"Die Lage ist ernst - und zwar sehr ernst." Mit diesen Worten beschrieb Heinz Stempfle, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG) die immer schwieriger werdende Situation des Gastgewerbes in Deutschland. In der Herbstversammlung des BHG-Kreisverbandes ging es neben dem Mangel an Arbeitskräften auch um Corona-Hilfen, aktuelle Kostensteigerungen und Kernforderungen des Gastgewerbes an die Politik.

Ein Minus von elf Prozent

Unter Berufung auf Studien und aktuelle Angaben der Bad Kissinger Arbeitsagentur erinnerte Heinz Stempfle an die Abgänge von Fach- und Hilfskräften, die während der mehrmonatigen Lockdowns in den beiden Corona-Jahren die Branche gewechselt hatten. Demnach habe das deutsche Gastgewerbe etwa elf Prozent seiner Fachkräfte verloren. Im Landkreis Bad Kissingen seien noch immer hundert Stellen in der Gastronomie, die der Arbeitsagentur gemeldet wurden, nicht besetzt. Stempfle: "Da diese Meldungen freiwillig sind, ist die tatsächliche Zahl viel höher." Der Mangel an Arbeitskräften hatte bei manchen Betrieben sogar eine weitere Begrenzung der Öffnungszeiten zur Folge.

Deutsche Behörden "zu langsam"

Zwar bemühe sich die Bad Kissinger Arbeitsagentur um Vermittlung von Migranten, doch fehle für eine Job-Vermittlung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern oft die Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis. Die schleppende Bearbeitung deutscher Behörden kritisierte auch Bezirksgeschäftsführer Michael Schwägerl in seinem nachfolgenden Vortrag. "Da sind andere EU-Länder schneller." Aktuell sei der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit dem Außenministerium in Verhandlung, um die Antragsabwicklung zu beschleunigen.

Vom Kellner zum Manager

Der Arbeitskräftemangel in der Gastronomie werde sich in kommenden Jahren kaum bessern können, mutmaßte Kreisvorsitzender Stempfle, da die Zahl der Ausbildungsverträge in beiden Pandemie-Jahren zurückgegangen sei und somit weniger ausgelernte Azubis nachrücken werden. Auf künftige Besserung hofft allerdings Schwägerl. Der Bezirksgeschäftsführer verwies auf Angaben der IHK Mainfranken, wonach die Zahl der Verträge im laufenden Ausbildungsjahr um 20 Prozent wieder angestiegen sei. Allerdings sei die Zahl der Ausbildungsverträge nicht das einzige Problem: "Die geburtenstarken Jahrgänge gehen jetzt in Rente und es kommt bei jüngeren Jahrgängen weniger nach." Schwägerl wünscht sich eine stärkere Unterstützung seitens der Betriebe: "Wir haben eine ausgezeichnete Ausbildung in den Gastro-Berufen." Die fachliche Qualifizierung habe sich durch die neuen Ausbildungsrichtlinien sogar noch verbessert: So wurden die Restaurantfachleute durch Hinzunahme des Bankettbereichs aufgewertet und sind im Betrieb vielseitiger einzusetzen, während die Hotelfachleute durch Ausbildung im IT-Bereich zum Management aufgerückt sind.

"Das nützt mir aber nichts hier im Landkreis, wenn Restaurantfach-Azubis nach Kitzingen in die Berufsschule müssen", merkte ein Hotelier an. "Das macht doch kein 16-Jähriger." Schwägerl gab ihm recht, konnte aber nur auf Landrat Thomas Bold (CSU) verweisen, in dessen Verantwortung die fachliche Ausrichtung der Bad Kissinger Berufsschule liegt.

Forderung: Weg mit der Bettensteuer

Auf Landrat Bold, der zugleich Vorsitzender des Tourismusverbandes Franken ist, hofft Schwägerl auch bei der kommunalen Bettensteuer. Wie zuvor die unterfränkische BHG-Bezirksvorsitzende Claudia Amberger-Berkmann in ihrem Grußwort kritisiert hatte, erhebt die Stadt München ab September 2023 in Beherbergungsbetrieben erstmals eine Bettensteuer von fünf Prozent des Übernachtungspreises. "Sprechen Sie mit ihrem Landrat und ihrem Landtagsabgeordneten", forderte Schwägerl die BHG-Mitglieder auf, "dass dieses kommunale Abgabengesetzt schnellstens wieder abgeschafft wird."

Abschließend ging Schwägerl auf zwei Kernforderungen des BHG an die Politik ein: Zwar sei die zunächst bis Jahresende befristete Minderung der Mehrwertsteuer bei Speisen auf sieben Prozent inzwischen um ein Jahr verlängert worden. "Wir fordern aber eine unbefristete Mehrwertsteuer von sieben Prozent - möglichst auch auf Getränke." Die zweite Forderung des BHG und des Dehoga ist die Flexibilisierung der auf zehn Stunden begrenzten Tagesarbeitszeit, um nicht bei Anlässen wie Hochzeiten mitten in der Veranstaltung das Personal wechseln zu müssen. "Unsere Mitarbeiter wollen arbeiten, dürfen aber nicht." Schwägerl betonte ausdrücklich, dass es nicht darum geht, die Gesamtarbeitszeit zu erhöhen, sondern dass Betrieb und Mitarbeiter sich die Arbeitszeiten je nach Bedarf selbst einteilen dürfen.