Die Nachricht kam überraschend, die Einladung kurzfristig: Bereits am Sonntag wird der bisherige Leiter der Polizeiinspektion (PI) Bad Kissingen, Polizeioberrat Stefan Haschke, in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolger wird der aktuelle Hammelburger Polizei-Chef Christian Pörtner, der erst im März 2020 von Bad Kissingen nach Hammelburg gewechselt war. Für den 46-Jährigen aus Kleinbrach schließt sich damit ein Kreis: Sein erstes Praktikum absolvierte Pörtner 1995/96 bei der Bad Kissinger Polizei, machte damals sogar den Umzug der PI von der Landwehrstraße in die ehemalige Kaserne mit. Chef wird er dort erst zum 1. Juli, allerdings sei es schwer gewesen, einen Termin für die offizielle Amtsübergabe zu finden: Zwischen der Innenminister-Konferenz am vergangenen Wochenende in Würzburg und dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau kommt nun unter anderem Innen-Staatssekretär Sandro Kirchner nach Bad Kissingen.

In sozialen Netzwerken sehr aktiv

Natürlich sei es schon immer sein großer Wunsch gewesen, die Polizei in seiner Heimatstadt Bad Kissingen einmal zu leiten, gibt Christian Pörtner zu. Trotzdem kam es auch für ihn jetzt überraschend. Bereits im vergangenen Jahr habe Haschke bekannt gegeben, dass er in diesem Jahr in Ruhestand geht. Obwohl Pörtner erst vor gut zwei Jahren nach Hammelburg wechselte, habe er sich auf die bayernweite Ausschreibung beworben. Vor wenigen Wochen sei dann die Zusage gekommen. Dabei gehe er durchaus mit gemischten Gefühlen zurück in seine Heimatstadt: "Es wird eine Herausforderung, eine gewisse Distanz zwischen Beruf und Privatleben zu schaffen", sagt der zweifache Familienvater, der auch in den sozialen Medien sehr aktiv ist. "Die Polizei muss am Puls der Zeit bleiben", begründet er seine Aktivitäten im Internet. Zum einen erreiche die Warnung vor Internet-Kriminalität dort viele Menschen, zum anderen gebe es fast täglich neue Phänomene und kriminelle Maschen.

Offizielle Amtseinführung Pörtners in Hammelburg war am 2. März 2020. Für ihn in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiger Tag: "Das war damals eine der letzten ungezwungenen Veranstaltungen vor dem Lockdown", erinnert sich der 46-Jährige. Corona habe denn auch seine komplette Amtszeit überschattet: Wie können sich Beamte selbst schützen, wenn sie in soziale Brennpunkte gehen oder Tatverdächtige auf der Rücksitzbank sitzen? Die Kollegen hätten auch durch ihr besonnenes Verhalten in der Freizeit mit dazu beigetragen, dass die Hammelburger Polizei trotz Pandemie rund um die Uhr einsatzbereit war. "Das beeinflusst auch unser Privatleben", dankte Pörtner allen Mitarbeitern. Zudem habe er in seiner Amtszeit in Hammelburg den Schichtdienst von vier auf fünf Dienstgruppen umgestellt. Das habe vor allem Vorteile für Teilzeit-Kräfte. Nach einem Testlauf hätten alle das neue Modell befürwortet.

Froh ist Pörtner über die große Zustimmung von allen Seiten für die Hammelburger Polizei. Zwar habe es immer wieder Spannungsfelder gegeben, neben den Corona-Spaziergängen nennt er etwa eine größere Auseinandersetzung mit Jugendlichen im vergangenen Jahr, aber die Justiz, Behörden, Hilfsorganisationen und die Bevölkerung würden die Beamten sehr gut unterstützen. Beispiel: Bei mehreren Unfällen gleichzeitig im Zuständigkeitsbereich einer kleinen PI müssten Feuerwehren auch mal ohne eine Streife auskommen.

Auch wenn es in anderen Landkreisen, wie etwa Kitzingen, nur noch eine PI gebe, sieht Pörtner die Selbstständigkeit der drei Polizei-Dienststellen im Landkreis auch langfristig nicht in Gefahr. Die Wege seien so weit, dass es in Bad Brückenau und Hammelburg eigene PIs geben müsse. Lediglich im Bereich Verkehr übernehme der Sachbearbeiter Verkehr bei der PI Bad Kissingen zentral Aufgaben für alle drei Standorte. "Ansonsten stehen die drei Dienststellen im Landkreis gleichberechtigt nebeneinander", betont Pörtner. Die PI Hammelburg ist für rund 28 000 Einwohner in neun Kommunen und eine Fläche von rund 425 Quadratkilometer zuständig.

Neu ist für Pörtner die Perspektive, eine Stelle anzutreten, die nicht vorher von Alfons Hausmann besetzt war: Ob Dienstgruppenleiter, Stellvertreter in Bad Brückenau und Bad Kissingen oder Chef in Hammelburg: Immer sei Hausmann vor ihm da gewesen. "Ab jetzt trennen sich unserer Wege, er ist in seiner Heimat Hammelburg hängen geblieben, ich komme jetzt in meine Heimat Bad Kissingen", sagt Pörtner lachend. In Hammelburg übernimmt Stellvertreter Oliver Ebert ab 1. Juli kommissarisch die Leitung. Offen ist laut Polizeipräsidium Unterfranken aktuell noch, ob dann wieder für ein halbes Jahr eine Besetzung im Rahmen der sogenannten Führungsbewährung erfolgt oder Pörtners Nachfolge gleich endgültig besetzt wird.