Ab zweieinhalb Jahren können Kinder in Haard in den Kindergarten.

"Vielen Eltern ist es nicht möglich, die Zeit bis zum Eintritt durch Eigenbetreuung oder Familie zu überbrücken. Deshalb wird in Haard dringend eine Krippe benötigt", sagt Silvia Heim aus Haard.

Zu wenig Krippen-Plätze

In Nüdlingen gibt es zwar eine Krippe, die Plätze reichen jedoch für Haard und Nüdlingen nicht aus.

Gerade bei stetig steigenden Lebenshaltungskosten könnten Eltern es sich nicht mehr leisten, länger als ein Jahr Elternzeit zu nehmen, sagt Sabrina Geis (auch aus Haard). Ein Gehalt reiche oft nicht.

Eltern seien stärker denn je auf ausreichende Krippenplätze angewiesen.

Lange Fahrzeit bis zur Krippe

"Da die Betreuungsplätze überall rar sind und die Anwohner meist den Vortritt bekommen, kann es durchaus sein, dass man weite Wege für eine Betreuung in Kauf nehmen muss", berichtet Christine Fell, die auch im Nüdlinger Gemeinderat ist und dort dafür argumentierte, dass Haard schnell eine Krippe bekommt.

"Es ist zu einer gesellschaftlichen Aufgabe geworden, auch jungen Müttern die Gelegenheit zu geben, Kindererziehung und Beruf miteinander zu vereinen", findet Lisa Cabrera aus Haard, die drei Töchter hat.

Notlösungen der Eltern

Derzeit müssen sich die Eltern anders behelfen. "Aktuell werden die meisten Haarder Kinder in umliegenden Krippen sowie Tagespflegestellen betreut, was einen enormen zeitlichen Mehraufwand darstellt und somit auch mit Mehrkosten verbunden ist", berichtet Jessica Wirsing.

Aufgrund der aktuell enorm hohen Nachfrage nach Krippen- und Tagespflegeplätzen könne es sein, dass sich die werdenden Eltern bereits in der Schwangerschaft um einen Platz bemühen müssten. "Leider gibt es dennoch vereinzelt Eltern, die zum gewünschten Zeitpunkt weder einen Krippen-, noch einen Tagespflegeplatz bekommen", sagt Wirsing.

Nicht alle haben Großelteren, die mithelfen können

"Nicht alle können ihre Kinder durch Großeltern betreuen lassen, da diese oft noch selbst berufstätig sind oder gar nicht in der Nähe wohnen", ergänzt Silvia Heim. Das Problem: Mütter müssten eine längere Elternzeit nehmen und ihren Beruf vorerst hinten anstellen.

Hinzu kommt: In den letzten Jahren habe Haard Zuwachs bekommen. Sei es durch geburtenstarke Jahrgänge - Nadine Lahovnik aus Haard nennt 16 Geburten im Jahr 2020 - oder die Ausweisung neuer Baugebiete und damit verbundenen Zuzüge.

Kinderkrippe, Kindergarten und Grundschule sind zu wichtigen Standortfaktoren für die Gemeinde geworden. Gerade junge Neubürger berücksichtigten bei ihrer Entscheidungsfindung nicht nur das jeweilige Gebäude oder Grundstück, sondern beziehen auch Krippen- und Kindergartenplätze sowie den Standort der Grundschule neben Einkaufsmöglichkeiten, Arzt und Apotheke mit ein. Auch kurze Fußwege sind wichtig.

Viele Eltern kennen sich untereinander. Somit knüpfen die Kinder schon früh Kontakte zueinander, wachsen zusammen auf und besuchen gemeinsam die örtliche Krippe und im Anschluss den Kindergarten. Die Kinder wechselten meist mit zweieinhalb bis drei Jahren von der Krippe in den Kindergarten, berichtet Christine Fell. "Das heißt, sie müssen sich umgewöhnen: Neue Kinder, neue Bezugspersonen, neue Räumlichkeiten." Da sei die Umstellung für die Kleinen mit einer integrierten Krippe im Kindergarten Haard nicht so extrem, da sie vieles schon kennen.

Frauen fehlen den Arbeitgebern

Förderschullehrerin Karina Pregler hat entschieden, zwei Jahre zuhause zu bleiben, um sich um ihren derzeit fünf Monate alten Sohn zu kümmern. "Dann will und muss ich auch wieder anfangen zu arbeiten." Viele Frauen sind wie sie gut ausgebildet und fehlen ihren Arbeitgebern. Ann-Cathrin Kiesel (28) arbeitete etwa im Thoraxzentrum in Münnerstadt. Ihre Kinder sind vier Monate und zweieinhalb Jahre alt. Wenn sie wollte, könnte sie wohl jederzeit in ihren Beruf zurückkehren. Der Bedarf nach Krankenpflegerinnen ist sehr groß. "Die Gemeinde hätte schon eher daran denken können, dass es mehr Babys als Krippenplätze gibt", sagt Kiesel.

Gemeinderat stimmt für Krippe

Nach intensiver Diskussion entschied sich der Nüdlinger Gemeinderat in der vergangenen Sitzung, den Kindergarten Haard umzubauen und eine Krippe zu errichten. Das Projekt ist umstritten.

Zu teuer, sagen Kritiker

420.000 Euro soll die Krippe im Haus für Kinder in Haard mindestens kosten. Die Verwaltung und Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) rechnen damit, dass es für mindestens 50 Prozent der Kosten eine Förderung gibt.

Gemeinderat Sebastian Schäfer (SPD) sagte: "Wir sprechen seit 2008 darüber, was mit dem Gebäude gemacht wird." In all den Jahren hätte der Gemeinderat es nicht geschafft, eine Lösung zu finden. Er schlug vor, erst zu planen, was mit dem Gebäude geschieht, und dann in den kommenden Jahren Geld reinzustecken.

Mehrgenerationenhaus

Gemeinderat Burkhard Diez (UWH) erinnerte an den Plan, dort auch ein Mehrgenerationenhaus einzurichten. Er stellte den Antrag, die Planung für die Krippe zu vertagen. "Wenn wir wirklich schnell eine Kinderkrippe brauchen, können wir über eine Container-Lösung nachdenken."

Aus der Verwaltung hieß es: Das Jugendamt trage das Mehrgenerationenhaus so niemals mit. Auch eine Container-Lösung sei nicht so einfach möglich, das hänge mit der Betriebserlaubnis zusammen.

Gemeinderat Christian Höfler (Bürgerblock) kritisierte: "Wir haben da einiges verschlafen. Der Anspruch von Nüdlingen sollte ganz anders sein."

Auch Gemeinderat Florian Wilm (Bürgerblock) äußerte sich unzufrieden: "Ich sehe den Bedarf. Aber mir geht es gegen den Strich, dass wir 400.00 Euro in ein marodes, sanierungsbedürftiges Gebäude investieren. Das sind 400.000 Euro in den Wind. Lieber 600.000 Euro in einen Neubau investieren als 400.00 Euro in ein nicht durchdachtes Konzept."

Der Gemeinderat stimmte mit elf zur drei Stimmen für das Projekt. Bis der Kindergarten in Haard dann aber umgebaut ist und eine Kinderkrippe errichtet ist, kann es noch dauern.

Anmerkung der Redaktion:  In unserem Artikel hatte sich der Fehlerteufel eingeschlichen: Zunächst stand hier statt „einer knappen halben Million“ fälschlicherweise eine „knappe Million“. Richtig ist, dass die Gemeinde mindestens 420.000 Euro einplant, um eine Krippe mit 10 Betreuungsplätzen zu errichten. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.