Silvia Kisperth zählt die aufgespannten Fäden. Im Eingangsbereich des Hauses "Erlebenskunst" bereitet sie ihren Webstuhl vor. "Eine Überraschung" für die Besucher der Kunstwoche will sie fertigen. Nicht nur für Kisperth ist die Veranstaltung eine wertvolle Gelegenheit, das eigene kreative Schaffen einem größeren Publikum vorstellen zu können.

"Die Künstler nehmen die Sache sehr ernst. Teilweise haben sie richtige Bewerbungsmappen vorgelegt", sagt Bernhard Gößmann-Schmitt vom Verein "Erlebenskunst". Zusammen mit Thea Keßler und einigen Helfern organisiert er zum zweiten Mal die Ramsthaler Kunstwoche. Die hat sich mit der Premiere im Jahr 2015 offenbar schnell etabliert.

Es ist ein Selbstläufer geworden, viele sind engagiert, berichtet Keßler. Sie erzählt, wie einer vor wenigen Tagen noch schnell die Wand in seiner Scheune gestrichen hat. Die Scheune gehört zu den Ausstellungsorten. Es gibt 25 Stationen in Ramsthal, an denen vom 15. bis 23. Juli Kunst präsentiert wird - in privaten und öffentlichen Gebäuden.

Die Besucher können nicht nur Bilder, sondern auch Skulpturen, Plastiken und Installationen sehen. "Uns ist die Vielfalt wichtig", sagt Keßler. Die Künstler kommen aus der Region und von weiter her. Es gibt zum Beispiel Teilnehmer aus Frankfurt oder Aalen. Einige waren schon vor zwei Jahren dabei, einige machen neu mit.

Keßler und Gößmann-Schmitt haben im Vorfeld etliche Ausstellungen besucht, um interessante Künstler zu gewinnen und neue Kontakte zu knüpfen. Die Kunstwoche will einen gewissen Anspruch erfüllen: Es handelt sich nicht um einen Markt, bei dem der Kunst die Rolle des schmückenden Beiwerks zugeteilt wird. Sie steht vielmehr allein im Mittelpunkt.

Dennoch finden sich unter den Ausstellenden nicht nur professionelle, sondern auch Hobbykünstler. Gößmann-Schmitt erklärt: "Beide Gruppen haben ihre Berechtigung." Im Vorfeld der ersten Kunstwoche brachen allerdings bei einigen Profikünstlern Animositäten gegenüber den Hobbykollegen auf. Die Organisatoren mussten sich mühen, diese Konflikte zu besänftigen. Diesmal lief alles aber reibungslos ab, wie Gößmann-Schmitt bestätigt.

Die Kunstwoche zieht nun weitere Kreise. So gibt es einen Malwettbewerb für Jugendliche. Keßler und Gößmann-Schmitt nehmen noch Beiträge an. Die Teilnehmer sollen fantasievolle Bilder von Rebläusen liefern. Einige Werke sind schon eingegangen, vor allem von Bad Kissinger Gymnasiasten. Die werden auch Rebläuse aus Draht flechten.

Die Schulen aus Euerdorf und Oerlenbach gestalten große Holzblüten, die am Kreisel am Ortseingang aufgesteckt werden. Die Blüten dienen als Wegweiser zu den einzelnen Stationen. Und die Besucher können selbst an einem Werk mitarbeiten. Sie können das am Dorfplatz aufgespannte Gedankennetz von Anita Haub füllen. Workshops im Rahmenprogramm bieten zusätzliche kreative Mitmach-Angebote.


Die Kunstwoche wird am Samstag, 15. Juli, um 14 Uhr im Haus "Erlebenskunst" eröffnet. Es gibt Führungen durch die Ausstellungsstationen. An 24 Orten in Ramsthal ist bis Sonntag, 23. Juli, Kunst zu sehen, zum Beispiel in privaten Hofanwesen, in den Weinbaubetrieben und sogar auf dem Friedhof. Alle Stationen sind während der Kunstwoche täglich von 14 bis 18 Uhr zugänglich, an den beiden Sonntagen bereits ab 12.30 Uhr. Am Donnerstag, 20. Juli, findet die lange Nacht der Kunst bis 22 Uhr statt.

Ein Rahmenprogramm begleitet die Kunstwoche. Jeden Tag gibt es zusätzlich zur Ausstellung verschiedene Veranstaltungen oder Workshops. Eine Besonderheit ist die genreübergreifende Performance "Das Gilgamesch-Epos" am Donnerstag, 20. Juli, ab 19.30 Uhr in der Kirche. Außerdem konnten die Veranstalter der Kunstwoche Trong Nguyen, Sieger von "Vietnam Idol 2015", für ein Konzert gewinnen. Der Auftritt am Freitag, 21. Juli, ab 20 Uhr in der Sporthalle bildet den Auftakt zu seiner Deutschlandtour. Informationen zum Rahmenprogramm und zur Kunstwoche sind unter erlebenskunst-ramsthal.de und im Faltblatt zu finden. Diesmal gibt es auch einen Katalog.