Hohe, perfekt gewachsene Stämme, dichte, grüne Wipfel - der Tannenbestand auf einer rund 3,5 Hektar großen Fläche bei Obererthal gilt als Vorzeigeobjekt. Darum spielt er seit drei Jahren bei der Vermehrung der Baumart eine überregionale Rolle.

Der Bestand zählt zu einem von nur zwei Standorten in Unterfranken, in dem Tannenzapfen geerntet werden können. Seiner Vitalität ist es zu verdanken, dass er zur Saatgutgewinnung zugelassen ist. Im vergangenen Jahr fand dort bereits zum zweiten Mal eine Zapfenernte statt. Nach Angaben von Matthias Wallrapp wurden hochgerechnet eine halbe Million Tannensamen gewonnen. Dieses Jahr lohnt es sich für die Pflücker allerdings nicht in die Wipfel zu klettern. Die Ausbeute wäre zu gering, es gibt zu wenig Samen.

Wallrapp von der Stiftung Juliusspital Würzburg, die für die Betriebsleitung im Hammelburger Stadtwald verantwortlich ist, und der städtische Forstbetriebsleiter Hubertus Tumpach stellen den "Vorzeigebestand" bei einem Waldbegang dem Bau-, Forst- und Umweltausschuss vor. Von dem Bestand habe er bereits gewusst, noch bevor er für den Stadtwald zuständig war, sagte Wallrapp.

Auf der Fläche wachsen zwischen den Tannen auch Buchen und Fichten. Das Stück Forst gibt ein sehr grünes Bild ab: Nicht nur in den Kronen, dem Obergeschoss des Waldes, sondern auch auf mittlerer Höhe ist grünes Blatt- und Nadelwerk zu sehen. Und im Erdgeschoss, am Boden, wächst die nächste Generation an Bäumen heran.

So stellen sich die Forstfachleute einen gut gepflegten Wald vor. Auf der Tanne ruhen dabei große Erwartungen. "Die Tanne gilt als Hoffnungsträger im Klimawandel", erklärte Wallrapp. Dank ihrer tiefen Wurzeln hält sie Trockenheit besser aus als Fichte und Kiefer, die langsam verschwinden werden. Auch der Douglasie werden gute Chancen zugesprochen. Mit ihr soll ein anderer Bestand in Obererthal aufgeforstet werden.

An einzelnen Standorten im Wald werden andere, bisher eher ungewöhnliche Baumarten getestet, wie Tumpach erklärte. Der Klimawandel zwingt zum Experimentieren. Wallrapp sagte: "Man muss etwas Fantasie mitbringen."

Um die Qualität in einem Bestand zu verbessern, müssen auch einmal schlechte Bäume geschlagen werden, um den Wuchs anderer Bäume oder Arten zu fördern. Das wird im Obererthaler Wald passieren - im August. Holzeinschlag bei vollem Laub könne bei der Bevölkerung komisch wirken, räumte Wallrapp ein. Der Naturschutz steht dem seinen Angaben nach aber nicht entgegen.

Geerntet werden schlechte Buchen, die zum Beispiel viele Astnarben vorweisen. Solches Stammholz nimmt nicht jedes Sägewerk. Das Unternehmen, das infrage kommt, zahlt bei früher Lieferung einen höheren Preis - daher der Einschlag im August. Außerdem seien die Waldböden im Sommer besser befahrbar. Richtige Frostwinter gibt es ja nunmehr selten.