Rita Schubert ist eine Frau der Tat: "Ich wollte nicht länger warten, also habe ich auf eigenes Risiko angefangen", kommentiert die Hammelburger Apothekerin die kostenlosen Corona-Schnelltests. Gleich zum Start am Montag sei das Angebot auch gut angekommen. Am Dienstagabend kam dann zumindest etwas Rechtssicherheit: Das Bundessgesundheitsministerium veröffentlichte die "Verordnung zum Anspruch auf Testung in Bezug auf einen direkten Erreger-Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2" im Bundesanzeiger. Viele Fragen bleiben trotzdem, etwa zur Abrechnung ihrer Leistung.

Test nur nach Termin-Vereinbarung

Wer sich in der Hammelburger Falken-Apotheke testen lassen will, muss vorher einen Termin per Telefon oder über die Homepage vereinbaren. Rita Schubert plant auch noch eine Online-Buchung, aber das dauere noch. Für die Schnelltests muss Schubert einen separaten Eingang und Raum zur Verfügung stellen, Schutzkleidung, Maske und Schild vor dem Gesicht sind vorgeschrieben. Getestet wird in Hammelburg vor der Tür, der Test selbst liegt aber drinnen. 15 Minuten dauert es, bis das Ergebnis angezeigt wird. Sie und zwei Mitarbeiter sind geschult. "Die Zuverlässigkeit steht und fällt mit der Probenabnahme", sagt Schubert. Der vom Paul-Ehrlich-Institur zertifizierte Test selbst sei dann sehr sicher. "Trotzdem ist es nur eine Momentaufnahme, wir machen ein Foto, keinen ganzen Film", stellt Schubert klar.

Für die Hammelburger Apothekerin sind die Schnelltests ein weiterer Beleg dafür, wie wichtig Apotheken vor Ort sind: Vor einem Jahr habe sie selbst Desinfektionsmittel hergestellt, später Masken ausgegeben und vor allem immer wieder beraten: zu Hygiene, Impfung und vielem mehr. "Wir geben vielen Kunden Sicherheit", sagt Schubert, und: "Das können Online-Apotheken alles nicht leisten."

Apotheker hoffen auf Nachahmer

Für Selbstzahler dürften Apotheken seit langem testen, berichtet Jonathan Schneider, Inhaber der Marbach-Apotheke Bad Kissingen und Sprecher des Bayerischen Apotheker-Verbandes. Er selbst testet seit Dienstag auf dem Parkplatz hinter der Apotheke, ebenfalls nur nach Termin-Vereinbarung. "Ich kann ganz schlecht abschätzen, was auf uns zukommt", sagt er zum Bedarf. Apotheker könnten zum einen nach einer Quarantäne frei testen, aber eben auch ein Negativ-Zeugnis für den Besuch von Verwandten oder von Seniorenheimen ausstellen. Beide Apotheker hoffen, dass möglichst viele Kollegen nachziehen, denn: "Wir können nicht den ganzen Landkreis testen", sagt Schubert.

"Ob der Nachweis anerkannt wird oder ein negativer PCR-Test verlangt wird, entscheidet jede Einrichtung selbst", sagt Lena Riemann-Mosinski vom Bayerischen Apotheker-Verband zur Verwendung der Schnelltests. Auch sie verweist darauf, dass die Tests "zwar relativ sicher, aber nur eine Momentaufnahme" seien. "Das ist kein Freifahrtschein für den Rest der Woche." Zudem dürften Apotheker nur testen, solange keine Krankheitssymptome vorliegen. Eine zentrale Übersicht, welche Apotheken Schnelltests anbieten, gebe es nicht. "Das entscheidet jeder Apotheker selbst." Die Nachfrage sei allerdings groß: Die Nürnberger Apothekerin Margit Schlenk habe im Auftrag des Verbands deutschlandweit bereits rund 4500 Apotheken-Mitarbeiter per Webinar geschult.

"Wir halten uns da vorerst komplett raus", sagt Heinz Wernke, Inhaber der Adler-Apotheke in Euerdorf. Zum einen will er der Arztpraxis einen Stock höher nicht die Patienten wegnehmen, zum anderen seien noch zu viele Fragen ungeklärt. Und es bleibe eine wesentliche Einschränkung: "Wir dürfen niemanden testen, der mit Symptomen kommt." Wenn also ein Kunde im Vorgespräch irgendwelche Hinweise auf eine Erkältung äußere, müsste er ihn wegschicken.

Teil der offiziellen Teststrategie

Wernke ist sich auch noch unsicher, welche Unbedenklichkeitsbescheinigung er ausstellen darf. Zudem sei auch die Kostenübernahme noch nicht geklärt. Auch beim Verkauf von Schnelltests muss der Euerdorfer Apotheker passen: Aktuell seien im Großhandel so gut wie keine Schnelltests lieferbar. Er selbst habe zwar einen 20er-Pack, aber eben nur zum Eigengebrauch, kleinere Packungsgrößen gebe es so gut wie keine für einzelne Apotheken.

Laut Landratsamt sind die Falken- und die Marbach-Apotheke die beiden ersten, die das Gesundheitsamt beauftragt hat. Die Behörde habe aber weitere Apotheken angeschrieben. Die Apotheken seien damit auch offizieller Bestandteil der Teststrategie, Bürger würden bei Anfragen also auch auf die Angebote in Hammelburg und Bad Kissingen hingewiesen.