Ein besonderes Wirsing-Gemüse schöpfen die Mitarbeiterinnen im Kindergarten auf die Teller der Kinder. Das Rezept für das vegetarische Gericht stammt von Elternbeiratsvorsitzender Sabine Helle. Es wird jetzt immer wieder mal im Kindergarten auf den Tisch kommen, so wie Helle jetzt ab und zu mal zuhause ein Essen aus dem Kindergarten nachkochen muss. Ihre Tochter will es genauso haben wie in der Einrichtung, erzählt die Mutter als Lob für die Arbeit der vergangenen Wochen und Monate.

Seit der Euerdorfer Kindergarten im neuen Haus ist wird dort das Mittagessen selber gekocht. "Kochen kann ja jeder, haben wir zunächst gedacht", sagt Renate Kröckel. Die Leiterin berichtet, dass es dann doch nicht so einfach war: Die Essensmengen abzuschätzen bereitete immer wieder Probleme und die Eltern fanden nicht alles so gut - vor allem nicht, dass Fertiggerichte genutzt wurden.

Um die Situation zu verbessern, bewarb sich die Einrichtung für die Beratung des Fachzentrum Ernährung und Gemeinschaftsverpflegung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg (AELF). Das Fachzentrum ist im Regierungsbezirk Unterfranken für Einrichtungen zuständig, in denen es Gemeinschaftsverpflegung gibt wie Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser. Die Beratung ist umfassend. "Wir schauen uns alles an", sagt Gwendolin Hammer. Seit September stand sie dem Euerdorfer Kindergarten zur Seite - jedes Jahr sind es insgesamt fünf Kindergärten in Unterfranken, von denen es laut Hammer 900 gibt.

Zusammen mit dem Team ist unter Berücksichtigung von Elternwünschen das Essen saisonal und regional ausgerichtet worden. Entstanden ist ein Speiseplan, der sich im 15-Wochen-Rhythmus wiederholt und sich an den Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Ernährung orientiert. Hammer nennt die Vorgaben: unter anderem acht Mal im Monat Fleisch, vier Mal Fisch, acht bis 16 Mal etwas Vegetarisches. Man müsse das ganze Spektrum nutzen, sagt Hammer. Dann gelingt es, dass ein Gericht sich erst alle 15 Wochen wiederholt.

Hinter dem Speiseplan steckt eine regelrechte Ernährungsbuchhaltung. Mit Hilfe von mehreren Excel-Tabellen wurde das Essen anhand der Vorgaben eingeordnet und bewertet. Aus den Bausteinen ist dann der Speiseplan entstanden. Der Kindergarten hat sich Lieferanten gesucht, um den Anspruch der Regionalität erfüllen zu können. Das Fleisch zum Beispiel kommt vom Metzger aus dem Ort und die Kartoffeln aus Elfershausen, erklärt Kröckel. Die Kontakte zu Direktvermarktern müssen nun, da die Beratung endet, weiter gepflegt werden.

Als einen Beweis dafür, dass der Euerdorfer Kindergarten innovativ sei, wertet Bürgermeisterin Patricia Schießer (CSU) die Entscheidung für das Coaching. Der Markt Euerdorf ist Träger des Kindergartens.

Dort werden die Kinder beim Tischdecken eingebunden. Es gibt gemeinsame Rituale wie ein Singgebet vor dem Essen. Die Umstellung der Verpflegung soll den Kindern nicht nur eine gesunde Ernährung bieten, sondern sie auch zu einem gesundheitsbewussten Ernährungsverhalten erziehen - das über den Kindergarten hinaus wirkt.