Es rauscht im sommerlichen Blätterwald: "Dreiste Abzocke" schimpft Bild, "reine Raffgier" prangert die sonst eher zurückhaltende "Zeit" an. Es geht um Dispo-Kredite. Für die sind derzeit heftige Zinsen zu zahlen.
Das hat Anna K. (Name geändert) spüren müssen. Sie überzieht ihr Konto mehr oder weniger regelmäßig, aber nur mäßig. Dass sie dafür kräftig zur Kasse gebeten wird, ärgert sie zwar, sie nimmt es aber hin.
Denn sie will bei einer Bank vor Ort bleiben.

Markus T. erinnert sich an seine Banklehre. Damals waren Dispokredite genauso teuer wie heute, es habe aber sieben, acht Prozent für Festgeld gegeben. Dass die Schere so weit auseinander gegangen ist, nennt er einen "echten Hammer".

"Zur kurzfristigen Überbrückung"

Die Sparkasse hat einen prächtigen Internetauftritt, die Höhe des Dispokredits erfährt man aber nur am Aushang: 11,95 Prozent wenn der Kreditrahmen eingehalten wird, 15,95 Prozent bei Überschreitung. Petra Maier vom Vorstandssekretariat begründete das unter anderem mit dem erhöhten Ausfallrisiko, Liquidität müsse außerdem vorgehalten werden. Der Zinssatz sei variabel und richte sich unter anderem nach einem Referenzzinssatz (derzeit 0,47 Prozent). So sei sichergestellt, dass die Kunden zeitnah an der jeweiligen Entwicklung teilnehmen.

"Wir verlangen 11,5 Prozent", sagt Hans Beudert, Vorstand der VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau. Refinanziert wird das für durchschnittlich 0,9 Prozent aus den Kundeneinlagen. Schließlich handele es sich um eine kurzfristige Überbrückung. Ein Dispo sei nicht zu vergleichen mit einem Darlehen für ein Haus oder andere Anschaffungen. Dafür würden 2,5 bis drei Prozent Zins fällig. Zudem handele es sich um "eine für uns ungesicherte Geschichte mit hohen Risiken" und Arbeitsaufwand. Hans Beudert relativiert: Wer sein Konto zwei Wochen um 1000 Euro überziehe, müsse fünf Euro an Zinsen zahlen. Die Dispokredite machten nur etwa 1,6 Prozent des gesamten Kreditvolumens aus. Im Kreditgeschäft habe man alle Senkungen weiter gegeben, betonte Hans Beudert.

"Hoher Arbeitsaufwand"

Die Bank Schilling in Hammelburg hat im Internet veröffentlicht, was bei ihr Dispokredite kosten: 8,75 Prozent, wenn sie sich im vereinbaren Rahmen - zwei Monatsgehälter - bewegen, 14,25 Prozent, wenn dieser überschritten wird. Vorstandsmitglied Matthias Busch begründet dies mit dem hohen Arbeitsaufwand. Dann laufe eine Maschinerie an. Die Zinshöhe seit Monaten konstant. Das Unternehmen sei keine klassische Bank für Lohn- und Gehaltskonten. Wichtige Tätigkeitsfelder seien Vermögensanlage und -verwaltung sowie Baufinanzierung und Investitionskredite.

Die Flessabank lässt sich Dispo-Kredite mit 12,7 Prozent vergüten, sagt stellvertretende Filialleiterin Katja Braun. 4,5 Prozent kommen hinzu, wenn der Kreditrahmen überschritten ist. Das sei von der Schweinfurter Zentrale so vorgegeben. Dort ist Jürgen Hein verantwortlich. Er sagte, individuelle Lösungen seien möglich und verwies auf Ratenkredite mit einem effektiven Zinssatz von 8,58 Prozent.

Bernd Bindrum, Chef der Raiffeisenbank Hammelburg, sagte, sein Haus lege den Drei-Monats-Euribor - 0,22 - Prozent - zugrunde. Darauf komme ein Aufschlag von neun, beziehungsweise 13 Prozent. Das sei gerade mal kostendeckend: "Verdient ist damit nichts."

"Diskussion ist einseitig"

Die Raiffeisenbank Maßbach bescheidet sich mit "seit geraumer Zeit" mit 9,75 Prozent. "Damit sind wir im regionalen Vergleich eher günstig", sagt Vorstand Michael Hein. Auch er argumentiert, dass es sich bei einem Überziehungskredit um ein kurzzeitiges Geschäft handele. Die aktuelle Diskussion nannte er "einseitig". Bau- und Anschaffungskredite seien viel günstiger. Seine Bank räume Kunden nach einiger Zeit automatisch einen Kreditrahmen von Dreifachen des Monatsgehalts ein. Werde das Konto mehr überzogen, gebe es ein persönliches Gespräch, bei dem nach anderen Lösungen gesucht werde.

Wer sein Konto bei der HypoVereinsbank überzieht, ist mit 11,15 Prozent dabei, so lange er sich im vereinbarten Kreditrahmen bewegt. "Damit liegen wir unterhalb des Durchschnittes, den die Stiftung Warentest ermittelt hat", sagte ein Sprecher in der Münchner Zentrale. 16,15 Prozent werden fällig bei geduldeten Überziehungskrediten: Wenn man einen Vertrag abschließe und nicht einhalte, fielen eben Zusatzkosten an.

Bis zu 17,4 Prozent

Die Commerzbank unterhält in Bad Kissingen eine Filiale mit vier Mitarbeitern. Markus Schmitt (Schweinfurt) gibt Auskunft: Bei einem Dispokredit würden 11,9 Prozent Zinsen fällig. Es seien auch schon 13,4 Prozent gewesen. Bei nicht abgesprochenen Überziehungen geht es mit 17,40 Prozent schon recht kräftig zur Sache.

Ursache Losgetreten hat die Debatte, die es in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen gibt, ein Artikel der Fachzeitschrift Finanztest. Die hat Dispozinsen von 1538 Geldhäusern unter die Lupe genommen. Bei einem Rekordtief bei den Leitzinsen verlangen einige bis zu 14,75 Prozent, wird ein Girokonto überzogen. Besonders teuer sei es im Süden und im Westen.

Streit Die Argumente der Banken sind alle gleich: hoher Aufwand, keine Sicherheiten. Die Bild-Zeitung zitiert den Finanzexperten Max Herbst: "Alles über zehn Prozent ist reine Gewinnmaximierung - also Wucher". Nach Angaben von Finanztest bescheiden sich 94 Banken mit 8,5 Prozent oder weniger. Spitzenreiter sei die VR-Bank Uckermark-Randow mit 4,2 Prozent.