Ein halbes Jahr lang wird auf dem Fensterbrett im Foyer des Bruder-Franz-Hauses auf dem Kreuzberg ein Eichenfass, befüllt mit den edelsten Zwetschgenbränden der bayerischen Edelbrandsommeliers, stehen. Sie haben dieses besondere Projekt mit Unterstützung der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim ins Leben gerufen, um auf die hochwertige Qualität ihrer Produkte aufmerksam zu machen.


Insgesamt sechs Standorte

Edelbrandsommeliers sind unter anderem als Juroren für die Edelbrand-Prämierungen zuständig. Viele von ihnen haben selbst eine Brennerei. Anfang 2016 beschlossen sie, einen gemeinsamen Zwetschgenbrand zu kreieren. Mindestens ein halbes Jahr reift dieser "Bayern-Brand" auf dem Kreuzberg und an anderen fünf Standorten, um am Ende einen edlen Zwetschgenbrand-Cuvée zu ergeben.
Der Startschuss für das Projekt wurde in München beim Hoffest des Landwirtschaftsministeriums vom Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gegeben. Er befüllte die sechs Eichenfässer, in denen vorher Silvaner lagerte, mit den bayerischen Zwetschgenbränden.
Diese sechs 50-Liter-Fässer wurden an sechs Plätzen in ganz Bayern verteilt eingelagert. In Franken auf dem Kreuzberg, in der größten Höhle der Fränkischen Schweiz, der Teufelshöhle, und im ehemaligen Fürstbischöflichen Weinkeller in Veitshöchheim. Im Süden haben die Sommeliers sich die malerische Insel Frauenchiemsee, Europas größe Burganlage in Burghausen und als schwimmende Lagerstätte die MS Bayern auf dem Bodensee ausgesucht.


Einfluss auf den Geschmack

Abgefüllt wird der edele Brand nach der Reife in individuellen Flaschen mit fortlaufender Nummerierung. Die unterschiedlichen Lagerstätten lassen feine Unterschiede in der geschmacklichen Ausprägung erwarten. "Wir und Sie dürfen gespannt sein", erklärten der Vorsitzende des Fränkischen Obst- und Kleinbrennerverbands, Hubert Fröhlich, und Franziska Bischof, die zugleich Rhöner Edelbrandsommelier ist und die Einlagerung des Fasses auf dem Kreuzberg organisiert hatte. Der Kreuzberg ist der höchst gelegene Lagerort für den künftigen Zwetschgenbrand-Cuvée. "Geistiges und Geistliches komme hier zusammen", erklärte Fröhlich.
Die bayerischen Edelbrandsommeliers sehen die Aktion als einen Teil ihrer Qualitätsoffensive. "Ein Edelbrand ist ein Luxusgut. Man braucht es nicht zum Leben. Es ist etwas, was man sich mal gönnt. So soll Edelbrand wahrgenommen werden. Es ist mehr als einfach nur ein Schnaps", sagte Fröhlich.
Das Kreuzbergfass wurde von den beiden stellvertretenden Landräten Peter Suckfüll (Rhön-Grabfeld) und Alfred Schrenk (Bad Kissingen) bis zum Rand befüllt, verschlossen und versiegelt. Der eingefüllte Brand war klar, nach der Lagerung werde er aufgrund der Lagerung im Eichenfass bernsteinfarben und aromatisch sein, erklärte Bischof.
Der Geschäftsführer der Bayerischen Tourismus GmbH, Michael Pfaff, freute sich, dass der Kreuzberg als ein Lagerort ausgewählt wurde. Gebe es doch in den beiden Landkreises Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen einen hohe Dichte an Kleinbrennern und vier ausgebildete Edelbrandsommeliers.
Es sind Franziska Bischof aus Wartmannroth und Andreas Lutz (Windheim, Wartmannroth), Lothar Bold (Neuwirtshaus) und Mathias Gerstner (Trappstadt). "Wir in der Rhön sind deutschlandweit spitze, was Getränke angeht, vom Wasser über Bier und Wein bis hin zu Edelbränden. Der Edelbrand zeigt uns, wie der Charakter der Landschaft schmeckt", so Pfaff.
Für Andreas Lutz , mit 27 Jahren der jüngste Edelbrandsommelier, der auf eine jahrhundertelange familiäre Tradition zurückblicken kann, ist die Aktion ein wichtiger Baustein, um auf die Leistungen und Qualität der Brennereiprodukte aufmerksam zu machen. Weil das Branntweinmonpol Anfang 2018 falle, sei es umso wichtiger, sich qualitativ gut aufzustellen. Mathias Gerstner verwies auf den Beitrag der Brenner im Bereich Landschaftspflege und Erhalt von Streuobstwiesen.