Einmalig in Deutschland ist das wissenschaftlich-pädagogische Umweltprojekt für Lehramtsstudenten, Lehrerfortbildung und Schulunterricht, das der Fachbereich Didaktik Biologie der Universität Würzburg seit 2008 in Zusammenarbeit mit dem Bad Kissinger Wildpark Klaushof vorantreibt. Fachbereichsleiter Thomas Heyne und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabine Glaab schilderten jetzt die bisherige Entwicklung und übergaben mit Oberbürgermeister Kay Blankenburg die ersten Fortbildungszertifikate.

"Ich kenne kein ähnliches Projekt in Deutschland", waren sich Heyne und Stadtförster Axel Maunz einig.

Win-Win-Situation

Als klassische "Win-Win-Situation" sieht Maunz die Kooperation mit der Universität. Als "einfacher Förster ohne pädagogische Ausbildung" ist ihm wichtig, "die Fachinformation an die Jugend heranzubringen". Dies sollen in Zukunft qualifizierte Referenten - Lehramtsstudenten der Universität ebenso wie Biologie-Lehrer aus dem Landkreis - übernehmen.

Im Rahmen ihrer Lehramtsausbildung konnten seit 2013 bereits 26 Studierende entsprechend qualifiziert und sechs Lehrkräfte fortgebildet werden. Die ersten zwei Zertifikate wurden jetzt stellvertretend an die Studentin Christine Steyer und die Bad Brückenauer Mittelschullehrerin Tanja Schaeffer übergeben. Die Fachkräfte sollen ab sofort selbständig mit Schulklassen im Wildpark Klaushof und im Kissinger Umland arbeiten.

Eigentliches Ziel der universitären Zusammenarbeit ist allerdings die "konstruktive Wissensvermittlung" im Biologie-Unterricht, wie Heyne es in seiner Präsentation ausdrückte. Dabei sollen Schüler den jeweiligen Lernstoff sich selbstständig erarbeiten statt nur vom Lehrer vermitteltes Wissen punktgenau wiedergeben. "Der Lehrer ist dabei eine Mischung aus Wissensvermittler und Lernbegleiter." Er soll vor allem zum selbstständigen Lernen anregen.

Schon 17 Lehreinheiten

"Es geht um systematisches Verständnis", ergänzte Heynes wissenschaftliche Mitarbeiterin Sabine Glaab, die seit Herbst 2013 an ihrer Promotion zum Thema "Optimierung von Lernprozessen bei Schülern der Primarstufe" arbeitet. Hierfür hatte sie im vergangenen Sommer mit 470 Jungen und Mädchen aus 25 Grundschulklassen der dritten und vierten Jahrgangsstufe im Klaushof ganztägige Projekte durchgeführt. Ihre Ergebnisse sollen in eine von Heyne entwickelte neue Unterrichtsform für Führungen an außerschulischen Lernorten einfließen - "geführtes Lernen an Stationen".

Durch die Vergabe entsprechender Themen für Abschlussarbeiten zum ersten Staatsexamen erarbeitete der Uni-Fachbereich seit 2009 im Klaushof bereits 17 Lehr- und Lerneinheiten. Hierbei erarbeiten die Schulklassen zwar selbstständig einzelne Arbeitsstationen. Allerdings führen Lehrer ihre Schüler an jeder Station in die jeweilige Thematik ein, entwickeln herausfordernde Problemstellungen, besprechen die Arbeitsaufträge und sichern die erarbeiteten Ergebnisse im Plenum mit Arbeitsheften an der jeweiligen Station. Zentrales Gebäude im Klaushof ist das zu diesem Zweck geschaffene "Grüne Klassenzimmer".

Diese seit 2008 in ihrer Intensität zunehmende Zusammenarbeit zwischen Klaushof und Universität dient somit der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften, die belgeitende Forschung ermöglicht aber zugleich die Verbesserung und Modernisierung der Didaktik. "Wir werden seitdem akademisch-pädagogisch hervorragend begleitet", hob Oberbürgermeister Kay Blankenburg die Vorteile der Zusammenarbeit für die Stadt hervor. "Der Klaushof hat enorm profitiert und ist immer auf dem neuesten Stand."

Allein 2014 führten 35 Schulklassen mit 740 Schülern der Grund- und Mittelschulen sowie erste Klassen aus Realschulen und Gymnasien solche Projekttage durch.


Die Kooperation


Verträge Bis jetzt hat die Universität 30 Kooperationsverträge mit Grund- und Mittelschulen des Kreises Bad Kissingen abgeschlossen, für 2015 sind Verträge mit Realschulen und Gymnasien geplant.

Infoblatt Zum Verständnis des Vorhabens wird im Januar ein Informationsblatt an alle Landkreisschulen verschickt.

Kontakt Ansprechpartnerin für didaktische Führungen von Schulklassen, Ferienführungen für Familien mit Kindern, Führungen für Erwachsene (Senioren-Uni) oder Lehrerfortbildungen zu zertifizierten Referenten ist im Bad Kissinger Forstamt Karen Funck (Mobil: 0170 - 929 40 03, E-Mail: kfunck@stadt.badkissingen.de).