Ein turbulentes erstes Halbjahr liegt hinter den Volkshochschulen im Landkreis: Am 1. Februar begann das Frühjahr-Sommer-Semester, ab 13. März waren wegen Corona keine Kurse mehr möglich, berichtet Claudia Bayrle, Geschäftsführerin des Vhs-Büros Hammelburg. "Wir mussten rund 50 Kurse abbrechen", sagt sie, andere fielen ganz aus. Im Stadtrat stellte Michael Balk, Leiter der Städtischen Volkshochschulen Bad Kissingen und Hammelburg, die Situation vor. Er schlug dem Stadtrat vor, die eigentlich Ende August auslaufende Stelle einer Verbundkraft bis Ende März 2022 zu verlängern.

Mehrarbeit durch Absagen

"Die Fristen wurden sechs Mal verschoben, die Absagen kamen immer ganz zum Schluss", fasste Balk die unübersichtliche Situation im Umgang mit den Corona-Regeln zusammen. Zudem müssten die Volkshochschulen auch auf die Kunden achten: "Viele Teilnehmer gehören zur Risikogruppe." Die Vhs-Verwaltung habe deshalb erheblichen Mehraufwand gehabt: Die insgesamt sieben Außenstellen mussten informiert und vorbereitet werden, damit die Regelungen überall gleich sind, Teilnehmer wurden kontaktiert und schließlich Teile der Kurs-Gebühren zurückerstattet.

Zwar waren ab 30. Mai mit einem Hygienekonzept wieder Kurse möglich, aber viele Veranstaltungen fielen trotzdem aus. Laut Claudia Beyrle wurden zum Beispiel so gut wie alle Termine der Jüdischen Kulturtage abgesagt, nur einer steht noch aus: Kreisheimatpflegerin Cornelia Mence stellt am Sonntag, 6. September, ab 11 Uhr den jüdischen Friedhof in Pfaffenhausen vor, den ältesten jüdischen Friedhof im Landkreis Bad Kissingen überhaupt. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Museum Herrenmühle statt. Anmeldungen sind zwingend erforderlich und möglich unter www.vhs-kisshab.de oder im Vhs-Büro, Tel.: 09732/ 902 434, von 10 bis 12 Uhr.

Claudia Beyrle hat nachgezählt: In Hammelburg selbst waren von 138 Kursen beim Lockdown zehn bereits abgeschlossen. 29 Kurse wurden vorzeitig abgebrochen, etwa 30 Kurse wurden mangels Teilnehmer abgesagt. Wegen Corona seien rund 55 Veranstaltungen ausgefallen, etwa weil Kursleiter absagten oder Räume nicht mehr zur Verfügung standen. 13 Kurse wurden nach der Öffnung noch beendet.

In der Außenstelle Euerdorf mussten sieben der neun geplanten Kurse abgesagt und zwei abgebrochen werden. In Bad Brückenau war ein Kurs abgeschlossen vor dem Lockdown, alle anderen wurden abgesagt, darunter eine Veranstaltungsreihe aus sechs Kursen, zwei Veranstaltungen der Jüdischen Kulturtage und drei Tanzkurse. Beyrle hofft, dass viele Kurse im Herbst und Winter nachgeholt werden können. "Die bereits angemeldeten Kursteilnehmer der ausgefallenen Kurse werden von den neuen Terminen unverbindlich informiert." Im neuen Programm, das bereits online steht und Mitte September auch in gedruckter Form verteilt wird, stehen für das kommende Semester sechs Kurse in Euerdorf, 21 in Bad Brückenau und 123 in Hammelburg.

Gegründet Anfang 2019

"Ich denke, wir sind auf einem guten Weg mit dem Verbund", zog Vhs-Leiter Balk eine Bilanz trotz der Corona-Pandemie. Gegründet wurde die kommunale Arbeitsgemeinschaft der beiden Volkshochschulen Bad Kissingen und Hammelburg mit den Außenstellen Bad Brückenau, Euerdorf, Bad Bocklet, Burkardroth, Nüdlingen, Oberthulba und Oerlenbach vor allem, um die Zuschuss-Voraussetzungen zu erfüllen: Statt bisher 10 000 Teilnehmer-Doppelstunden muss eine Vhs jetzt 30 000 Doppelstunden vorwiesen, um gefördert zu werden. Die neue Vhs decke fast den gesamten Landkreis Bad Kissingen ab. Ein Vorteil für die Teilnehmer sei, dass alle die Auswahl aus rund 460 Veranstaltungen haben.

Neue Technik, neue Anmeldung

Balk verwies auf viele erledigte Aufgaben seit dem Start am 1. Januar 2019: Unter anderem wurde die technische Infrastruktur komplett erneuert, das ermögliche eine leichtere Buchung, und es sei jederzeit abrufbar, wie viele Plätze in einem Kurs noch frei sind. "Ganz neu ist, dass man sich jetzt auch digital anmelden kann, das war bisher umständlicher", sagte Balk. Weitere Bedingung für die Förderung war ein Qualitätsmanagement. Hinzu kamen Themen wie Datenschutz oder Zahlungsverkehr.

Weil die Verbundkraft Nikola Wehner auch bei der Bewältigung der coronabedingten Belastungen half, stehen noch viele Projekte aus: In den zusätzlichen 19 Monaten soll sie unter anderem die Digitalisierung voranbringen. Die Vhs will die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Kursleiter auch auf digitale Formate ausweichen können. Balk schätzte die Kosten für die halbe Stelle auf 46 000 Euro bis März 2022. Bei 50 Prozent Förderung würden auf die beiden Kommunen Bad Kissingen und Hammelburg zusammen 23 000 Euro entfallen. Für Hammelburg seien das also rund 600 Euro im Monat zur Unterstützung der Arbeit im städtischen Vhs-Büro. Der Stadtrat stimmte ohne Gegenstimme zu.