Sie heißen Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriakus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus und sie sind allesamt Heilige. Diese 14 Heiligen sind in der Klosterkirche der Hammelburger Altstadt präsent. Sie sind aber auch Ziel von Wallfahrten zur Basilika Vierzehnheiligen (bei Bad Staffelstein). Im Rahmen der Veranstaltungen "Erlebt und Erzählt" begrüßte Altbürgermeister Ernst Stross am Mittwochabend die Wallfahrtsexperten Edgar Denner und Josef Schneider in der Stadtbibliothek. "Ich weiß, heute Abend läuft ein interessantes Fußballspiel im Fernsehen", freute sich Stross über einen trotzdem gut gefüllten Saal.

"Ich bin seit drei Jahrzehnten bei dieser Wallfahrt", brachte Wallfahrtsleiter Denner alte Zeiten mit Pfarrer Treutlein in Erinnerung. Damals habe Oswald Bauer angeregt: "Das wäre doch was für die Hammelburger". Als Vorbild galt die bestehende Vierzehnheiligen-Wallfahrt. Denner sucht mittlerweile einen Nachfolger für die Leitung der Hammelburger Vierzehnheiligen-Wallfahrt.

Drei Tage bei jedem Wetter unterwegs zu sein, zu beten und fromme Lieder zu singen, das ist nicht jedermanns Sache. Eine "Regen-Wallfahrt" ohne Trockenpause habe es im Jahr 2004 gegeben, berichtet Denner. Warum tut man sich das an? "Es fördert unsere Gemeinschaft und stärkt unseren Glauben", hat Denner über all die Jahre hinweg beobachten können. Aus anfangs 48 Teilnehmern im Jahr 1988 seien mittlerweile 200 und mehr geworden. "Ich war mitgelaufen, weil ich eine Frau gesucht habe", erzählt der seit vielen Jahren treue Teilnehmer Udo Schmitt. Längst hat er die passende Frau gefunden. Nach wie vor ist er fester Bestandteil dieser Vollblut-Wallfahrer und gibt vor dem Publikum im Saal noch eine Probe seiner Gesangskunst einschließlich Jodeleinlage.

"Man spürt sich selbst nach dem Dreitagemarsch", spricht Denner von der Wirkung nach innen, ähnlich wie Meditationen und Exerzitien. Und dann gibt er anschauliche Details der frommen Wanderungen preis. So zum Beispiel das Frühstück vor dem Start im Machtilshausener Schreinersch-Haus. Er erzählt vom Massen-Mittagsessen in Ebenhausen, das zuvor telefonisch geordert wurde, oder von weiteren Stopps in Holzhausen, Zell und Übernachtungsstationen in den Haßbergen. Alles ist bei einer solchen Wallfahrt durchorganisiert. Das betrifft nicht nur die Musiker, die abwechselnden Träger des 120 Kilo schweren Wallfahrtsbildes, die Absicherungskräfte und die Sanitäter. Auch für erreichbare WC-Anlagen und die Versorgung von Fußbeschwerden im mobilen "Blasenstudio" ist gesorgt.

Den historischen Hintergrund von Wallfahrten und Bittprozessionen hellte Josef Schneider auf. Dabei ging er auf die Kapelle im Steinthal, auf die 14 "reliquienhaltigen" Nothelfer im Kloster Altstadt und den Bildstock an der Treppe unterhalb des Schlosses Saaleck näher ein. Schneider erwähnte auch die Bitttage, die Hammelburger Wolfgang-Flurprozession, die Karstädter Kreuzberg-Wallfahrt und die 160 Kilometer lange Walldürn-Wallfahrt, die nach Ende des 30-jährigen Krieges in der Mitte des 17. Jahrhunderts entstand.

"Früher ging diese Walldürrn-Wallfahrt durch Bonnland, vorbei am Schloss Greifenstein", berichtete Schneider aus längst vergangenen Zeiten. Da die dort sesshaften Herren von Gleichen-Russwurm protestantisch waren, gab es Schwierigkeiten für den freien Durchgang der Wallfahrer. Das laute Singen und Beten der Katholiken habe gestört. Schließlich gab es eine diplomatische Lösung des Problems.