"Nun geht mein größer Wunsch nicht mehr in Erfüllung". Das sagte der todkranke Pfarrvikar Stefan Beetz vor wenigen Wochen. Pfarrer in Bad Königshofen oder wenigstens in der Nähe, das wäre es gewesen. Einen Traum, den ihm seine Krankheit zunichte gemacht hat. Noch vor Monaten hatte er sich auf die Pfarrstelle in Großeibstadt beworben. Doch dann kam alles ganz anders. Stefan Beetz bekam die Nachricht: Krebs und unheilbar. Nur noch wenige Monate blieben ihm. In der Nacht zum Samstag ist er im Alter von 49 Jahren gestorben. Das teilt der Bad Königshofener Pfarrer Karl Feser mit.
Stefan Beetz wirkte von 2008 bis kurz nach seiner Priesterweihe am 11. Juli 2011 in der Pfarreiengemeinschaft "Saalethal", wohnte im Sulzthaler Pfarrhaus und hielt auch noch danach regelmäßig Kontakt in die Region. "Er kam zu den Pfarrfesten, hielt noch Trauungen und Taufen", erinnert sich die Euerdorfer Küsterin Brigitte Kaiser. Auch für die Rom-Wallfahrten mit Stefan Beetz meldeten sich immer wieder Teilnehmer aus Euerdorf und Umgebung an.
In Erinnerung ist Brigitte Kaiser vor allem sein intensiver Einsatz in der Kommunion-Vorbereitung und seine offene Art. Die habe er sich bis zum Ende erhalten: "Er hat alles rund um seinen Tod genau geregelt", erzählt Brigitte Kaiser. Vom Ort der Trauerfeier bis zum Festredner stehe alles seit langem fest. Das Requiem für den Verstorbenen findet am Freitag, 3. November um 14 Uhr in seinem Heimtort Neundorf bei Coburg statt. Anschließend ist die Beisetzung auf dem Friedhof. Bislang sei keine gemeinsame Bus-Fahrt der Pfarreiengemeinschaft Saalethal geplant. "Die Kirche ist höchstens so groß wie die Wirmsthaler Kirche", sagt Brigitte Kaiser zur Begründung.
Nach der Station im Landkreis Bad Kissingen wechselte Stefan Beetz als Kaplan in die Pfarreiengemeinschaft "Grabfeldbrücke". Am Herzen lag ihm auch dort vor allem die Ökumene. Dazu gehörten gemeinsame Familienzeltlager, Einheitswochen der Christen, ökumenische Kinderbibeltage, Valentinstagsgottesdienste, gemeinsame Segnungen, Gottesdienste für trauernde Eltern und nicht zuletzt die ökumenische Fahrt nach Assisi. Der evangelische Pfarrer Lutz Mertten verglich Stefan Beetz gar mit Papst Franziskus und Franz von Assisi. Beide hätten viel Bewegung und vieles ins Rollen gebracht. Kaplan Beetz war immer in Bewegung, aber immer auf dem Weg zu den Menschen, das war seine Berufung. Diese zeigte sich auch beim Abschiedsgottesdienst 2014 im Grabfeld.
Pfarrvikar Stefan Beetz war ein aufgeschlossener, aktiver, engagierte und umgänglicher Mensch, der für die Sorgen der Menschen immer ein offenes Ohr hatte. So lagen ihm festlich gestaltete Erstkommunionfeiern ebenso am Herzen wie die intensive Vorbereitung dazu. Ganz besonders kümmerte er sich auch um die Kranken, spendete ihnen und den Angehörigen Trost und begleitete sie.
Die Zusammenarbeit mit der Jugend, aber auch der Kontakt zu den Mitgliedern der Pfarrei und zur Bevölkerung lagen ihm am Herzen. Stefan Beetz war bekannt dafür, dass er gerne Pilgerreisen unternahm. Auch eine familiäre Verbindung gab es im Landkreis Rhön-Grabfeld, speziell mit seinem Großcousin Pfarrer Hans Beetz aus Brendlorenzen.
Stefan Beetz ist in Neundorf bei Weitramsdorf aufgewachsen, war Betriebsleiter in der Polstermöbelbranche und wollte "für die Menschen da sein". Das war für ihn der Grund 2003 das Spätberufenenseminar zu besuchen und Theologie zu studieren. Seine Pastoral- und Diakonkurszeit absolvierte er in der Pfarreiengemeinschaft "Saalethal". Am Zentralklinikum in Augsburg legte er eine Zusatzausbildung zum Klinikseelsorger ab. Mit dem Priesterberuf hatte sich Stefan Beetz einen Kindheitstraum erfüllt. Seinen Wahlspruch übernahm er von Theresa von Avila: "Gott gebe mir die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann - und den Verstand, beides voneinander zu unterscheiden."