Wie aktuell jeden Verein, so trifft auch die Coronapandemie den Schützenverein "Bavaria" Thulba 1913 eV hart. Das Schützenhaus steht leer, die Wettkämpfe wurden im Frühjahr 2020 erst unterbrochen, dann komplett gestrichen, Meisterschaften alternativlos abgesagt.

Dieses Schicksal teilen aktuell alle Vereine und Gruppierungen, so 1. Schützenmeister Michael Meindl. Am meisten schmerzen ihn aber die verpassten persönlichen Kontakte, wie Geburtstage von langjährigen Vereinsmitgliedern oder Funktionsträgern oder der Dienstagsstammtisch und Sonntagsfrühschoppen.

So beschloss der Verein schweren Herzens bereits im August, dass sowohl die Königsproklamation im November - das sportliche Highlight des Schützenvereinjahres - aber auch alle Faschingsveranstaltungen, wie der über die Grenzen des Landkreises bekannte Faschingszug in Thulba, in diesem Jahr ausfallen müssen.

An einem Termin will der Schützenverein allerdings festhalten. Der Sebastianuskirchgang gehört seit Jahrzehnten zum Pflichtprogramm eines jeden Vereinsmitgliedes. Diese Tradition wurde in den vergangenen Jahren immer auf einen Sonntag gelegt, im Anschluss zog der Festzug, begleitet von den Thulbaer Musikanten, durchs Dorf bis zum Schützenhaus, in dem man für alle ein großes Mittagsbuffett aufbot. Über 100 Personen konnte man jährlich begrüßen. Zu Vereinsmitgliedern gesellten sich viele Familienangehörige, Freunde des Vereins und unter anderem auch der Pfarrer.

Anmeldung im Pfarrbüro

Dies ist aufgrund von den aktuell geltenden Vorschriften nicht möglich. "Der gesunde Menschenverstand macht eine jede Überlegung in diese Richtung sofort hinfällig", so Sportwart Christopher Meindl. "Wie der Name bereits verrät, steckt im Schützenverein nun mal das Wort schützen und das tun wir, indem wir in Absprache mit der Kirchenverwaltung einem Gottesdienst beiwohnen, zu dem maximal 70 Personen zugelassen sind", so Meindl weiter. Die Anmeldung für den am 24. Januar stattfindenden Gottesdienst müsse eigens im Pfarrbüro Thulba abgegeben werden.

Der heilige Sankt Sebastian, unter anderem auch Schutzpatron einiger spanischer Städte und der Insel Mallorca, war einst ein Märtyrer, welcher an einem Pfahl gebunden von numidischen Bogenschützen erschossen wurde, da er für den christlichen Glauben eintrat. Als ihn seine Frau vom Pfahl nahm, bemerkte sie, dass er noch lebte und pflegte ihn wieder gesund. Der Totgeglaubte trat vor Kaiser Diokletian und konfrontierte jenen mit seinen Taten. Daraufhin wurde er im Circus Maximus vor Zuschauern erschlagen. Aufgrund seiner Standhaftigkeit und körperlichen Ausdauer gilt er bei den Schützen, aber seit neuestem bei allen Sportlern und in der Pest- und AIDS-Forschung als Patron.

Neben dem Kirchgang wollte der Verein eine weitere Tradition weiterführen. 2018 wurden unter der Leitung von Böllerkommandant Matthias Bayer zum 105-jährigen Jubiläum des Vereins die "Thulbataler Böllerschützen" gegründet. Zu verschiedensten Anlässen tritt diese Gruppierung nun auf. Sei es bei der Abholung der Schützenkönige, an Vereinsfesten, am Volkstrauertag, Beisetzungen oder zu Geburtstagen, die Böllerschützen lassen es so richtig krachen. Nun gilt es beim Gebrauch vom Schwarzpulver natürlich, Sicherheitsregeln einzuhalten. Dazu gehört unter anderem auch ein Mindestabstand der Schützen zueinander wie auch zum Publikum. Der Corona-Mindestabstand werde somit automatisch eingehalten, allerdings wollte man keine Zuschauer anlocken, weshalb die Schützen am Sonntagmorgen auf den alten Thulbaer Sportplatz "die Sträuch" ausgewichen wären. Bei regulären Witterungs- und Windverhältnissen sollte dies im Dorf sehr gut zu hören sein, hoffte Bayer vor wenigen Tagen. Allerdings machen sowohl der Katastrophenschutz als auch die Regelungen der Regierung den Traditionsträgern einen Strich durch die Rechnung, informierte der Verein. Während der Katastrophenschutz das Ganze auf maximal zwei Personen beschränkt, wird durch die aktuellen Erlasse das Böllerschießen nachvollziehbarerweise nicht als "triftiger Grund" gesehen, weswegen man das Haus verlassen soll.

Neben viel Gesundheit und einem baldigen Ende der Pandemie wünschen sich sich die Böllerschützen nun vor allem wieder mehr Normalität, mehr bzw überhaupt wieder Möglichkeiten, ihr Können zu zeigen und auch mehr Mitglieder, welche jederzeit gerne gesehen sind.