Bis zu 600.000 Flaschen kann die Staatliche Mineralbrunnen AG in der neuen Abfüllanlage auf dem "Buchrasen" tagtäglich abfüllen. In drei Schichten könnten die 75 Mitarbeiter zusammen mit Saisonkräften die insgesamt 65 Produkte in die Flaschen bringen. Könnten, denn: Das Wetter macht der Firma einen Strich durch die Rechnung. "Wir bräuchten eigentlich mal sechs Wochen so 28 bis 30 Grad", würde sich Vorstandsvorsitzender Ingo Vialon wünschen. "Wenn das Wetter gut ist, läuft's auch bei uns gut."

Derzeit gehen täglich rund 300.000 Füllungen raus. Dank der neuen Glas-Abfüllanlage auf dem Buchrasen wird die alte Anlage im Staatsbad nicht mehr benötigt. Lange Zeit hieß es, dass dort wenigstens noch die Glas-Produktion aufrecht erhalten werde. Aber: "Zwei Standorte nur wenige Kilometer auseinander sind nicht rentabel", stellte Vorstand Manfred Karl jetzt beim Firmen-Besuch von Landrat Thomas Bold (CSU) klar. Auch die Verwaltung wurde mittlerweile verlagert. Weil die Gewerbesteuer nach Arbeitsplätzen aufgeteilt wird, fließt also auch der Steuer-Anteil am Unternehmensgewinn dorthin. "Wir sind dabei, die Fühler auszustrecken", sagte Vorstand Manfred Karl zur Zukunft der Abfüllanlage. Und: "Wir haben noch nichts Konkretes."

"Natürlich tut auch jeder Cent Gewerbesteuer weh, aber noch mehr bedauere ich, dass der Name unseres Wassers nicht mehr gewürdigt wird", kommentierte die Bad Brückenauer Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) die Verlagerung. "Mein Herz blutet, wenn das Brückenauer Wasser nicht mehr dort abgefüllt wird, wo es herkommt." Allerdings weiß sie auch, dass sich daran nichts mehr ändern lässt: "Ich verstehe die Notwendigkeit." Wichtig sei, dass eine neue Nutzung für die Gebäude gefunden wird.

21 Auszubildende haben in den vergangenen fünf Jahren ihren Berufsabschluss bei der Staatlichen Mineralbrunnen AG gemacht. Der größte Teil davon wurde in die 75-köpfige Belegschaft übernommen. Vor allem diese Arbeitsplätze lassen das Herz des Oberleichtersbacher Bürgermeisters Walter Müller (CSU) höher schlagen: "Wenn ich am Parkplatz vorbei fahre und der steht voller Autos, dann bin ich zufrieden."

Einer der neuen Mitarbeiter ist Daniel Wittmann. Er ist zwar erst 25 Jahre alt, hat aber in seinem Berufsleben schon viel erlebt. Seine zweite Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik schloss der Unterleichtersbacher sogar als Kammerbester ab. Vorher absolvierte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. "Danach wollte ich mich beruflich neu orientieren", sagt Wittmann. Auf Grund seiner technischen Vorbildung stand er bei der Staatlichen Mineralbrunnen AG direkt in der Verantwortung: "Für die meisten Maschinen war ich von Beginn an allein verantwortlich."

Besonders stolz ist Wittmann auf seinen Notendurchschnitt: "Einen Einser-Schnitt hatte ich während meiner gesamten Schulzeit noch nicht." Dafür sollte er schon zwei Mal geehrt worden. Geklappt hat es aber in beiden Fällen nicht, weil der 25-jährige jeweils Urlaub gebucht hatte. Für seine weitere berufliche Zukunft sieht sich der Unterleichtersbacher gut aufgestellt.

Die Staatliche Mineralbrunnen AG beschäftigt aktuell 75 Mitarbeiter, vier mehr als im Jahr 2011. Dazu kommen aktuell 22 Saisonarbeiter im Sommer.

Von den zwölf Azubis arbeiten acht im technischen und vier im kaufmännischen Bereich. Im Herbst werden vier neue Azubis anfangen. Die Stellen sind bereits besetzt.

Laut dem technischen Betriebsleiter Andreas Zink arbeiten immer mehr Frauen in der Produktion mit: "Das Umrüsten ist nicht mehr so schwer wie früher", berichtet der 29-jährige Modloser, der als Eigengewächs den Sprung in die Führungsposition geschafft hat.

Marco Beier, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Bad Kissingen freut, dass es bei der Mineralbrunnen AG Arbeitsplätze in jeder Qualifikationsstufe gibt. "Die Vorzeige-Unternehmen sind gut über den Landkreis verteilt", ist Beier froh über viele Arbeitsplätze auf dem flachen Land.

Füllungen In Bad Brückenau wurden im vergangenen Jahr 64 Millionen Flaschen abgefüllt. Hauptprodukt ist das "Bad Brückenauer Wasser", enthalten sind aber insgesamt 65 eigene Produkte und die Lohn-Abfüllung für "Sinalco". Beim Tochter-Unternehmen "Siegsdorfer Petrusquelle" wurden im Jahr 2012 weitere 21,1 Millionen Füllungen gezählt.

Investitionen Im Jahr 2012 hat die Staatliche Mineralbrunnen AG insgesamt 3,6 Millionen Euro investiert: Rund 1,6 Millionen Euro kosteten allein die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Betriebsgebäude im Staatsbad und auf dem Buchrasen. Für etwa zwei Millionen Euro wurde die Glas-Mehrweg-Abfüllanlage in Oberleichtersbach überholt.