Nach dem verheißungsvollen Start der Grabungsarbeiten waren die vergangenen Tage nicht mehr ganz so ergiebig. Obwohl der zweite Teil der freigelegten Fläche größer ist als der erste, sind dort nur wenige Fundamentstücke der alten Marienkirche zu sehen. "Ich hätte mehr erwartet", meint auch Romy Dworazik.
Den unterschiedlichen Erhaltungszustand der Kirchenreste kann sich die Grabungsleiterin nicht erklären. Die Außenmauer der Apsis, die einst den Altarraum formte, zeichnete sich noch am deutlichsten in der Erde ab. Dieser Bereich des Viehmarkts ist mit einem Geovlies abgedeckt und bereits wieder zugeschüttet.

Auf der jetzt freiliegenden Fläche fanden sich zumindest einige Scherben. Für eine genauere Datierung müssen sie mit anderen alten Keramikstücken aus der Region verglichen werden, wie Dworazik erklärt. Ein kreisrundes Pfostenloch lieferte Reste verbrannten Holzes. Dworazik und ihre Kollegin Christina Günther sammelten die Holzkohle, um sie für eine eventuelle, spätere Altersbestimmung aufzuheben. Welche Bedeutung die insgesamt drei entdeckten Pfostenlöcher hatten, ist bisher noch unklar.

Die Neugier drängt

Zu dem Ende Mai zum Vorschein gekommenen Skelett gibt es ebenfalls keine neuen Erkenntnisse. Die erdfeuchten Knochen müssen erst trocknen. Danach werden sie gesäubert und an die Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München geschickt. Die anthropologische Abteilung der staatlichen Einrichtung ist für menschliche Knochenfunde zuständig.

Eine Untersuchung des Hammelburger Skeletts wird erfahrungsgemäß auf sich warten lassen. Es ist schließlich nicht der einzige Fund, der in der Staatssammlung landet. Hammelburger Geschichtsfans sind trotzdem neugierig. Sie fragen die beiden Archäologinnen immer wieder nach den Überresten. Das Interesse an der Grabung ist sowieso ungebrochen. Viele Hammelburger besuchen die Baustelle regelmäßig. Einige der Schaulustigen halten sich nicht einmal an die Absperrung und laufen über das Grabungsfeld.

In den kommenden Tagen passiert dort allerdings nichts mehr historisch Spannendes. Am Freitag endete die Arbeit für Dworazik und Günther - zumindest vorläufig. Anfang August kommen die beiden Archäologinnen noch einmal nach Hammelburg. Dann werden die Streifen um den Viehmarkt herum geöffnet. Dort müssen die Reste der Außenmauern liegen.

Für die archäologische Untersuchung hat die Stadt bis zu 73 000 Euro veranschlagt. Sie geht von einer Förderung von 80 Prozent aus. Die Bauverwaltung hofft, dass sie die Summe nicht komplett ausschöpfen muss. Um Kosten zu reduzieren, reicht der Aushub für die neue Platzaufschüttung nicht wie ursprünglich geplant 70 Zentimeter, sondern nur 55 bis 60 Zentimeter in die Tiefe. Die endgültigen Kosten der Grabung hängen jedoch davon ab, was im August rund um den Viehmarkt noch zum Vorschein kommt.