Lange überlegen musste Wolfram Zeller nicht: "Ich kenne den Sulzthaler Wald noch aus meiner Zeit in Münnerstadt", erzählt der 66-jährige Forstexperte. Als der Sulzthaler Bürgermeister August Weingart (CSU) im Frühjahr 2020 nachfragte, ob Zeller die Betriebsleitung übernehmen wolle, habe er sofort das Bild von einem gut gepflegten Wald vor sich gehabt, sagt Zeller. Trotzdem mussten zunächst Formalitäten geklärt werden. Seit Oktober ist Zeller nun maßgeblich für den rund 500 Hektar großen Gemeindewald zuständig. Ihm zur Seite steht Jakob Hahn aus Modlos, der bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhön-Saale die Nachfolge von Stefan Blumrich antrat.

"Wenn man das Glück hat, so viel Fachlichkeit zu kriegen, dann macht man das", begründet Weingart die Entscheidung des Gemeinderates, Zeller zu holen. Die Gemeinde habe ein "Vier-Augen-Prinzip" gewollt, betonen Weingart und Zeller: Die FBG bleibt für Einschlag und Vermarktung zuständig, Betriebsleiter Zeller gibt die langfristige Ausrichtung vor. Zwei Tage im Monat fahre er dafür im Schnitt von Rimpar nach Sulzthal, berichtet der 66-Jährige.

Leiter des Forstbetriebs Bad Brückenau

In den 1990er Jahren leitete Wolfram Zeller das Forstamt Münnerstadt, in dessen Zuständigkeitsbereich damals auch Sulzthal fiel. "Der Gemeindewald hat einen hohen Laubholz-Anteil", sagt der Experte. Deshalb sei er bereits jetzt gut für den bevorstehenden Klimawandel gerüstet: "Da kann man vieles richtig machen, aber auch weniges verkehrt." Von 2000 bis 2005 leitete Zeller die technische Produktion an der Forstdirektion in Würzburg. Mit Gründung der Bayerischen Staatsforsten wurde er 2005 Chef des neu gegründeten Forstbetriebs Bad Brückenau. 2019 wurde er dort in den Ruhestand verabschiedet.

"Ich habe vieles wiedererkannt, aber in 20 Jahren hat sich auch vieles verändert", sagt Zeller. Dass die Sulzthaler eng verbunden sind mit ihrem Gemeindewald, weiß Zeller. Immerhin nimmt der Forst rund ein Drittel der gesamten Gemarkung ein. "Ich bin auch schon angesprochen worden", verweist er auf kritische Nachfragen. Er sei "durchaus kommunikativ" und beantworte gerne alle Fragen. Aber eines sei auch klar: "Forstwirtschaft bedeutet nun mal, dass man auch Bäume fällt." Oberste Maxime sei auch in einem Wirtschaftswald die Nachhaltigkeit. Und: "Für den Markt Sulzthal sind schwarze Zahlen nicht so entscheidend", sagt Zeller und erhält dafür ein Kopf-Nicken vom Bürgermeister.

Aktuell würden im Sulzthaler Wald im Wesentlichen die Pläne seines Vorgängers Stefan Blumrich umgesetzt, betont Zeller. Im Vordergrund stehe die Bestandspflege. Ein Ziel sei, dicke Buchen und Eichen zu erhalten. In etlichen Waldstücken gebe es jedoch sogenannte Stockausschläge, also Bäume, die nicht aus einem Samen, sondern aus einer Wurzel heraus gewachsen seien. Das führe zu minderwertigeren Stämmen.

Nachdem der bisherige Revierförster Stefan Blumrich zurück in seine Heimat Mecklenburg-Vorpommern wechselte, trifft Zeller auf einen ehemaligen Mitarbeiter: Jakob Hahn (24) aus Modlos absolvierte von 2014 bis 2017 seine Ausbildung bei den Bayerischen Staatsforsten. Zwar in Bad Königshofen, aber danach arbeitete er kurz für den Forstbetrieb Bad Brückenau. 2018 bis 2020 machte er in Lohr den Forsttechniker, nach einer Revierleitung in einem großen Privatwald, kam er im November zur FBG. "Es ist schön, wenn man sich gegenseitig ergänzen kann", freut er sich über die Zusammenarbeit mit seinem ehemaligen Chef. "Wir haben hier ein wunderschönes Waldbild, da kann man viel draus machen", lobt er den Gemeindewald.

Einschlag im Waldstück "Steinpfad"

Zwei bis drei Tage in der Woche komme er nach Sulzthal. Erster Hieb im Jahr 2021 sei der Einschlag von Buchen- und Eichen-Stammholz im Waldstück "Steinpfad". "Der Brennholz-Bedarf in der Gemeinde kann gedeckt werden", stellt Hahn klar. Aus Sicherheitsgründen würden sämtliche Arbeiten im Wald aktuell durch Unternehmen erfolgen. Die neuen Gemeindearbeiter hätten zum Teil wegen Corona noch nicht die notwendigen Sicherheitsunterweisungen erhalten. Trotzdem sei es wichtig, drei Gemeindearbeiter vor Ort zu haben, betont Bürgermeister August Weingart. Zeller bezeichnete die Gemeindearbeiter als "schnelle Eingreiftruppe". Drei Mitarbeiter seien die Untergrenze, damit auch in Urlaubszeiten noch zwei übrig bleiben, die gemeinsam arbeiten können.

Den Sachverstand von Wolfram Zeller leistet sich die Gemeinde zusätzlich zum bestehenden Vertrag mit der FBG. Bürgermeister Weingart kündigte zwar an, dass er Verhandlungen führen wolle, aber Geschäftsführer Fabian Menzel wehrt bereits vorher ab: "Der Aufwand für die Betriebsleitung ist im Vergleich zur Betriebsführung deutlich kleiner", stellt Menzel klar. Die Gemeinde Oberthulba habe bereits seit Jahren ebenfalls einen externen Betriebsleiter, zahle aber trotzdem den vollen Beitrag.

Beitrag soll nicht gesenkt werden

"Je mehr ihr Wissen einbringen, desto besser ist das für den Wald", unterstützt Menzel die Idee eines Vier-Augen-Prinzips bei der Beförsterung. Er habe ein "sehr gutes Verhältnis" zu Wolfram Zeller. Und der 500 Hektar große Sulzthaler Gemeindewald sei ein wichtiger Baustein für die FBG, die insgesamt rund 7000 Hektar Wald im Landkreis beförstert. Beim Geld bleibt der FBG-Geschäftsführer trotzdem hartnäckig: "Wenn eine Kommune die Betriebsleitung nicht wahrnimmt, ist das ihre Sache."