Die Stadt Hammelburg steht bereit: "Es laufen noch Vorbereitungen, aber es würde auch sofort gehen", sagt Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) über die Unterbringung von Flüchtlingen im Bürgerspital. Im Herbst 2021 wurde das Seniorenheim mit jahrhundertelanger Tradition geschlossen, erste Überlegungen für eine Weiterverwendung als Verwaltungssitz der Carl-von-Heß-Sozialstiftung gibt es bereits. "Das Gebäude steht leer und ist in einem guten Zustand", sagt Warmuth. Deshalb sei er sich schnell mit Landrat Thomas Bold (CSU) einig geworden, dort Flüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen.

Bereits Ende vergangener Woche habe es Rückmeldungen gegeben, dass vielleicht Flüchtlinge nach Hammelburg geschickt werden. Bei der Mahnwache am Freitag habe er das Bürgerspital als Unterkunft angekündigt, der Stadtrat sei per Mail informiert worden. "Wir wissen alle nicht, was kommt", kommentiert Warmuth die aktuelle Situation. Die Stadt hat bereits organisiert, dass das Testzentrum von zentralen Räumen im Bürgerspital in den ehemaligen Speisesaal umzieht. Dort gebe es einen separaten Eingang, der Haupteingang bleibe also frei für die Unterkunft. Zwischen 30 und 40 Personen könnten in dem ehemaligen Seniorenheim unterkommen. Je nach Familienkonstellation und der Zahl kleinerer Kinder sei auch eine höhere Belegung möglich.

Vor allem ehrenamtliche Helfer würden die Räume aktuell vorbereiten. "Bisher sind kaum Kosten entstanden", bedankt sich Warmuth für die Zuarbeit. Auf Kosten der Stadt würden lediglich hygienische Fragen geklärt, unter anderem soll ausgeschlossen werden, dass sich in den Monaten des Leerstands Keime in Wasserleitungen gebildet haben. Der Bürgermeister ist froh über die große Hilfsbereitschaft. "Wir sind auch in Zukunft auf Ehrenamtliche angewiesen", hofft er auf das langfristige Engagement der Bürger. In der Anfangszeit soll es unter anderem eine Betreuung geben, auch nachts soll eine Ansprechperson im Bürgerspital vor Ort sein. Wer sich einbringen wolle, wer Wohnraum zur Verfügung stellen kann oder Geld spenden will, findet auf der Homepage der Stadt www.hammelburg.de ein Kontaktformular. Zudem ist das Bürgermeisteramt unter Tel:. 09732/902-306 oder per Mail an buergermeisteramt@hammelburg.de zu erreichen.

Nach wie vor sucht die Stadt nach Möglichkeiten, Flüchtlinge unterzubringen: "Wir denken noch über das Kupsch-Gelände nach, aber wir müssen eins nach dem anderen machen, das ist eine riesige Kraftanstrengung für die Verwaltung", berichtet Warmuth. Bei allen anderen städtischen Immobilien wie der alten Volksschule sieht Warmuth dagegen keine Möglichkeiten: "Dort müsste so viel investiert werden, dass das einer Generalsanierung gleich kommt." Umso mehr freue er sich über die privaten Wohnungsangebote. Einen Überblick, wie viele Plätze alleine in Hammelburg bereits zur Verfügung stehen, gebe es allerdings aktuell noch nicht.

Auch bei der Bundeswehr fragte der Bürgermeister an, allerdings gab es eine Absage vom Lagerberg: Die Infanterieschule habe nach Rücksprache mit dem Standortältesten und Kasernenkommandanten eine Anfrage der Stadt abgelehnt, heißt es auf Nachfrage vom dortigen Presseoffizier. "Es ist unseres Erachtens nach schlichtweg nicht sinnvoll, traumatisierte Frauen und Kinder in einer Kaserne unterzubringen, in der ganztägig der Gefechtslärm vom benachbarten Truppenübungsplatz hör- und auch spürbar ist, in der Gefechtsfahrzeuge umherfahren und bewaffnete Soldaten unterwegs sind", heißt es zur Begründung. Die Flüchtlinge würden ähnliche Bilder aus ihrer Heimat kennen, sie auf dem Lagerberg unterzubringen sei deshalb "nicht angemessen".

Von mangelnder Qualität bis Pandemie

Zudem sei die Qualität der Unterkünfte für die Unterbringung von Flüchtlingen unzureichend. "Wir haben ausschließlich Unterkünfte, in denen Sammelduschen, -toiletten und Waschräume vorhanden sind", teilt die Infanterieschule mit. Wegen der geringen Zahl gebe es nicht einmal eine Trennung nach Geschlechtern. Auch Kochstellen oder die Möglichkeit, Babynahrung zuzubereiten, bestünden nur sehr eingeschränkt. Zudem gebe es weder in der Kaserne, noch in der Nähe Kindergärten, Schulen oder Freizeiteinrichtungen für Kinder. Auch auf die schlechte Verkehrsanbindung verweist die Infanterieschule: Die Flüchtlinge könnten Einkaufsmöglichkeiten und Ärzte nur schwer erreichen.

"Aus unserer Sicht ist es wichtig, die Geflüchteten in die Gesellschaft zu integrieren, auch hierfür sehen wir in einer Kaserne wenig bis gar keine Möglichkeit", heißt es in der Stellungnahme der Bundeswehr. Wegen aktueller Baumaßnahmen sei zudem eine Unterteilung der Kaserne mit unterschiedlichen Zufahrten nicht möglich, also könnte auch die militärische Sicherheit nicht gewährleistet sein. Und zuletzt verweist die Bundeswehr auf die Corona-Pandemie. Selbst für die Soldaten fehle in der Saaleck-Kaserne teilweise der Platz zum "Auflockern".

Warmuth kann diese Argumentation der Bundeswehr absolut nachvollziehen. Der Übungsbetrieb sei zwar auch in der Stadt zu hören, eine Beeinträchtigung der Flüchtlinge befürchte er im Tal aber nicht. Allerdings müssten bei der Betreuung dieser und viele weitere Aspekte beachtet werden. Umso wichtiger sei die Unterstützung durch Freiwillige.