Mehr als 30 Arnshäuser informierten sich am Samstag über den Stand beim geplanten Geh- und Radweg in die Stadt. Dabei wurde durchaus Kritik laut: "Ich kann den Unmut der Bürger sehr gut verstehen, aber ich stelle auch fest: Wir waren noch nie so nah dran", konterte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) etwa einen Zuruf. Unterstützt wurde er von Holger Bothe, dem Leiter des Staatlichen Bauamts.

Die Interessengemeinschaft Arnshausen hatte das Treffen initiiert. "Wir sind im Jahr 41 nach der Eingemeindung, aber der Weg ist noch immer nicht gebaut. Hier steht auch die politische Glaubwürdigkeit auf dem Spiel", stellte sich der OB hinter deren Forderungen. Denn: Der Radweg stand im Eingemeindungsvertrag von 1972. Der vorhandene Weg könne wegen fehlender sozialer Kontrolle keine Alternative sein, entkräftete der OB ein Gegenargument.

Wie schwierig der Neubau ist, führten Blankenburg, Bothe und Stadtplaner Wolfgang Russ am Hochkreuz in Arnshausen vor Augen. Die komplexen Zusammenhänge und die für Laien kaum durchschaubaren Hemmnisse versuchte Bothe sachlich und verständlich darzulegen. Dazu musste er weit in die Vergangenheit zurückgehen und verwies darauf, dass in der Euphorie der Grenzöffnung die "B286 neu" zu großzügig ausgebaut werden sollte. Der gefühlt höhere Verkehr sei fast ausschließlich innerörtlich.

Also wurde neu geplant: Viele Unsicherheiten seien mittlerweile aus dem Weg geräumt, Grundstücke gekauft, beteiligte Behörden gehört, wasserrechtliche Fragen geklärt, archäologische Untersuchungen wegen eines möglichen frühgeschichtlichem Bodendenkmals seien abgeschlossen und die Zauneidechse umgesiedelt. Es bestehe Baurecht vom Abzweig Würzburger Straße bis zum Durchlass. Blankenburg ergänzte: "Wir sind an einem Punkt, wo die Sache unumkehrbar geworden ist."

Größter Hemmschuh für den Wegebau selbst sei nach wie vor der Durchbruch unter der Bahnlinie. Die Bahn als Eigentümer habe keinerlei Interesse daran. Vergeblich war bislang soagr die Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner: Die Organisationsstrukturen der AG seinen so undurchsichtig, dass man noch nicht mal eine Betretungserlaubnis bekommen habe. Die Bahn sei eben keine staatliche Behörde mehr und könne als Privatunternehmen zu Verhandlungen nicht gezwungen werden, bedauerte Bothe.

OB ruft zu weiterem Protest auf

Gibt es bis zum Jahresende keine Vereinbarungen mit der Bahn, müsse ein langwieriges Planfeststellungsverfahren eröffnet werden, bedauerte Bothe. OB Blankenburg bat deshalb die Interessengemeinschaft und die Bürger, in ihrem Protest nicht nachzulassen. Vielleicht könne man ja sogar seine Bahncard zurückgeben, meinte das Stadtoberhaupt.

"Ich habe die Hoffnung, dass in der nächsten Woche Bewegung in die Sache kommt", sagte Bothe. Ein gewichtiger Verbündeter des Radwegs, Staatssekretär Gerhard Eck habe den Konzernbevollmächtigten der Bahn aufgefordert, mit dem Bauamt Schweinfurt Kontakt aufzunehmen. Bothe glaubt, dass die Zuständigkeit des Staatssekretärs die Bahn zur Aufnahme von Verhandlungen bewegen wird.

Noch in diesem Jahr sollen die vorbereitenden Arbeiten wie Rodung, Leitungen und Abbiegerspur zum Gewerbegebiet starten. Der Weg selbst werde erst im Frühjahr begonnen, da eine Winterbaustelle keinen Sinn mache, meinte Bothe und ist zuversichtlich, dass das Projekt gelingt: "Ich freue mich schon auf die Einweihung." OB Blankenburg sagte zum Schluss des Treffens: "Ich will auf dem Weg mit dem Rad fahren und nicht mit dem Rollator."

Initiator zufrieden mit Ergebnis

Willy Pfeiffer, Initiator der Interessengemeinschaft Arnshausen, war am Ende zufrieden: Der unbedingte Wille, die Sache zu einem guten Ende zu bringen, sei sowohl beim OB, als auch beim Bauamt zu erkennen gewesen. Manfred Herterich, als Arnshäuser schon 40 Jahre mit dem Thema befasst, meinte: "Der Radweg, das ist ein Bohren ganz, ganz dicker Bretter."

Beschreibung Geh- und Radweg Bad Kissingen - Arnshausen mit Bahnunterführung und Ausbau der Würzburger Straße.

Baulastträger Bundesrepublik Deutschland.

Baulänge Rund zwei Kilometer.

Baukosten 2,1 Millionen Euro.