Rufe nach Revolution und Gewalt, Ausländer- und Islamfeindlichkeit - in einer Chatgruppe der AfD trat Radikalismus offen zu Tage. Beteiligt sind hochrangige Politiker aus der bayerischen und fränkischen AfD. Für eine fränkische Schatzmeisterin der AfD ist laut Bayerischem Rundfunk die Bundesrepublik eine Mischung aus Nazi- und Stasi-Diktatur.

"Muss so etwas sein? Ich würde mich so nicht ausdrücken, geschweige denn so denken", sagt Freia Lippold Eggen, AfD-Stadträtin in Bad Kissingen und Schatzmeisterin des Kreisverbands Unterfranken Nord. In der Chatgruppe des Messengerdienstes Telegram ist sie selbst Mitglied. "Ich bin aber im Chat nicht aktiv. Ich war es nicht."

Damit hat sie recht: Die Spur führt in einen mittelfränkischen Kreisverband. Laut gut informierten Kreisen soll es sich um eine Vize-Schatzfrau aus Mittelfranken handeln die dort als "stellvertretender Schatzmeister" aktiv war. Von der Enthüllung durch den BR hatte Freia Lippold Eggen am Mittwochmorgen erfahren.

Ihre Reaktion: "Ich dachte mir: Mannomann! So etwas lässt sich nicht entschuldigen. Das sind Punkte, die nicht in unserem Parteiprogramm stehen. Die Leute sollen sich erklären." Ihre Vermutung, wie und warum es zu den Äußerungen kam, gehen in verschiedene Richtungen. Möglich sei beispielsweise das Ablassen von Frust oder aber das Anbiedern an ein bestimmtes Klientel von Wählern - was bei anderen Parteien ebenfalls geschehe.

Die Bad Kissinger Politikerin meint, dass der Fall "hochgekocht" werde - auch wenn sie die Äußerungen stark verurteilt. "Ich kann niemandem in den Kopf schauen, ich weiß nicht, was da in den Beteiligten vorgegangen ist." Sie sagt: "Es ist schlecht, dass es an die Medien gelangt ist. Das Positive daran ist, dass die Leute vielleicht mal nachdenken, wenn sie den Mund aufmachen."

Reporter des BR haben Aussagen aus dem Chat mehreren Experten vorgelegt, darunter dem Verfassungsrechtler Klaus Gärditz, Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: "Die Revolutionsrhetorik zeigt den Vorwurf, dass die freiheitliche demokratische Grundordnung aggressiv bekämpft wird." Im Chat finden sich laut BR 16 der 18 bayerischen Landtags- und elf der zwölf Bundestagsabgeordneten. Aus dem AfD-Landesvorstand sind zehn von 13 Personen vertreten. Die Nachrichten stammen aus dem Zeitraum von Ende 2017 bis Mitte 2021.josch