Die Schnecke zu Füßen, eine Eidechse auf einem Fass und wundervoll aussagekräftige Steinskulpturen, den Hammelburger Holzfasskeller füllend: Die Vernissage von Martin Auer, der als zweiter Künstler im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Wein und Kunst" noch bis 31. März ausstellt, berührt.


Was im Stein ruht

Maria Heckmann von Hammelburger KUNSTvereint stellte Auer vor und Norbert Schmelz, ein künstlerischer Freund Auers, gab einen Einblick in dessen Schaffen. Wenn Steine sprechen könnten, dann so Schmelz, würden sie wohl vielleicht sagen, dass sie in Carrara über drei Millionen Jahre auf Auer gewartet haben, um gefunden zu werden, um von Auer verwandelt, formvollendet zu werden.
Seine Werke, so der in Hammelburg aufgewachsene Auer, darf man betrachten, fühlen, sie streicheln. Die begeisterten Zuhörer folgten dieser Aufforderung nur zu gerne.
Steine kann man durch Berühren erfassen: Martin Auer scheint die Fähigkeit zu besitzen, wahrzunehmen, was aus einem Stein werden könnte. Manchmal darf es im Schaffensprozess auch eine Variation des ursprünglich Angedachten werden: Auer berichtet von einem Stein, bei dem er sich bewusst war, dass aus ihm eine große Schneckenskulptur entstehen sollte.


Kleines Kriechtier

Dann platzte eine große Schicht ab, und es wurde dennoch eine Schnecke, eine kleine eben. Dieses kleine Kriechtier liegt auf dem Boden zwischen zwei Fässern im Winzerkeller zu Füßen der sehr zahlreich erschienenen Besucher der Vernissage der Ausstellung Martin Auers.
Die Stein-Skulpturen, bei deren Erschaffung der Künstler auf Elektro- oder Pressluftwerkzeuge verzichtet, wirken auf den Betrachter zart und aussagekräftig. Auer hat sie aus allen Ecken und Winkeln seines Hauses und Gartens zusammengetragen, um in der ersten Ausstellung seiner Heimatstadt ein möglichst großes Spektrum bieten zu können.
Die aus Muschelkalk, Marmor und Alabaster gefertigten Objekte wirken trotz ihres massiven Materials fein und licht - von innen nach außen scheinend.


Meisterliches Handwerk

Sicherlich mit Hartem konfrontiert ist Auer in seinem Berufsalltag als Kriminalbeamter bei der Würzburger Polizei. Als wunderbarer und fruchtbarer Ausgleich scheint es, dass er dem harten Gestein seine Zartheit abgewinnt, Neues erschafft, von Innen heraus schöpft. Kreatives Tun und meisterliches Handwerk kommen in seinen Werken zum Ausdruck, sei es beim "Flügelschlag", der "Galaktischen Spirale" oder der "Teilung - unvollendet". Das Material scheint ihm keinerlei Begrenzung, sondern Herausforderung zu sein.
Marmor aus Carrara, Bergmarmor aus Österreich, Steine aus dem Französischen Jura und eine verrostete Radscheibe - Martin Auers Kreativität rund um Stein und Ständern aus unterschiedlichen Materialien ist scheinbar unerschöpflich. "Die Knospe", eine in der Toskana entstandene Skulptur, sitzt auf einer ehemaligen und rostigen Radscheibe. Dieses Werk lässt auch Rückschlüsse auf das fließende Ineinander-Übergehen von Beruf und Berufung Auers zu. Sie wurde "inspiriert durch ein Fahndungsfoto einer entwendeten Arbeit eines unbekannten Künstlers". Auch von anderen Künstlern ließ Auer sich inspirieren, so von Hans Arp für einen Torso aus österreichischem Bergmarmor.


Begleitet von Musik

Es war eine gelungene Vernissage der Werke des freischaffenden Künstlers und Kriminalisten Martin Auer, die bis in die späten Stunden musikalisch gekonnt durch das Saxophonspiel Friedel Heckmanns begleitet wurde - und von Wein.