Mit fünf Monaten Verspätung hat Bürgermeister Armin Warmuth zwei langjährigen Mitgliedern der Verwaltung zum Dienstjubiläum gratuliert. "Wir haben schon mindestens zwei Mal Termine in der Herrenmühle angesetzt", begründet er die Verspätung. Wegen Corona hätten die Feiern mit Kollegen und Vorgesetzten immer wieder abgesagt werden müssen. Damit es nicht noch weiter verschoben wird, gratulierte Warmuth nun Sabine Löber aus dem Einwohnermeldeamt und Geschäftsleiter Roland Goerke in kleinem Kreis zu jeweils 40 Jahren in Diensten der Stadt. Gleichzeitig würdigte er die Leistung der 23-jährigen Lorena Romanczyk, die den Angestellten-Lehrgang 2 mit Bravour bestanden hat.

"Ich kann mich noch genau an meinen ersten Tag erinnern", erzählt Sabine Löber. Am 1. September 1980 fuhr sie mit dem Bus aus Gauaschach nach Hammelburg. Pünktlich um 7 Uhr habe sie sich beim Personalchef gemeldet. Dann hieß es erst einmal warten, denn: Ein anderer Azubi namens Roland Goerke kam erst eine halbe Stunde später, obwohl er aus Hammelburg stammt. "Ich habe die Zeit schon mehrfach wieder reingearbeitet", sagt der heutige Geschäftsleiter Goerke mehr als 40 Jahre später lachend.

"In der schnelllebigen Zeit heute sind solche Jubiläen eine Ausnahme", würdigte Bürgermeister Armin Warmuth die Treue der beiden Mitarbeiter, und: "Von ihrer Erfahrung profitieren die Verwaltung und damit die Bürgerinnen und Bürger." Warmuth erinnerte daran, dass beide von Bürgermeister Karl Fell eingestellt wurden. Danach folgten Elmar Hartung, Arnold Zeller, Ernst Stross und er selbst an der Stadtspitze. "Sie haben viele Aufs und Abs miterlebt - und meist klamme Kassen, auch wenn die Haushaltslage im Moment sehr gut ist."

Tourist-Info in der alten Volksschule

Sabine Löber startete als Sabine Bickel ihre Ausbildung in der Verwaltung. Damals sei es noch selbstverständlich gewesen, dass die Azubis bei Weinfesten und Weinproben des Städtischen Weinguts eingeteilt wurden. Das kennt auch Roland Goerke noch. Dass sie noch keine 18 Jahre alt waren und die Termine bis weit in den Abend gingen, habe keinen gestört. "Heute würde das nicht mehr gehen", betont Goerke.

Nach zwei Jahren wurde Sabine Bickel gleich übernommen. Erste Station sei die Tourist-Info gewesen, erzählt sie. Die war damals zeitweise in der alten Volksschule untergebracht, weil das Kellereischloss umgebaut wurde. "Ich kenne das hier alles noch im Rohbau", sagt sie über den Sitzungssaal. Als Gauaschacherin betreute sie mit dem Ortssprecher in den 1980er Jahren noch Kanzleistunden im Stadtteil. Nach der Erziehungszeit wechselte sie zunächst in die Bauverwaltung, später ging es über die Bibliothek ins Einwohnermeldeamt. "Sie sind allseits anerkannt und geschätzt", würdigte Warmuth vor allem die hohe Flexibilität der langjährigen Mitarbeiterin. Die 55-Jährige wohnt mittlerweile mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in Schondra, wo ihr Mann eine eigene Firma für Schadensmanagement hat.

"Du hast die Stadtverwaltung in den letzten Jahrzehnten erheblich geprägt", fasste Warmuth die Bedeutung von Geschäftsleiter Roland Goerke zusammen. Seit Mai 2002 steht der Hammelburger der Stadtverwaltung mit aktuell 128 Beschäftigten vor. Die Stadt ist zudem für die aktuell 36 Beschäftigten des Bürgerspitals zuständig. In den 1980er Jahren war Goerke zunächst für das Beitragsrecht zuständig. "Das war eine besondere Herausforderung, damals gab es sogar extra Bürgerversammlungen, bei denen es hoch her ging", sagt Bürgermeister Warmuth. Für die Arbeit rund um die Globalberechnung für die neue Entwässerungssatzung habe er 1995 eine dienstliche Belobigung erhalten.

Nach einer so langen Zeit im Beitragsrecht habe er sogar mit dem Gedanken gespielt, die Stadtverwaltung zu verlassen, gibt Goerke heute zu. Allerdings eröffnete sich 2002 eine neue Möglichkeit: Weil der damalige Geschäftsleiter Norbert Kühnl als Geschäftsführer die neuen Stadtwerke übernahm, bewarb sich Goerke erfolgreich um dessen Nachfolge.

Drei ganze Seiten füllen die Fortbildungen, die Goerke in seinen mehr als 40 Jahren bei der Stadt absolviert hat. Die Themen reichten von Beitragsrecht über Technik bis zu Führungsaufgaben. Goerke ist zudem Ausbildungsleiter und betrieblicher Ersthelfer. 2008, 2014 und 2020 leitete er darüber hinaus die Kommunalwahlen. "2020 war das wegen Corona eine besondere Herausforderung", lobt Bürgermeister Warmuth, und: "Der Geschäftsleiter muss viele Themen bearbeiten und das wegen Corona in einer ungeahnten Dynamik."

Goerke ist 57 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er stammt aus Hammelburg und wohnt nach wie vor in der Stadt. Über Jahrzehnte hat er die Volleyball-Mannschaft der Stadtverwaltung betreut. Das Team nahm unter anderem an der bayerischen Behörden-Meisterschaft teil und gewann einmal die Stadt-Meisterschaft. Nach einer Verletzung habe er die Mannschaft aber aufgelöst

Gerade mal seit sieben Jahren arbeitet Lorena Romanczyk in der Stadtverwaltung. Dass sie trotzdem eine Ehrung bekam, liegt an ihrem hervorragenden Prüfungsergebnis: Von 459 Teilnehmern kam sie auf Platz 6 in Bayern beim Angestellten-Lehrgang 2. "Sie sind in jungen Jahren schon bereit, Verantwortung zu übernehmen", lobte Warmuth die 23-Jährige, die aus Hammelburg stammt, aber mittlerweile in Schwärzelbach wohnt. Trotz der guten Leistung hofft der Bürgermeister, dass Lorena Romanczyk "der Stadt noch lange treu bleibt".