Trotz Abstandsregeln bot der Speisesaal der Musikakademie einen durchaus feierlichen Rahmen für die Verabschiedung der Hammelburger Stadträte. Als kleine Einschränkung mussten die Geehrten ihr Präsent und die Urkunde selbst vom Tisch wegnehmen, statt sie aus den Händen von Bürgermeister Armin Warmuth überreicht zu bekommen und auch die tischübergreifenden Gespräche fanden größtenteils nicht statt. Warmuth hatte sich zuvor eng mit dem Gesundheitsamt Bad Kissingen abgestimmt und sich die Veranstaltung genehmigen lassen.

Michael Balk übernahm am elektrischen Klavier die musikalische Umrahmung und leitete die Abschiedsfeier mit "Yesterday" von John Lennon ein. Normalerweise fände die Verabschiedung am Ende oder spätestens unmittelbar zu Beginn einer Legislaturperiode statt, sagte Warmuth. "Ich bitte sie um Verständnis für die erschwerten Rahmenbedingungen. Es war mir aber grundsätzlich sehr wichtig, ihr hohes ehrenamtliches Engagement endlich auch entsprechend zu würdigen". Mit jeder Neuwahl würde sich das Procedere wiederholen, die Verleihung der politischen Verantwortung nur auf Zeit sei eine gute Grundlage der Demokratie.

Es gebe zwei Arten von Abschieden, den einen erlebe man, den anderen erleide man, sprach Warmuth die Hoffnung aus, dass ersteres auf alle zutreffe. Dabei werde sich sicher Freude und möglicherweise auch etwas Erleichterung eingestellt haben. Vielleicht weil seit 1. Mai die Last der Verantwortung etwas kleiner sei und man mehr Zeit für Dinge habe, die man schon lange einmal machen wollte. Mit dem Amt einher gehe wenig Lob, manchmal ganz viel Kritik, möglicherweise sogar die eine oder andere Anfeindung, die bis in die Familie übertragen würde.

Mit Augenmaß und Weitblick

Weder der Bürgermeister, noch ein einzelner Stadtrat, eine Partei oder Gruppierung noch die Verwaltung seien für sich alleine gesehen , wirklich zu vielem fähig. Voraussetzung für Erfolg seien also immer gemeinsames Bemühen, harmonisches Zusammenspiel und ein respektvolles Miteinander. Natürlich gehörten auch ein gutes Umfeld und etwas Glück dazu. Warmuth zählte einige Projekte der vergangenen sechs Jahre auf, sprach aber auch Diskussionen um die Flüchtlingsthematik oder um die Zukunft des Bürgerspitals an. "Klar ist auch, dass wir große Investitionen vor uns und auch schon beschlossen haben und dass wir durch Corona in turbulenten Zeiten unterwegs sind", so der Bürgermeister. Deshalb müsse verantwortliches Handeln mit Augenmaß und Weitblick auch weiterhin das gemeinsame Ziel sein. Mit den Worten von Friedrich Rückert "Füge Dich der Zeit, erfülle Deinen Platz und räum ihn auch getrost: Es fehlt nicht an Ersatz", beendete er seine Ausführungen.

Es sei ihm eine Ehre stellvertretend für die knapp 11 200 Einwohner von Hammelburg an acht Personen Dank und Respekt auszusprechen. Sie hätten hoffentlich viele gute Erinnerungen an die Zeit und nun die Gelegenheit das kommunalpolitische Geschehen - mit einem der derzeit meist gebrauchtesten Worte - nämlich "mit Abstand" zu betrachten.

Die Geehrten

Die Dankurkunde ging an Jürgen Armbruster aus Feuerthal, er war seit 2008 Ortssprecher. Thomas Brandenstein (SPD) war von 2002 bis 2014 und ab 2017 im Stadtrat, er erhielt 2014 die Bürgermedaille. Markus Göbel (H.A.B.) aus Gauaschach begleitete das Amt als Stadtrat und Fraktionssprecher über die letzten sechs Jahre. Das gleiche gilt für Jens Hart (FWS) aus Diebach. Hans Schönau aus Obererthal erhielt die Dankesurkunde für seine Tätigkeit als Ortssprecher seit 2017. Auch Daniel Wolf (Junge Liste) gehörte über die letzte Legislaturperiode dem Stadtrat an und war Fraktionssprecher.

Die Bürgermedaille der Stadt Hammelburg verlieh Warmuth an Walter Emmert und an Elisabeth Wende. Walter Emmert (CBB-FW) war seit 2008 im Stadtrat, ist seit 1986 2. Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hammelburg und Vorstandsmitglied der Bäckerinnung. Elisabeth Wende (CSU) war seit 1996 Stadträtin und von 1990 bis 2014 Kreisrätin. Außerdem von 2008 bis 2014 3. Bürgermeisterin, agiert als Schöffin und erhielt 2014 das Ehrenzeichen in Gold des Landkreises Bad Kissingen. Sie bedankte sich für die Ehrung mit den Worten: "Ich freue mich über 30 Jahre kommunalpolitisches Wirken und bin auch weiterhin neugierig auf die Zukunft." Ein Menü, zu dem ein Schoppen Hammelburger Stadtwein nicht fehlen durfte, beendete die Feierstunde.