Die zentrale Lage mitten in Deutschland ist für den Landkreis Bad Kissingen eine Chance für Tourismus, Tagungen und als Wohnort, aber bei der Energiewende eine Bürde: Nach etlichen Jahren Diskussion um die Gleichstrom-Leitung Südlink geht es jetzt mit der Wechselstrom-Leitung P 43 weiter. Im Dezember wurden mehrere Trassenkorridore für die so genannte Fulda-Main-Leitung vorgestellt, besondere Aufmerksamkeit erregte dabei die Variante B 31, die nördlich von Diebach und Hammelburg von Dittlofsroda nach Elfershausen führen würde. Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) hat seine Ablehnung in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses ausführlich begründet.

Von Tourismus bis Naturschutz

"Im Gegensatz zu Südlink stehen wir bei dem Thema relativ einsam in der Region da", kommentierte Warmuth die Lage. Zudem sei auch eine durchgehende Erdverkabelung ausgeschlossen: Im Gegensatz zu Gleichstrom kann Wechselstrom über längere Strecken nur auf Masten übertragen werden. Auf dem Weg von Dipperz nach Bergrheinfeld liegen die Korridore entlang der A 7, der Erdgas-Pipeline oder eben als Mischlösung über den Rees-, den Sturmius- und den Sindersberg nördlich des Saaletals.

In ihrer Stellungnahme verweist die Stadt unter anderem auf das neue staatliche Naturerlebniszentrum Rhön, die "bisher noch weitgehend unbelastete, ökologisch vielfältige Naturlandschaft", auf Wasserschutzgebiete, die Nähe zu Wohnbebauung und die Bemühungen um sanften Tourismus. Am Längberg bei Westheim werde eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebietes eingeschränkt. Zudem stellt die Stadt den Bedarf er Stromtrasse insgesamt in Frage.

CBB-Stadtrat Dr. Reinhard Schaupp lobte die Stellungnahme bis auf den letzten Punkt. "Wir brauchen Strom für Digitalisierung und Verkehr", verwies er darauf, dass Bayern auf Strom-Importe angewiesen sei. Es sei nun einmal sinnvoller, Windenergie aus dem Norden zu nutzen, als Kohle-Strom aus Tschechien zu importieren. Statt den Bedarf der Leitung in Frage zu stellen, sollten lieber die Raum-Widerstände dargestellt werden.

Auch 3. Bürgermeister Christian Fenn (Junge Liste) ging auf die Energiewende ein: Bayern habe vor allem durch die 10-H-Regel verhindert, dass sich das Bundesland selbst ausreichend versorge. Im Übrigen kritisierte er, dass bei den Strom-Masten offenbar keine entsprechende Regelung existiere: In einigen Orten reiche der 1000 Meter breite Korridor bis auf wenige hundert Meter an die Wohnbebauung heran. "Der Protest kann nur zu einer Verschiebung führen", stellte Fenn klar, dass die Kommunen entlang der Trassen am Ende vermutlich gegeneinander agieren müssen.

Wende: Bedarf soll begründet werden

"Die P 43 ist nach der Bewältigung der Corona-Pandemie das wichtigste Thema", betonte CSU-Fraktionssprecher Martin Wende. Er forderte durchaus eine ausführliche Begründung des Bedarfs: "Der Eingriff in die Natur ist so massiv, dass auch Zahlen auf den Tisch gelegt werden müssen, warum wir die Trasse brauchen." Das sei notwendig, um die Bevölkerung mitzunehmen.

Wende forderte auch zum Einsatz aller auf: "Die Stellungnahme der Stadt kann nur ein erster Schritt sein." Der Landrat sowie die Bürgermeister und Abgeordneten der Region müssten den Protest auch in Berlin vorbringen. Umgekehrt sollten unter anderem Mitglieder der bayerischen Staatsregierung in die Region geholt werden. Wende nannte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern, Stadträte anderer Parteien zielten gleich auf CSU-Ministerpräsident Markus Söder ab.

"Wenn der Bedarf nachgewiesen ist, muss das unser Top-Thema sein", betonte Wende. Briefe schreiben alleine reiche nicht. Bürgermeister Warmuth rief die Bürger dazu auf, ihre Einwände bei der Stadt Hammelburg einzureichen. Sie würden gebündelt an den Übertragungsnetzbetreiber Tennet weitergegeben. "Wir sind ganz am Anfang des Verfahrens", stellte Warmuth klar.

Offen blieb die Frage von Reimar Glückler (CBB), ob die Stadt die Trasse durch eine mögliche Erweiterung des Gewerbegebietes Westheim verhindern könne. Das will die Verwaltung in Absprache mit dem Landratsamt klären. In einem anderen Tagesordnungspunkt gab es eine Grundsatz-Diskussion darüber, ob die Stadt in der Pandemie überhaupt neue Gewerbeflächen benötige.