Heute vor fünf Jahren haben sich die Bayern in einem Volksentscheid für einen strikteren Nichtraucherschutz ausgesprochen. Wenige Wochen später trat ein Gesetz in Kraft, dass das Rauchverbot aus öffentlichen Einrichtungen und Plätzen auf Kneipen, Gasthäuser, Restaurants und Hotels ohne Ausnahme ausgeweitet hat. "Ich finde es positiv, dass der öffentliche Raum rauchfrei ist", sagt Lungenarzt Dr. Axel Gummert.
Auf seine Arbeit wirkt sich das aber nur bedingt aus. Noch immer kommen konstant viele Patienten zu ihm in die Praxis, die aufgrund ihrer Raucherkarriere an Atemwegs- und Lungenbeschwerden leiden.

Rund 60 Prozent aller Raucher erkranken an sogenannten "COPD's", also an chronischen Lungenkrankheiten. Bei männlichen Patientenzahlen hat Gummert in den letzten fünf Jahren keine große Veränderung bemerkt, bei Frauen zwischen 40 und 50 Jahren nimmt die Zahl der Erkrankungen deutlich zu. Das hat aber nichts mit dem Nichtraucherschutzgesetz von 2010 zu tun. "Die haben schon vor 20 bis 30 Jahren mit dem Rauchen begonnen", sagt er. Die Folgen zeigen sich erst viele Jahre später, in Form von chronischer Verschleimung, bronchialen Infekten und Atemnot.

25 Verstöße in fünf Jahren

Bis sich der gesetzliche Nichtraucherschutz in Gummerts Praxis auswirkt, werden wohl Jahre vergehen. Was aber hat das Gesetz gebracht und wie wird es angenommen? Die Zahlen vom Kreisordnungsamt belegen, dass es größtenteils akzeptiert ist. Seit in Kraft treten wurden der Behörde lediglich 25 Delikte gemeldet. "Zumeist waren es Verstöße in Gaststätten und Bars", berichtet Pressesprecherin Melanie Hofmann. Wenn Gäste in einer Kneipe zur Zigarette greifen, kann es für den Wirt teuer werden. Zuwiderhandlungen können mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 1000 Euro belegt werden. "Der Rahmen wurde im Landkreis aber noch nicht ausgeschöpft", sagt sie. Für Ersttäter sind 100 Euro fällig.

Hotelier Hans Markwalder hat überwiegend positive Erfahrungen mit dem Rauchverbot gemacht. "Für ein Hotel hat das Ganze klare Vorteile", sagt der Geschäftsführer vom Hotel Sonnenhügel. Vom Gardinenwechsel bis zum shampoonierten Teppich. Der Pflegeaufwand für Zimmer in denen geraucht wird, ist deutlich höher als der in Nichtraucher-Räumen. "Das fällt alles weg", meint er.

Auch die Gäste haben das Verbot schnell akzeptiert, berichtet Markwalder. "Den meisten ist es im Sommerhalbjahr sowieso egal." Diskussionen gab es vor allem in der Anfangszeit, wenn es darum ging abends gemütlich bei einem Bier zusammen zu sitzen und dann als Raucher raus in die Kälte zu müssen. Der Protest habe sich aber gelegt. "Der Raucher hat sich darauf eingestellt und weiß, dass er woanders hingehen muss", sagt der Hotelier.

Warnung vor Verharmlosung

Eine positive Beobachtung hat Lungenarzt Axel Gummert in seiner Praxis gemacht. "Die Jugendlichen rauchen weniger", sagt er. "Ich sehe bei ihnen einen bewussteren Umgang mit der Zigarette." Allerdings steigen viele Jugendliche auf einen Ersatz um. Es gebe eine Bagatellisierung von vermeintlich harmloseren Alternativen wie der Shisha und der E-Zigarette. Gummert warnt, dass auch dort Nikotin enthalten und somit ein Suchtpotenzial vorhanden ist. Außerdem reizt der Inhaltsstoff Propylenglykol die Atemwege und kann chronische Lungenerkrankungen hervorrufen.