Wenn alle zwei Jahre in Obereschenbach Mühlenfest ist, dann ist das nicht nur für die Dorfbewohner ein beliebter Termin zum Feiern. Die Dürrmühle von Waldemar und Benno Zellhan ist dann auch das beliebte Ziel von Radfahrern und Wanderern aus der Region.
Unter den Gästen war auch der ehemalige Müller Gottfried Manger (83) aus Thulba. Erfreut war Seniorchef Waldemar Zellhan über diesen Besuch, ist er doch mit Manger zusammen 1948 in die Berufsschule Bad Kissingen gegangen, wo sie beide - Geburtsjahr 1934 - das Müllerhandwerk erlernten. Damals seien auch die Bäcker- und Metzgerlehrlinge mit ihnen in der gemeinsamen Klasse gewesen. "Zwei Mark habe ich als Lehrling in der Woche bekommen", erinnert sich Manger. Erinnerungen an Brotmarken und die Währungsreform 1948 wurden wach. Auch jene Wanderschaftsjahre, die für die jungen Müllergesellen früher Pflicht waren, wurden wieder präsent.
Dass der Mühlenbraten und die Grillgerichte flott auf den Tisch kamen, dafür sorgte auch heuer wieder ein rund 40-köpfiges Helferteam von der ansässigen Feuerwehr. Viele Auswärtige haben sich über die Jahre hinweg zu Stammgästen gemausert, so zum Beispiel die Familie Kleinhenz aus Schweinfurt. "Ich treffe hier auf Freunde und Bekannte, die ich längere Zeit nicht sah", sagt Michael Kleinhenz.
Unter den Besuchern, die sich im Stundentakt einer Mühlen-Führung von Benno Zellhan anschlossen, waren ebenfalls eine Menge Besucher, die schon in den vergangenen Jahren an diesen Führungen teilnahmen. "Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, bei der man den Alltag vergisst", sagt Hans Keßler. Längst weiß er, was früher mit dem angelieferten Getreide in der Mühle geschah, bis es nach vielen Arbeitsgängen endlich zu feinem Mehl wurde. Aber für die Enkelkinder war das Mühlenleben eine völlig neue Welt. Dass die alten Maschinenteile und Holzgeräte noch gängig funktionieren, das ist der Sorgfalt von Vater und Sohn Zellhan zu verdanken. Die surrenden Transmissionsriemen übertragen wie in alten Zeiten ihre Kraft. Vertrieben sind die frechen Starvögel, die dem Seniorchef Sorgen machten, weil sie das Innere der Mühle verschmutzten. Zwei Wochen habe die Reinigung gedauert. Man hätte sofort mit dem Mehlmahlen beginnen können. "Doch das rechnet sich schon lange nicht mehr", weist Benno Zellhan auf das Ende des Mühlenbetriebs vor rund einem halben Jahrhundert hin. Vorbei zu sein scheint auch die Nutzung der Mühlräder durch den Mühlbach. "Zu wenig Wasser", meldete Benno Zellhan. Da komme man ohne den Elektromotor nicht aus.