Eine Tafel im Feuerwehrhaus weckte vor einiger Zeit die Neugier von Hans Dünninger. Sie war der Ausgangspunkt für umfangreiche Recherchen. Mehr als zwei Jahre später entsteht daraus nun pünktlich zum Ortsjubiläum von Wittershausen ein mehr als 300 Seiten dickes Buch.

Die Kopie im Feuerwehrhaus zeigt Porträts der Männer, die Soldaten im Zweiten Weltkrieg waren. Dünninger fiel damals auf, dass viele Familiennamen gehäuft vorkommen, wie er erklärt. So begann er deren Kriegswerdegang nachzuspüren - was gar nicht so einfach war.

"Ich bin zunächst bei den Nachkommen hausieren gegangen", sagt Dünninger. Fotos und erste Hinweise hat er auf diese Weise gesammelt. Das Interesse bei den Leuten sei unterschiedlich gewesen. Und viel Material sei meistens auch nicht mehr erhalten geblieben.

Dafür hat sich Dünninger von den Nachkommen eine Einwilligung geholt, bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht (WASt) eine Anfrage stellen zu dürfen. Nach einiger, teils längerer Wartezeit schickte ihm die WASt Informationen zu jedem der Kriegsteilnehmer, wofür Dünninger auch noch Gebühren zahlen musste. Dank der Auskünfte der WASt erfuhr er zum Beispiel die Truppenteile und ob jemand einen Antrag nach dem Kriegsgefangenenentschädigungsgesetzt gestellt hatte, also während seiner Wehrmachtszeit in Kriegsgefangenschaft geraten war.

Dünninger forschte nach, wo die jeweiligen Truppenteile eingesetzt waren und wie deren Kriegsgeschichte verlief, um das Bild zu ergänzen. Zu sieben Kriegsteilnehmern, die in russischen Lagern gefangen gehalten worden waren, gelangte er über den Suchdienst des DRK an Kopien der russischen Kriegsgefangenenakten. Die umfassen einen ausführlichen Fragebogen zu jedem der Soldaten. In einem Dokument ist zum Beispiel zu lesen, dass der Vater eines der Soldaten zwei Pferde, acht Kühe und zwölf Hektar Land besaß.

Aus dem ganzen Material sind nun 92 Militärbiografien entstanden. Sie sind alle ganz unterschiedlich, erklärt Dünninger. Von den 92 Männern aus Wittershausen gelten sechs seit dem Krieg als vermisst. Elf sind gefallen. Die Biografien erzählen aber noch ganz andere Geschichten: Einer der Männer, berichtet Dünninger, saß kurz in der Todeszelle, wurde jedoch begnadigt. Er war wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt worden, weil er einen Tripper vorgetäuscht hatte.

Auch die Kriegsgefangenschaft beschreibt Dünninger in seinem Buch. Und er erklärt die Bedeutung der Uniformen und Orden, die auf den Porträtbildern zu sehen sind.

Das Buch soll pünktlich zum Jubiläum erscheinen. Am 1. Juli stellt Dünninger es in der alten Schule vor. Dort gibt es dann eine kleine Ausstellung mit Dokumenten, die Dünninger zusammengetragen hat: zum Beispiel einen Feldpostbrief, in dem einer der 92 Männer der Familie mitteilt, dass sein Cousin aus Aura gefallen sei.

Eigentlich hatte Dünninger anfangs gar nicht daran gedacht das Buch zum Ortsjubiläum herauszugeben. "Damals war noch keine Rede davon, dass es ein Jubiläumsfest gibt." Er habe nur so vor sich hingearbeitet. Dünninger meint: "Ich wollte nie in Hektik verfallen." Nun muss er sich doch beeilen, das Buch fertigzustellen.

Danach kennt Dünninger weitere Themen, die eine Recherche lohnen würden. So weiß er von 15 bis 18 kriegsgefangenen Serben, die in Wittershausen in der Landwirtschaft Zwangsarbeit leisten mussten.