Großwenkheim
Straßennamen

Großwenkheim: Warum der Pfarrer eine eigene Straße hat

Die Pfarrer-Kunzmann-Straße erinnert an einen Geistlichen, der sich nicht nur um das Seelenheil seiner Gemeinde gekümmert hat. Franz Kunzmann hat auch für eine neue Orgel, eine neue Heizung und einiges mehr gesorgt.
Die Pfarrer-Kunzmann-Straße in Großwenkheim. Sie ist 203 Meter lang.
Die Pfarrer-Kunzmann-Straße in Großwenkheim. Sie ist 203 Meter lang. Foto: Dieter Britz
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Gleich neben der Kirche Mariä Himmelfahrt, von der Rhönstraße bis zum Schirmflurweg und zur Wannig, führt im Stadtteil Großwenkheim die Pfarrer-Kunzmann-Straße. Sie ist, gemessen mit Google-Maps, 203 Meter lang. Ihr Namenspatron ist Franz Kunzmann, der zehn Jahre lang katholischer Pfarrer in Großwenkheim war. Ihn stellen wir heute im Rahmen unserer Serie über die Namensgeber von Straßen vor.

Franz Kunzmann wurde am 10. August 1893 in Würzburg geboren. Nach dem Schulbesuch und dem Theologie-Studium wurde er am 26. August 1917 von Bischof Ferdinand von Schlör zum Priester geweiht. Bevor er nach Großwenkheim kam, war er in sieben anderen Pfarreien tätig. Ab dem 1. Oktober 1917 war er Kaplan in Pfersdorf, Oerlenbach und schließlich Oberpleichsfeld. Bis 22. Februar 1922 war er anschließend Kooperator in Pusselsheim und danach Kaplan in Westheim. Vom 15. Mai 1923 bis 17. Oktober 1928 war er Lokalkaplan in Kleineibstadt und danach bis zum 22. Dezember 1932 in Theilheim bei Schweinfurt.

Seine erste feste Pfarrstelle bekam er anschließend in Westheim. Zum 31. Juli 1940 wechselte er als Pfarrer nach Klingenberg. Dort war er von 1950 bis 1954 auch Dekan.

"Ein großer Freudentag"

Laut der Kleriker-Datenbank des Diözesanarchivs war er ab 1. Juni 1954 Pfarrer in Großwenkheim. Dort traf er aber offenbar erst am Sonntag, 4. Juli ein. Die Zeitung schrieb am Montag, 5. Juli "der gestrige Sonntag war für die ganze Gemeinde ein großer Freudentag, ... zu dem die ganze Gemeinde festlich geschmückt worden war.... Als Geistlicher Rat Franz Kunzmann ... Von Münnerstadt kommend am Ortseingang eintraf, hatte sich die gesamte Gemeinde versammelt. Auch Landrat Hofmann (MdL) und Schulrat Gedig waren für diese Begrüßung erschienen. Bürgermeister Müller entbot dem neuen Pfarrherrn namens der ganzen Gemeinde einen herzlichen Willkommensgruß... In Gedichten brachte die Schuljugend die Freude über das Kommen eines neuen Pfarrherrn zum Ausdruck..." Nach dieser überschwänglichen Begrüßung am Ortseingang formierte sich ein langer Festzug mit Musik und sämtlichen Fahnen der örtlichen Vereine, um den neuen Pfarrer durch die fahnen- und blumengeschmückten Straßen zur Kirche zu geleiten.

Bereits am 13. September 1954 wurde der neue Pfarrer auch Dekan des Dekanats Münnerstadt. Er war nicht nur bemüht, das religiöse Leben in der Pfarrei und im Dekanat zu erneuern und zu vertiefen, hieß es in der Zeitung, als er Mitte Dezember 1964 Abschied nahm. Seiner Initiative sei es auch zu verdanken, dass die Kirche eine neue Orgel, eine neue Heizung, einen neuen Bodenbelag und eine Mikrofonanlage erhielt. Der Kindergarten wurde renoviert und bekam eine Ölheizung, ein Jugendheim wurde eingerichtet und im Friedhof ein Priestergrab geschaffen. Er kümmerte sich auch um die Bereitstellung von Bauland für Nebenerwerbssiedlungen.

Ernennung zum Ehrenbürger

Die damals noch selbstständige Gemeinde würdigte seine großen Verdienste im Jahr 1963 mit der Ernennung zum Ehrenbürger. 1964, im Alter von 71 Jahren, bat er um Versetzung in den Ruhestand, da er gesundheitlich etwas angegriffen war. Er hatte gebeten, auf eine offizielle Abschiedsfeier für ihn zu verzichten. Kunzmann verbrachte seinen Ruhestand in Aschaffenburg. Dort verstarb er fast 13 Jahre später, am 5. Februar 1977. Begraben wurde er jedoch auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin am 14. Februar in Großwenkheim, seiner letzten Wirkungsstätte als Pfarrer.

Die Daten über Kunzmann stammen aus dem Stadtarchiv und der Kleriker-Datenbank der Diözese Würzburg.