Das geänderte Verbraucherverhalten beim Toilettengang macht dem Leiter der Kläranlage, Alexander Pusch, und seinen Mitarbeitern zu schaffen. Im Kanal landen immer mehr Feuchttücher, und die sorgen dafür, dass die "Waschmaschine", die die Feststoffe aus dem Abwasser reinigt, immer wieder verstopft.

Massenhaft Feststoffe

"Rechengutwirbelwaschpresse"heißt diese Maschine offiziell, sagt Pusch. Im Abwasser befinden sich viele feste Stoffe, WC-Paiper, Hygieneartikel und Stofffetzen. All diese Stoffe bleiben in einem Rechen der Kläranlage hängen, werden aus dem Abwasser entfernt, kommen in die Waschmaschine, werden gepresst und schließlich von einer Fachfirma entsorgt.

Warum müssen diese Stoffe gewaschen werden? "An diesen Gegenständen befinden sich unter anderem Fette, Essensreste, Bakterien, mineralische Stoffe und Tenside von Waschmitteln," sagt Pusch. Aber es sind auch Stoffe dabei, die für die weitere Reinigung des Abwassers gebraucht werden, zum Beispiel Kohlenstoff. So wird das Wasser aus der "Waschmaschine" dem Abwasserkreislauf wider zugeführt.

Das Problem: "Wir haben immer mehr Festsoffe im Abwasser, vor allem Feuchttücher," betont Alexander Pusch, "und letztere lösen sich nicht so gut auf wie Toilettenpapier." Die Feuchttücher knoten sich zusammen, bilden richtige Knäuel und verstopfen die Waschanlage. Neue Maschinen kommen da besser mit zurecht.

So findet sich im Haushaltsentwurf der Stadt denn auch ein Posten für eine neue Waschanlage. 60 000 Euro sind angesetzt. Ausgeschrieben hat Pusch die Anlage bereits, doch der Stadtrat muss noch seine Zustimmung geben.

Reparaturbedarf

Alexander Pusch weist darauf hin, dass in der Kläranlage alte Maschinen eigentlich gerne erhalten werden, denn sie seien meist sehr solide. Doch bereits bei der Vorberatung des Haushaltes hatte er darauf hingewiesen, dass die bisherige Waschmaschine immer wieder streikt, dass jetzt eine Instandsetzung erforderlich wäre, die rund 35.000 Euro kosten würde. "Eine sehr hohe Summe für eine Anlage, von der man weiß, dass sie mit den gewachsenen Anforderungen nicht fertig wird," sagt Pusch. Zum Beispiel mit der zunehmenden Zahl von Feuchttüchern.