Mit Informationen zur Gedenkstätte für die Gefallenen des Krieges von 1866 in der Nähe der Oberen Saline und einer moderierten Lesung des Fontane-Berichts zum "Gefecht bei Friedrichshall und Hausen" im Museum Obere Saline wurde die Reihe der Veranstaltungen zu den Ereignissen von 1866 in Kissingen fortgesetzt.
"Krieg ist immer eine Niederlage der Menschheit" zitiert Diakon Christoph Glaser Papst Franziskus. "Dieses Mahnmal erinnert an die Vergangenheit.
Das Gedenken an die Gefallenen von 1866 schließt auch heutige Opfer mit ein und mahnt uns: Frieden ist nicht selbstverständlich".
Den Hausener Bürgern ist sie als Station bei Flurprozessionen in Erinnerung, aber im Gegensatz zum Kapellenfriedhof und der trauernden Germania wird die Gedenkstätte in der Nähe der Saline mit den Gräbern der hier Gefallenen eher wenig beachtet. Schön, dass Kreisheimatpfleger Werner Eberth der Lesung des Fontane Kriegsberichts eine kleine Andacht und Erklärungen zum Ort des Geschehens voranstellt. So bekommt die ansprechend gestaltete Anlage mit der Säule von Michael Arnold wieder einmal eine Öffentlichkeit und gilt nicht nur Geschichtsfreunden als Erinnerung an den 10. Juli 1866. Die vielen verstreut liegenden Kriegsgräber mit unauffälligem Stein oder einem Eisenkreuz und die gestalteten Gräber für Offiziere, erklären sich, weil durch die große Hitze die toten Soldaten zum Teil dort begraben wurden, wo sie gefallen waren, erklärt Eberth.


Blick auf das Schlachtfeld

Der Blick zur Saale, über die Auwiesen hinüber zum Kaskadental und dem Altenburger Haus, stimmte die kleine Schar von Geschichtsfreunden auf die Lesung in der Orangerie des Museums ein. Zwar damals oft anders bezeichnet, beschreibt Fontane aber genau diese Szenerie als Kriegsgebiet. So konnten sich die Zuhörer schon an diesem Gefallenenhain vorstellen, wie um die die Flussübergänge gekämpft wurde, wo sich am Steinhof die Bayern positionierten und wie ihnen die Blöcke der Salinen - damals Friedrichshall genannt und hunderte Meter lang - Deckung gaben vor den heranziehenden Preußen, die über Geroda und "Waldaschach" ins Saaletal zogen.
In der Orangerie des Museums angekommen, verstand es Gerhard Wulz, dem wie er sagte "schwer zu verfolgenden Bericht" durch seine kenntnisreichen Erklärungen Leben und Realität einzuhauchen: "Fontane war weder Kriegsberichterstatter oder gar Augenzeuge, sondern verfasste den Bericht nach Studien der Armeeprotokolle ausschließlich aus Sicht Preußens". So beschreibt Fontane die tapfere Gegenwehr der bayerischen Soldaten, um so die preußische Armee zu überhöhen.
Wulz, ausgewiesener Kissingen Kenner, ordnet Beschreibungen zu, verortet die damals wichtige Klosterbrücke, die es heute nicht mehr gibt, weist auf die damals mäandernde, viel breitere Saale hin, hinterfragt so manche Passage in Fontanes Bericht, zeigt Widersprüche auf, zitiert weitere Quellen und entwirft so ein spannendes Bild des Geschehens. Dass die Schlacht um Kissingen auch ganz anders hätte ausgehen können, wären auf bayerischer Seite nicht Befehle falsch oder gar nicht übermittelt und so unverständliche Entscheidungen getroffen worden. Dass "teilweise mit Übungsgranaten geschossen wurde und den Bayern einfach die Munition ausging", stellt er Fontanes Beschreibung gegenüber. Der pensionierte Lehrer und passionierte Geschichtler streift auch die politischen Verhältnisse, geht auf die Rolle Bismarcks ein und berichtet, dass ein Journalist sogar die damalige militärische Führung vor einem Schwurgericht verklagte.
Festzuhalten bleibt, so Wulz, dass schon vier Jahre später die Kriegsgegner Bayern und Preussen gemeinsam gegen Frankreich zogen.
In der lockeren Diskussion kündigt Kreisheimatpfleger Werner Eberth an, dass die Theodor-Fontane-Beschreibung und viele weitere Aspekte der Geschehnisse von 150 Jahren in seinem Buch "Der Deutsche Krieg von 1866 im Landkreis Bad Kissingen" veröffentlicht sind, das in den nächsten Tagen erscheint.