In einer Schürze trägt die zwölfjährige Gretel Dickert Teile eines Skeletts nach Hause. Dieses ist beim Umgraben eines Weinbergs ans Tageslicht gekommen. Die Knochen werden in einem Garten mit Mörtel zusammengesetzt und fotografiert. Dieter Vogler zeigt das Bild, das von damals erhalten geblieben ist. Er steht dabei vor rund 30 Exkursionsteilnehmern in einem Wengert am Hammelberg, dem Fundort von 1936.

"Es war ein Frauengrab, das nicht besonders üppig ausgestattet war", erklärt Vogler. Eine nennenswerte Beigabe lag allerdings bei den Knochen: eine Fibel aus Bronze. Sie wird heute in Würzburg aufbewahrt. Vogler hält für die Wanderer eine Nachbildung aus Metall hoch.

Er hat sich sehr gründlich mit den Grabfunden in den Hammelburger Weinbergen befasst, Dokumente gesammelt und beim Landesamt für Denkmalpflege in Seehof nachgeforscht. Bei einer Wanderung des Förderkreises Stadtmuseum Denkmalpflege erzählt er nun dieses Stück Hammelburger Geschichte. Der Grabfund von 1936 gehört zu den Zeugnissen der Besiedelung des Saaletals. Und es war nicht der einzige am Hammelberg.

Bereits 1895 gab es eine Entdeckung. Die Finder wollten wohl für einen Weinberg Mutterboden vom Hang abtragen, als sie auf ein Doppelkammergrab stießen. Darin waren ein Mann und eine Frau bestattet - mit zahlreichen Beigaben. Eine Auflistung nennt unter anderem: einen Glasbecher, Pfeilspitzen, Schwert, Lanze, Bronzeringe, Münzen, Messer, Kamm. Das Doppelgrab wird auf die Merowingerzeit datiert, grob gesagt stammt es also aus dem 6. Jahrhundert nach Christus.

"Es waren wertvolle Beigaben. Eine Lanze ist nichts Gewöhnliches. Der Becher war sowieso etwas Wertvolles", meint Elfriede Böck vom Kulturamt. Wo sind die Dinge heute? Vogler vermutet, dass sie in irgendeinem Depot zwischen anderen Fundstücken lagern. Das Stadtmuseum hat zumindest eine Nachbildung des Bechers.

Der Grundstücksbesitzer baute eine Weinbergshütte über das Grab, die später verfiel. Heute ist die Fundstelle nicht zu erkennen, wie sich die Teilnehmer überzeugen können. Vogler weiß jedoch, dass sie auf einem engen Streifen zwischen Bäumen und Gebüsch zu suchen ist.

Genauso sind zum Bedauern vieler Geschichtsinteressierter andere Siedlungsspuren am Hammelberg verschwunden. Die Flurbereinigung hat einen Teil getan. Vogler sagt: "Sie hat den Berg total verändert."