Der Max-Littmann-Saal wird mit einigen Änderungen weiter zur Theaterbühne: Vom Kissinger Technikteam wurde für die offene Bühne eine Bühnenbegrenzung extra für den Theaterring angefertigt. Sie kommt bei der zweiten Aufführung dieser Spielzeit, am 20. Oktober um 19.30 Uhr zum ersten Mal zum Einsatz. In Simon Verhoevens erfolgreicher Film- und Theaterkomödie "Willkommen bei den Hartmanns" geht es um einen jungen Mann aus Simbabwe, der der sich nach Deutschland gerettet hat, um ein hungerfreies Leben und die Möglichkeit der Entfaltung seiner Persönlichkeit außerhalb von Krieg, Gewalt, Plünderung in der wohlhabenden deutschen Gegenwarts-Gesellschaft zu erreichen.

Dafür will die Familie Hartmann, oder besser zunächst mal Frau Hartmann sorgen. Und damit gerät sie in einen gesellschaftlichen Konflikt, der seit der Flüchtlingskrise 2015 in Deutschland allzu bekannt ist. Verhoeven zeigt diesen aber nicht von seinen hässlichen Seiten, sondern gewinnt dem Thema auch absolut komische Seiten ab. Er schuf eine echte Salonkomödie mit absurden, aber auch sehr ernsthaften Themen.

Angelika Hartmann, pensionierte Lehrerin und enttäuschte Ehefrau, ist auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und sinnvollen Beschäftigung fürs Alter. Warum also nicht soziales Engagement beweisen und einem Flüchtling übergangsweise ein Zuhause bieten? Nicht nur Ehemann Richard, Oberarzt in der späten Midlife-Crisis, ist von dieser Idee nur mäßig begeistert, auch die beiden Kinder sind mehr als skeptisch. Sohn Philipp, ein in Scheidung lebender Workaholic mit anstrengend pubertierendem Sohn, hat selbst genug Probleme. Sophie, seine Schwester, hat weder im (Dauer-)Studium noch in der Liebe ein glückliches Händchen und wird vom Vater zunehmend unter Druck gesetzt.

Trotz all dieser Konflikte entscheidet sich die Familie für die Aufnahme des Flüchtlings, und so zieht in das schöne Haus der gut situierten Hartmanns in einem Münchner Nobelviertel schon bald der afrikanische Asylbewerber Diallo ein, der auf eine baldige Aufenthaltsgenehmigung hofft. Abgesehen von ein paar kleinen Mentalitätsunterschieden - Diallo will beispielsweise die laut seiner Meinung schon recht "alte Jungfer" Sophie mit Assistenzarzt Tarek verkuppeln, den er vom Fitness-Training kennt - könnte das Zusammenleben ganz harmonisch werden.

Wenn, ja wenn da nicht die zahlreichen innerfamiliären Spannungen und die Einmischung durchgeknallter Alt-68er sowie verrückter Fremdenhasser aus der Nachbarschaft wären, die Chaos, Missverständnisse und spektakuläre Begegnungen mit der Polizei nach sich ziehen. Kurzum: Die Villa der Hartmanns wird zum Narrenhaus - sehr zum Vergnügen der Zuschauer.

In der Inszenierung von Michael Bleiziffer spielt eine achtköpfige Truppe des Tourneetheaters Thespiskarren, darunter der in Simbabwe geborene Derek Nowak als Diallo, Antje Lewald als Angelika Hartmann, Steffen Gräbner als deren Gatte Richard Hartmann und Caroline Klütsch als Tochter Sophie "mit Tiefgang und Leichtigkeit, vor allem aber ehrfurchtgebietendem Mut zur politischen Aktualität".

Auch die zwei nächsten Aufführungen werden auf der modifizierten Bühne gezeigt: Für die letztjährigen Abonnenten des Theaterrings ist die Aufführung von Eric-Emmanuel Schmitts Oscar und die Dame in Rosa, Euro-Studio Landgraf, Titisee, die am Dienstag, 31. März der Corona-Pandemie zum Opfer fiel, aber bereits fest gebucht und bezahlt war, kostenfrei. Eine Beschreibung findet sich im Programmheft der letzten Spielzeit.

Die Aufführung findet am Dienstag, 13. November um 19.30 Uhr im Max-Littmann-Saal statt. Weitere Interessenten, die nicht Abonnenten waren, können sich an die Tourist-Information wenden.

Aus dem für 2020/21 geplanten Programm des Theaterrings wird auch Bertolt Brechts berühmtes Stück um die gewiefte Marketenderin Anna Fierling, genannt "Mutter Courage" am Freitag, 27. November um 19.30 Uhr im Max-Littmann-Saal aufgeführt werden können.

"Mutter Courage und ihre Kinder" kommt mit der Musik von Paul Dessau und in einer Inszenierung von Kay Neumann für das Theater Hof nach Bad Kissingen. Die Hofer haben sich beim Theaterring mit ihrer "Dreigroschenoper" als ausgezeichnete Brecht-Interpreten eingeführt.

Anna Fierling zieht im 30-jährigen Krieg den Soldaten hinterher und betrachtet den Krieg als eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Geldverdienen. Kreuz und quer durch Europa ziehen sie und ihre Kinder den Planwagen mit ihren Waren. So erhält sie ihre Familie über Wasser, doch macht sie viele gefährliche Kompromisse und verliert am Ende fast alles, vor allem aber ihre Kinder. Ihr Sohn Eilif wird hingerichtet, ihr anderer Sohn Schweizerkas gerät in Gefangenschaft. Es soll ein Lösegeld gezahlt werden. Die Courage feilscht so lange, bis er erschossen wird. Ihre Tochter Kattrin stirbt bei dem Versuch, eine Stadt vor der Erstürmung zu warnen. Das 1938/39 im schwedischen Exil entstandene Stück zeigt, dass die Rechnung für niemanden aufgeht, da der Krieg "die menschlichen Tugenden tödlich macht, auch für ihre Besitzer". Am Ende zieht diese höchst moderne Geschäftsfrau alleine weiter. Sie hat nichts gelernt.

Auch für diese Aufführung haben die bisherigen Abonnenten des Theaterrings ein Vorkaufsrecht für die 200 genehmigten Plätze im Max-Littmann-Saal. Weitere Interessenten können sich bei der Tourist-Information anmelden und die übrigen Karten erwerben.