Bei der Jahreshauptversammlung des Trägervereins des Ebenhäuser Kindergartens "Aktion Kindergarten Ebenhausen e.V." drehte sich der aktuellste und interessanteste Punkt auf der Tagesordnung gar nicht um den eigentlichen Gegenstand dieser Sitzung, das Geschäftsjahr 2019. Coronabedingt war die Zusammenkunft bis in den Herbst verschoben worden, so dass inzwischen die Baumaßnahmen zur Vergrößerung des Kindergartens in vollem Gange sind.

Aufgrund der vorangemeldeten Besucherzahl der Versammlung verlegte der Vorstand des Vereins wegen der beengten Platzverhältnisse im Kindergarten die Veranstaltung kurzerhand in die Kirche. Dort gibt es bereits ein gut funktionierendes Hygienekonzept und ausreichend Platz für alle Teilnehmer. Schließlich wollte es niemand verantworten, das Corona-Virus möglicherweise in den Kindergarten zu bringen und für eine Schließung Mitschuld zu tragen.

Beiträge angepasst

Auf der Tagesordnung standen natürlich neben dem großen Punkt "Baumaßnahmen" auch die üblichen Regularien: Vereinsvorsitzender Benedikt Keßler legte ebenso wie Schriftführerin Luise Springer und Kassiererin Ines Krake ihre Rechenschaftsberichte über das Geschäftsjahr 2019 ab. Unterstützt wurden die Vorträge durch eine anschauliche Präsentation, der jedoch aus Datenschutzgründen die vielen schönen Erinnerungsfotos der letzten Jahre fehlten.

Das Kindergartenjahr 2019 war geprägt von den üblichen Festen und Aktionen im Jahresablauf wie Pfingstmarkt, Sommerfest, Abschlussfeiern, Sankt Martinsfeier mit Lampionszug, Besuche bei der Feuerwehr, im Theater und vielen weiteren Aktivitäten. Der Vereinsvorstand befasste sich mit Themen wie Datenschutz im IT-Bereich, der Planung und Voranbringung des Kindergartenumbaus und einer Anpassung der Kindergartenbeiträge auf 140 Euro für Regelkinder und 170 Euro für die Krippenkinder pro Monat.

Erschwerte Personalpolitik

Auch die Personalpolitik war und ist ein Thema mit höchster Priorität für den Verein. Insgesamt sind elf Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Betreuungspersonen im Ebenhäuser Kindergarten beschäftigt. Der Kindergartenverein hat alles versucht, sein Personal durchgängig das ganze Jahr hinweg gleichmäßig zu beschäftigen, was allerdings durch das höchst komplizierte Buchungsverfahren der Betreuungsstunden erschwert wird.

Die von Kassiererin Ines Krake genannten Zahlen verdeutlichten die Bedeutung ihrer Tätigkeit, verwaltet sie doch Ausgaben und Einnahmen von jeweils ungefähr einer halben Million Euro. Die beiden Rechnungsprüferinnen Melanie Wolz und Tanja Klingler hatten dieses enorme Zahlenwerk genau geprüft und wurden von der Versammlung in ihren Positionen wiedergewählt.

Bedarf an Krippenplätzen

Vorsitzender Benedikt Keßler griff beim spannendsten Thema quasi der nächsten Jahreshauptversammlung vor und gab über den Baufortschritt des Kindergartenanbaus im noch laufenden Geschäftsjahr 2020 Auskunft.

Bereits 2018 wurde bei einer Besichtigung der vier Kindergärten der Großgemeinde Oerlenbach durch den Gemeinderat festgestellt, dass der Ebenhäuser Kindergarten sich von allen am besten für eine Vergrößerung eignet. Eine Aufstockung der Kindergartenplätze war notwendig geworden, um dem zunehmenden Bedarf vor allem an Krippenbetreuungsplätzen in der Großgemeinde Rechnung zu tragen. Nach einer längeren Wartezeit auf Genehmigungen und Zusagen von Fördergeldern kam der noch vom damaligen Bürgermeister Franz Kuhn für 2020 versprochene Baubeginn dann doch etwas plötzlich. "Im Frühsommer kam Knall auf Fall die Ankündigung, dass es in einer Woche mit dem Bau losgehen sollte", berichtet Keßler. "Wir mussten innerhalb von sieben Tagen die Außenanlagen für den Baustart vorbereiten."

Der gewaltige Umfang der Gesamtmaßnahme erschließt sich erst bei Betrachtung der Zahlen: das Bauvolumen beträgt 1,4 Millionen Euro und die Fläche des Kindergartens wird von 480 auf 830 m² vergrößert. Dabei wird nicht nur in einem separaten Krippenbereich eine zweite Krippengruppe geschaffen, mit in die Baumaßnahme eingeschlossen sind auch ein neuer Mensabereich, die notwendige brandschutztechnische Ertüchtigung des Gebäudealtbestandes, ein Umbau der Außenüberdachung und Nebengebäude sowie als letztes eine Neugestaltung der Außenanlagen.

Inzwischen stehen die Rohbauten rechts und links vom Kindergartengebäude.

Wenn man vor dem Eingangsbereich des Kindergartens steht, sieht man rechts einen Teil des neuen Krippenbereiches mit eigenem Eingang, auf der linken Seite entstehen neue Räumlichkeiten für die Regelgruppen.

Rogge zufrieden mit Baufortschritt

Auch Bürgermeister Nico Rogge steuerte neue Informationen zum Kindergartenumbau bei. Die Zusammenarbeit und Feinabstimmung der Gemeinde als "Bauleitung" mit dem Kindergartenverein läuft sehr gut, ist doch Benedikt Keßler nicht nur der Vorsitzende des Vereins, sondern gleichzeitig noch 2. Bürgermeister der Gemeinde. Laut Rogge sei sich die Gemeinde ihrer Verantwortung sehr bewusst, schließlich sei sie verpflichtet, genügend Betreuungsplätze für Kinder zur Verfügung zu stellen. Er äußerte sich zufrieden mit dem Baufortschritt, jetzt ginge es an den Innenausbau. Der Estrich soll noch vor Weihnachten aufgebracht werden, damit er über die Weihnachtsferien trocknen kann.

Allerdings geht es nach der Fertigstellung des Neubaus und dem Einzug der Krippen-Kinder im nächsten Sommer noch weiter. Denn danach folgt der Umbau des Gebäude-Altbestandes, was erneut eine Riesenbelastung für Kinder und Personal darstellt. So ist geplant, dass die Regelkinder für einen gewissen Zeitraum in die benachbarte Turnhalle umziehen. Wenn dies dann alles geschafft ist, steht für den Herbst 2021 noch die Renovierung des Außenbereiches mit Bepflanzung und Spielgeräten auf dem Plan. Hier möchte sich der Kindergarten mit möglichst viel Eigenleistung einbringen.

Keßler sucht Nachfolger

Zum Abschluss der Versammlung kündigte Keßler an, dass er aufgrund seiner Doppelfunktion und -belastung als Vorsitzender des Kindergartenvereins und 2. Bürgermeister nur mehr eine begrenzte Zeit als Vorsitzender zur Verfügung stünde. Die Baumaßnahme wolle er noch begleiten und die Zeit für eine aktive Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger nutzen.

Verwunderlich war die Tatsache, dass nur knapp über 20 Mitglieder des insgesamt 136 Mitglieder starken Vereins sowie der Kindergarteneltern an diesen spannenden Neuigkeiten interessiert genug waren, um zur Versammlung zu kommen.