50 frisch gepflanzte Walnussbäume stehen seit kurzem auf einem Acker bei Hammelburg. Einige freiwillige Helfer der Kreisgruppe Bad Kissingen im Bund Naturschutz haben bei der Pflanzung geholfen. Für die Pflanzaktion gibt es mehr als einen Grund: Schon vor Jahrhunderten haben Bauern ihr Grünland und ihre Äcker gezielt mit Bäumen bepflanzt. "Die zunehmende Intensivierung der Bewirtschaftung hat allerdings dieses Miteinander, heute verwenden wir dafür das Wort Agroforst, immer weiter zurückgedrängt", teilt die Kreisgruppe des Bund Naturschutz Bad Kissingen in einer Pressemeldung mit.

Vielen Untersuchungen zufolge können die alten Nutzungsformen landwirtschaftlicher Flächen der globalen Erwärmung und den einhergehenden Extremwetterereignissen wie Dürren oder Starkregenfällen besser trotzen als die intensive Nutzung. Agroforste bringen laut Bund Naturschutz Vorteile für die Böden und für die Artenvielfalt - und zudem können die Bäume zusätzlich das Treibhausgas CO2 binden.

"Lukratives Geschäftsmodell"

Der Anstoß für den Einstieg in das Thema Agroforst sei für die Kreisgruppe im Frühjahr gekommen. Ein junger Unternehmer fragte an, ob die Kreisgruppe eine Möglichkeit sehe, seinen CO2-Ausstoß auszugleichen. Typischer Weise denken viele bei CO2-Kompensationen zuallererst an die Anpflanzung von Wald zum Beispiel in Südamerika. "Das ist inzwischen sogar ein lukratives Geschäftsmodell geworden, da viele Menschen beispielsweise das CO2 für ihre Flugreisen kompensieren möchten", berichtet Kreisvorsitzender Franz Zang.

Allerdings sei es ein Geschäftsmodell mit Tücken, denn bei genaueren Untersuchungen existierten häufig diese Flächen gar nicht oder die Gelder verschwanden in dubiosen Kanälen, heißt es vom Bund Naturschutz.

Deshalb also jetzt die Anpflanzung von 50 Walnussbäumen auf einem 1,3 Hektar großen Acker in der Nähe von Hammelburg, die im Besitz des Bund Naturschutz ist, teilt die Kreisgruppe mit. Das sind eigentlich recht wenig Bäume für diese Fläche, aber das Prinzip von Agroforst sei die Doppelnutzung. Unter und zwischen den Nussbäumen wachse zum Beispiel Roggen.

Und auch wenn diese Bäume irgendwann deutlich mehr Schatten werfen, werde dies, so zeigen viele Untersuchungen, den Ertrag nicht merkbar schmälern. Denn die Beschattung verringere die Verdunstung von Wasser und zudem wirkten Bäume wie Wassersauger, die mit ihren tief reichenden Wurzeln Wasser und Mineralien aus tieferen Bodenschichten nach oben transportieren. Dieses Wasser stehe dann auch den Feldfrüchten wie Getreide oder Kartoffeln zur Verfügung.

Landwirt schafft sich extra Bohrer an

Zur Umsetzung schaffte der Landwirt Helmuth Kientzle, der die Flächen des Bund Naturschutz pflegt, extra einen Bohrer an. Damit ging die Hauptarbeit, nämlich das Graben der Pflanzlöcher, schnell von der Hand. Die Fachleute Robert Hildmann und Jürgen Kleinhenz kümmerten sich um die Sortenwahl und organisierten die Anpflanzung, heißt es weiter.

Aber was hat diese Pflanzung mit der Kompensation von CO2 zu tun, außer der Speicherung von CO2 im Holz der 50 Bäume? Die Anlage von Wald sei ein sinnvoller Weg, allerdings gebe es einige Hindernisse. Ein Hektar durchschnittlicher Wald nehme in den hiesigen klimatischen Breiten etwa zehn Tonnen CO2 im Jahr auf - das ist die durchschnittliche Kohlendioxidmenge, die in Deutschland pro Kopf erzeugt werden. Bei frisch gepflanzten Bäumen dauere es aber sehr lange, bis diese Rate erzielt wird. Zudem sei es in einem Landkreis, der zur Hälfte mit Wald bedeckt ist, recht schwer, zusätzliche Flächen zu finden. Es wäre deshalb weitaus effektiver, Bäume älter werden zu lassen.

Deshalb lässt der Bund Naturschutz die Waldstücke, die in seinem Besitz sind, einfach wachsen. "Im Frühjahr dieses Jahres schenkte Susanne Schmitt aus Bad Kissingen dem Bund Naturschutz ein wunderschönes Stück Wald mit mittelalten Buchen", berichtet der Verband. In diesem Wald war 60 Jahre lang kein Holz geerntet worden, so dass ein mittelalter Buchenwald entstehen konnte. "Und diese Buchen können leicht nochmal 60 Jahre diese Klimaschutzleistung erbringen."

Wertvolle Nahrungsmittel

Noch einen ganz anderen Grund gebe es für die Anpflanzung ausgerechnet von Walnussbäumen: Walnüsse seien äußerst wertvolle Nahrungsmittel mit einem sehr hohen Anteil von Omega-3-Fettsäuren. Diese seien ein Grund dafür, dass der Verzehr von Avocados weltweit steigt, heißt es in der Pressemitteilung der Kreisgruppe weiter.

Der Arzt und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen habe diese steigenden Verbrauch in einem seiner Bücher aufgegriffen und kritisiert. Seine Argumente seien recht einleuchtend: Ein Kilo Avodacos verbrauche 1000 Liter Wasser - Wasser, das in Ländern wie Südamerika ohnehin knapp ist. Zudem werden wegen der großen Nachfrage Wälder abgeholzt, der weite Transportweg für die schnell verderbende Frucht ist ein zusätzlicher Kritikpunkt.

Und das Verblüffende sei: Walnüsse sind sogar noch gesünder als Avocados, sie enthalten auf das Gesamtgewicht gerechnet weniger Fett und mehr der wertvollen Fettsäuren. Auf diese Weise sorgen Walnussbäume für Klimaschutz, denn eine Handvoll Walnüsse enthalten mindestens so viel Omega-3-Fettsäuren wie eine Avocado, so der Bund Naturschutz.