Im jüngsten Gemeinderat sorgte ein Antrag der Firma "Rhönschotter" aus Oberleichtersbach für Verwirrung. Auf der Tagesordnung stand die "Erteilung einer immissionsschutzrechtlichen Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer Anlage zur zeitweiligen Lagerung von gefährlichen Abfällen." Schnell wurde klar: Die Lagerhalle steht schon längst.
Doch um was für Abfall geht es überhaupt?

In einer Bekanntmachung des Landratsamtes war von "Gleisschotter, der gefährliche Abfälle enthält" die Rede, das Material soll "gelagert und umgeschlagen werden". Schon die nächste Zeile machte die Verwirrung perfekt: Soweit eine Behandlung erforderlich sei, werde diese in der Schotterwaschanlage der Firma durchgeführt. Gelangt das belastete Wasser also in die Kläranlage? Diese Frage beschäftigte den Gemeinderat. Schließlich schlug Bürgermeister Walter Müller (CSU) vor, die Entscheidung zurückzustellen.

"Wir haben im vergangenen Jahr eine Lagerhalle gebaut", bestätigt Josef Enders, Inhaber von "Rhönschotter", gegenüber der Saale-Zeitung. Sie solle der Lagerung von so genannten "überwachungsbedürftigen Abfällen" dienen, denn bisher durfte das Unternehmen nur nicht-überwachungsbedürftige Stoffe annehmen.

Material wird nur gelagert

Hintergrund ist die Zertifizierung der Firma als Entsorgungsfachbetrieb Anfang des Jahres. Das belastete Material werde nur zwischengelagert und später entweder auf die Mülldeponie Wirmsthal gebracht oder weiterverkauft. "Wir haben keine Anlage zur Verarbeitung von gefährlichen Stoffen", stellt Enders klar.

Aber um was für Material handelt es sich nun? "Gefährliche Stoffe können alles sein", macht Marc Enders die Bandbreite deutlich. Gipsplatten seien genauso darunter wie teerhaltiger Asphalt oder Fasermaterialien wie beispielsweise alte Eternitplatten, die Asbestbestandteile enthalten könnten. "Das kommt aber sehr selten vor", sagt Enders Junior. Zumal sei Asbest nur gefährlich, wenn er zerstäubt werde. Vielmehr gehe es um Bauschutt wie zum Beispiel alte Fliesen, die wegen eventueller Klebstoff-Reste als gefährlich gelten.

Oder eben Gleisschotter. Der wird als gefährlich eingestuft, weil die Bahn auf ihren Strecken Pestizide einsetzt. Das belaste das Material mitunter, erklärt Roland Lenhart, Sachgebietsleiter für Umweltrecht am Landratsamt Bad Kissingen. Er bestätigt, dass sowohl der Bau der Lagerhalle als auch die Schotterwaschanlage genehmigt sind. Allerdings dürfe dort ausschließlich nicht-gefährliches Material gewaschen werden.

"Unsere Waschanlage verfügt über einen geschlossenen Wasserkreislauf", versichert Josef Enders. In Kürze werde das Wasserwirtschaftsamt einen Betriebsausflug machen und die Anlage besichtigen - unabhängig vom Genehmigungsverfahren. "Interessierte Bürger sind dazu herzlich willkommen."