Farbenfrohe Trachten flanierten im Garten, schwermütige Lieder erfüllten den Park, in der Orangerie wurde Tee aus dem Samowar ausgeschenkt, Blini, Pelemeni und Piroggen angeboten, wurde russisches Schaschlik gegrillt. Im Gewölbekeller erklangen Klavierstücke von Tschaikowski und Kosakenlieder. Nebenan bastelten Kinder die Figuren zum symphonischen Märchen Peter und der Wolf, im Dachgeschoss führte Hilla Schütze durch die Sonderausstellung mit russischem Spielzeug. Als es dunkel wurde, schlichen kleine Detektive durchs Museum. Zuletzt ließen Gute-Nacht-Lieder tief in die russische Seele blicken.

"Nachts, wo der Bär tanzt", die erste Museumsnacht in Bad Kissingen, war ein buntes Kaleidoskop russischer Kultur mit Musik und Tanz in Trachten, mit Schattenfigurentheater und landestypischem Spielzeug, mit Gebackenem und Gegrilltem aus dem Riesenreich im Osten.

Schauen, entdecken, mitmachen

Das Programm führte hin zu Russland und seinen Traditionen, lud ein zum Schauen, Entdecken und Mitmachen und bot die Chance zu einem Blick in eine fremde Kultur. Als sich dann gegen Abend auch noch die Sonne blicken ließ, waren fast alle Plätze im idyllischen Ambiente der Oberen Saline besetzt, und es kam ein Hauch deutsch-russischen Volksfestes auf. Da schien sogar der sonst so streng von der Fahne blickende Reichskanzler etwas entspannter.

Nina Unterbergers gute Idee

Nina Unterberger, die im Archiv der Stadt Bad Kissingen ein freiwilliges soziales Jahr Kultur absolviert, hatte die Idee einer Museumsnacht für Jung und Alt. Kulturreferent Peter Weidisch nahm sie auf und betraute Helena Scharf, die Verwalterin des Museums, und die Kulturpraktikantin mit dem Projekt.

Die Sonderausstellung der Spielzeugwelt "Wo der Bär tanzt" war die Steilvorlage für das Thema der Museumsnacht. Als Helena Scharf Tatjana Baranov, teilzeitbeschäftigt bei der Stadt und Sprecherin der Russisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Bad Kissingen, für das Projekt gewinnen konnte, lief vieles wie von selbst. Tatjana Baranov: "Ich möchte mit meinem Engagement dem Land, das mich vor 13 Jahren so gastfreundlich aufgenommen hat, etwas zurückgeben." Ihre Kontakte und Überzeugungskraft waren der Schlüssel zur Umsetzung der Vorgabe, einerseits vielfältige russische Kultur zu präsentieren, aber auch Russlanddeutschen sich zu öffnen und mit der Museumsnacht einen Austausch deutsch-russischer Kultur zu beginnen.

Mit viel Einfallsreichtum

Helena Scharf freute sich: "Enorm, mit wie viel Engagement, Kreativität und Einfallsreichtum sich die Aussiedler ins Konzept eingebracht haben."

Und so präsentierten sie ihre eigene Kultur unter dem gemeinsamen Dach Russland, seien sie auch Ukrainer, Kirgisen oder Kasachen. Ein abwechslungsreiches, teils durchaus anspruchsvolles Programm konnte so auf die Bühnen des Museums gestellt werden.

Wenn dann noch Hilla Schütze, die so viel zu Russland zu erzählen weiß, zu den Exponaten ihrer Sammlung von Büchern, Matrjoschkas, geschnitzten Bären und anderem Spielzeug heitere Anekdoten zum Besten gab, dann war ein Stück Völkerverständigung geschafft und der Blick in die geheimnisvolle Welt der russischen Seele gelungen. Sie erinnerte an einen berühmten Kurgast: "Auch Leo Tolstoi weilte in Kissingen."