Er hat das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön mit aufgebaut, es erfolgreich durch einen Erweiterungs- und zwei Evaluierungsprozesse manövriert und die Erstellung des Rahmenkonzepts 2018 als "Kompass" für die Zukunft der Biosphäre mitgesteuert. Mit Michael Geiers Eintritt in den Ruhestand nach 29 Jahren als Leiter der Bayerischen Verwaltung des Biosphärenreservats endet in der Rhön eine Ära.

Wie lassen sich knapp 30 Jahre in Kisten verstauen? Denn übrig sind zuletzt noch einige Stapel Zeitungen. Die eigentliche Arbeit verbirgt sich an anderer Stelle: im Archiv, das erst seit Anfang der 2000er Jahre digital vorliegt. Wochen-, wenn nicht monatelang hat Geier die Prozesse der vergangenen Jahrzehnte geordnet und aussortiert, Anmerkungen für seine Kolleginnen und Kollegen notiert, Übergabegespräche geführt. Übrig bleiben Tausende Dateien - und zahlreiche Baustellen für die Zukunft der Biosphäre, an denen Geiers Stellvertreterin Dr. Doris Pokorny und ihr Team weiterarbeiten werden.

Die Rhön, die der 26-jährige Michael Geier zum ersten Mal im Jahr 1985 besucht - ist anders als seine Heimat, der Landkreis Deggendorf in Niederbayern. Empfangen wird er, wie sollte es in der Hochrhön im Mai auch anders sein, von heftigen Schneeschauern. An ein Biosphärenreservat ist damals, einige Jahre vor dem Nationalpark-Programm der DDR und der Wiedervereinigung, noch nicht zu denken.

Michael Geier, der nach seinem Abitur im Jahr 1978 Landespflege studiert hatte, arbeitete bis 1989 in einem Landschaftsplanungsbüro in Nürnberg. Das Büro bekam unter anderem auch den Auftrag für die Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplans (PEPL) für die Lange Rhön auf den Tisch - Geiers erster Berührungspunkt mit der Rhön. Auch nach dem Wechsel in den Staatsdienst blieb die Rhön sein Aufgabengebiet. Im Bayerischen Umweltministerium war Geier aufgefordert, "zu überlegen, was man mit EU-Fördergeldern in der Rhön anstellen könnte."

1991 kam das Leader-Programm hinzu, "das wurde meine Wochenendlektüre." Zu den ersten zählte das erst seit wenigen Wochen anerkannte Biosphärenreservat. "Der UNESCO-Titel war für die Rhön die Leader-Eintrittskarte", betont Michael Geier. "Die Rhön hatte damit einen Vorsprung vor anderen Regionen, den die Rhöner nie wieder hergegeben haben. Da bin ich ziemlich stolz darauf!" Eines der ersten Ergebnisse war, verbunden mit der Ausweisung des Naturschutzgebiets Schwarze Berge im Jahr 1992, der Bau des Infozentrums Haus der Schwarzen Berge in Oberbach.

Es hat sich viel bewegt

Parallel dazu liefen Anfang der 1990er im Umweltministerium die Vorbereitungen zur Einrichtung einer Verwaltungsstelle für das Biosphärenreservat auf bayerischer Seite. 1992 fiel die Entscheidung zur Einrichtung in Oberelsbach - am 10. Mai 1993 nahm Michael Geier als erster Leiter seinen "Biosphären-Dienst" bei der Regierung von Unterfranken auf.

Mit Michael Geier über Erfolg zu sprechen, bedeutet vor allem, auf die Prozesse zurückzublicken, die nicht immer bequem waren: auf das Mühsame, das Konfliktreiche, das Langwierige. Meilensteine aufzuzählen, die hierbei am wichtigsten waren, dafür reiche die Zeit nicht, sagt Geier. Persönliche Herzensprojekte aus dem aktuellen Rahmenkonzept fallen ihm aber schnell ein: Die Einrichtung des Naturerlebniszentrums Rhön, das Projekt "GreenCare - Natur und psychische Gesundheit" und die Etablierung von Biosphären-Schulen und Biosphären-Kitas sowie der Rhöner Wurstmarkt. Für die Zukunft der Rhön wünscht er sich auch, dass die letzte Lupine vernichtet und die invasive Pflanze aus der Region verbannt ist.

Gänzlich "verlieren" wird die Biosphäre Michael Geier aber vielleicht nicht. Die (Weiter-)Entwicklung von Biosphären-Schulen und -Kitas liegt ihm am Herzen; hier möchte er künftig die Umweltbildungsteams unterstützen.