Als Pfülb vor einigen Jahren in der Staatsbibliothek München alte Ausgaben der Hammelburger Zeitung las, wurde der Fuchsstädter auf eine Anzeige vom 23. März 1920 aufmerksam. Die Kalkbrennerei Keupp Fuchsstadt bot darin den Verkauf von "Weißstückkalk" an. Bei seinen weiteren Nachforschungen konnte ihm das Staatsarchiv Würzburg zahlreiche Schriftstücke und Baupläne über die Entstehung und die Bauweise der Kalkbrennerei zur Verfügung stellen.
Akribisch wertete Pfülb die in "Sütterlinschrift" geschriebenen und teilweise schwer lesbaren Briefe aus. Bei einer Veranstaltung des Fuschter Geschichtskreises im Gewölbekeller des Heimatmuseums berichtete er etwa 50 Interessierten über den Bau und den Betrieb der ehemaligen Kalkbrennerei.
Aus den erhaltenen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Bauunternehmer Adam Keupp am 3. März 1919 bei der Gemeinde Fuchsstadt die Pacht einer Fläche von 2120 Quadratmeter auf der "Ödung Heinig" beantragte. Für den Betrag von 8829 Mark verpachtete die Gemeinde im April 1919 die beantragte Fläche. Im Mai des gleichen Jahres stellte Keupp beim königlichen Bezirksamt in Hammelburg den Bauantrag auf die Errichtung eines Kalkofens.
Der im Lager Hammelburg ansässige Bauunternehmer Georg Weippert befürchtete in dem geplanten Kalkofen ernsthafte Konkurrenz für seinen eigenen Kalkofen. Das Bezirksamt Hammelburg teilte seine Bedenken nicht und genehmigte den Bau des Ofens, der 1920 in Betrieb genommen wurde.

Mühevolle Handarbeit

Im Oktober 1920 stellte Keupp den Antrag für den Bau eines Wohnhauses, das noch heute am Ortsausgang Richtung Greßthal steht. Die Kalkbrennerei befand sich knapp einen Kilometer oberhalb seines Hauses. Die Kalksteine wurden in mühevoller Handarbeit im nahe gelegenen Steinbruch gebrochen, zum Brennvorgang von oben in den Brennofen gefüllt und abgedeckt. Die Steine wurden mit Koks auf 900 bis 1300 Grad erhitzt; dabei entweicht Kohlenstoffdioxid und es entsteht Branntkalk (Caliumoxid). Das benötigte Brennmaterial wurde mit Fuhrwerken vom Bahnhof in Hammelburg abgeholt und zum Kalkofen transportiert. Nach dem Abkühlen wurde der Brandkalk zum Löschen in dafür angelegte Erdgruben gebracht und dort mit Wasser aus dem Bach versetzt. Dabei bildet sich der Löschkalk (Calciumhydroxid). Der gewonnene Löschkalk wurde "Zentnerweise" verkauft und mit Sand vermischt sowohl zum Verputzen von Wänden als auch zum Mauern verwendet.
Am 1. Mai 1925 übernahmen Rudolf Zwiefel und Ludwig Kippes die Anlage von Adam Keupp. Sohn Engelbert Zwiefel, heute 85, berichtete den Anwesenden lebendig von Erzählungen seines Vaters über das Kalk brennen. Für Heiterkeit sorgte er bei den Zuhörern mit seiner Äußerung, dass angeblich mit einem Jagdgewehr in den Ofen geschossen wurde, um so die festsitzenden Kalksteine zu lösen. Er berichtete auch, dass der Kalk nur im Frühjahr und im Herbst gebrannt wurde. Sein Vater hat im Dezember 1931 den Brennofen an Karl Keller übergeben.
Der Kalkofen blieb bis 1938 in Betrieb. Nach der Stilllegung wurden die verwertbaren Stücke abgebaut, während der übrige Teil langsam zerfiel. Schließlich wurden die Reste der Anlage 1972 im Zuge des Straßenbaus eingeebnet.