Auch das gehört zu einer freien Wahl: Ottmar Schwab aus Garitz will kommende Woche mit seiner Frau im Wohnmobil verreisen. Zur Bundestagswahl am Sonntag, 24. September, will er trotzdem seine Stimme abgeben, nur eben nicht im heimischen Wahllokal. "Wählen gehen gehört zu einer Demokratie dazu. Ich weiß bereits, wen ich wähle", sagt er. Am Freitagvormittag hat er sich deshalb seine Briefwahlunterlagen im Bad Kissinger Stadtsaal abgeholt und tut es damit 5300 weiteren wahlberechtigten Bad Kissingern gleich. Damit plant annähernd jeder Dritte von rund 17 700 Wahlberechtigten, auf dem Postweg zu wählen.
Das Interesse an der Briefwahl ist groß und hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, berichtet Ludwig Büchner, Leiter des städtischen Bürgerbüros. Bei der Bundestagswahl 2013 haben 5078 Bürger und damit 43 Prozent der Wähler auf dem Postweg abgestimmt. "Dieses Jahr haben wir 2000 Briefwahlunterlagen allein an den ersten Tagen ausgegeben", sagt er. Nicht alle Bürger nehmen dabei den Weg zum Rathaus auf sich, viele beantragen die Dokumente auch über das Bürgerserviceportal im Internet. "Das brummt ganz schön", meint Büchner.


Weniger Wahllokale

Einerseits wählen immer mehr Menschen per Brief. Andererseits hat die Wahlbeteiligung in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen: Bei der Bundestagswahl 1998 lag sie bei 80,7 Prozent in Bad Kissingen, 2013 waren es nur noch 66,6 Prozent. Beide Entwicklungn führen dazu, dass Wahllokale zusammengelegt werden. "Wir müssen darauf reagieren, dass immer weniger Menschen ins Wahllokal kommen", erklärt Büchner.
Während es bei der Wahl 2013 noch 24 Wahllokale in der Stadt und den Stadtteilen gab, sind es dieses Jahr nur noch 15. Es entfallen die Wahllokale Tattersall, Musikschule, Kurhausbad, Feuerwehr Garitz, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Garitz, Museum Obere Saline Hausen, Turnhalle und Feuerwehr Reiterswiesen sowie Feuerwehr Winkels. Büchner: "Wir haben darauf geachtet, dass in jedem Stadtteil ein Wahllokal bestehen bleibt."
Das grundsätzliche Problem: Je kleiner ein Wahllokal ist, umso schwieriger wird es, das Wahlgeheimnis zu gewährleisten. "Bei 50 Personen liegt da die Schmerzgrenze", sagt Büchner. Das könne dazu führen, dass es künftig in kleinen Ortschaften keine Wahllokale mehr gibt. In Bad Kissingen wäre perspektivisch das einwohnerschwächste Kleinbrach als erstes betroffen. Danach schaut es aktuell allerdings noch nicht aus. "Wir sind hier noch bei zwischen 70 und 80 Urnenwählern", schätzt der Chef des Bürgerbüros.
Auch in anderen Orten, in denen es knapp werden könnte, versuchen viele, das Wahllokal durch persönliche Anwesenheit zu erhalten: In Singenrain etwa haben bislang gerade einmal 12 von 89 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt, also nur 13,5 Prozent, während es in ganz Schondra 363 von 1330, also 27,3 Prozent, waren. Anders sieht es im Burkardrother Gemeindeteil Frauenroth aus: Dort mussten die Wähler seit 2014, also bei Kommunal- und Europawahl, nach Burkardroth. "Das wird auch bei der anstehenden Bundestagswahl so sein", sagt Gerhard Zeller von der Gemeinde. Ansonsten gibt er aber Entwarnung: "Aktuell sind bei uns keine Wahllokale in Gefahr."


Heuer nur ein Wahllokal

Die Gemeinde Wartmannsroth hatte bereits 2013 nur noch zwei Wahllokale für alle neun Gemeindeteile. Das hatte zur Folge, dass mehr als zwei Drittel der Wähler (927 von 1360) von daheim aus wählten. Die Verwaltung habe heuer dem Gemeinderat vorgeschlagen, wieder zu Wahllokalen in allen Gemeindeteilen zurück zu kehren, berichtet Geschäftsleiter Daniel Görke. "Allerdings wurde dies vom Gemeinderat abgelehnt." Also müssen wieder alle nach Wartmannsroth oder die Briefwahl beantragen. 793 (44,4 Prozent) haben das bereits getan.
Einen direkten Vergleich hat die VG Elfershausen: In Elfershausen haben aktuell 912 von 2346 Wahlberechtigten Briefwahl beantragt, das sind 38,8 Prozent, zum gleichen Zeitpunkt 2013 waren es 683 von 2338, also nur 29,2 Prozent. In der Gemeinde Motten lag die Zahl der ausgegebenen Wahlscheine am Donnerstag genau auf dem Endstand von 2013, nämlich bei 411, obwohl die Zahl der Wahlberechtigten von 1441 auf 1396 sank.
Die genaue Zahl der Wahlberechtigten im Landkreis sind noch nicht ermittelt, wegen fehlender Rückmeldungen aus einigen Gemeinden liegt sie auch der Redaktion noch nicht vor. Allerdings hat das Landratsamt nach eigenen Angaben 87 000 Wahlzettel drucken lassen.