in zwei Jahren, Serienmodelle entstehen. In der Vorserie werden bis in zwei Jahren 30 Autos produziert.


Investition mit Risiko

Davon werden vom TÜV zwölf Exemplare für den Crashtest ausgewählt. Auch für das weitere Vorgehen wird auf Privatinvestoren gesetzt. So können sich Interessierte jetzt finanziell beteiligen und einen "Sion" reservieren und bestellen. So soll auf diesem Weg mindestens eine Million Euro eingesammelt werden. Nicht verschwiegen werden darf, dass diese Art der Investition mit Risiko behaftet ist.

Barbara Jenkner ist vor allem von dem neuen Konzept fasziniert: "Es geht hier nicht hauptsächlich darum, ein neues Elektroauto zu entwickeln. Wichtig ist vor allem das Gesamtkonzept: Das Auto als dezentraler Stromerzeuger, mit dem ich zu Spitzenlasten auch Strom abgeben kann, als Starthilfe für E-Autos dienen oder beim Camping Strom aus dem Auto verwenden kann." Dazu gibt es spezielle Buchsen, die Norbert Jenkner als technisches Alleinstellungsmerkmal des "Sion" sieht. Das Auto ist vor allem nach funktionellen Aspekten ausgelegt: Es werden Teile der Zuliefererindustrie verwendet, deren Patentschutz abgelaufen ist. Also kann es passieren, dass einem Hebel und Schalter sehr bekannt vorkommen. So gibt es auch Klimaanlage und elektrische Fensterheber, kein mechanisches Zündschloss, denn das sind bereits Standardteile der Autoindustrie.

Die Idee, die hinter dem "Sion" steckt, ist tatsächlich faszinierend und auch innovativ. Es geht um ein neues Konzept der Mobilität. Es steht nicht der Einzelne mit seinem Auto im Mittelpunkt, sondern die Fortbewegung der Gemeinschaft an sich. Carsharing, Powersharing, Ridesharing sind die Begriffe, die intelligente Mobilität ausmachen und die von "Sono Motors entwickelt" und unterstützt werden.

Das Ehepaar Jenkner wird die Entwicklung des "Sion" und der Elektromobilität vor Ort im Landkreis weiterhin beobachten und ist gespannt auf die nächste Probefahrt im Serienmodell.