Wenn der Einkaufswagen so voll ist, dass der Transport bis zum Auto ein schweißtreibendes Manöver wird, ist es soweit. Gabriele Will und Kurt Schreiner erwarten heuer viele Manöver. Weihnachten fällt in diesem Jahr so, dass die Läden drei Tage hintereinander geschlossen bleiben. Die beiden Filialleiter haben ihren Supermarkt für den Ansturm gewappnet und derweil schon mal die Schoko-Osterhasen bestellt.
Bis zu zehnmal mehr Rotkohl wird in den Tagen vor Heilig
Abend gekauft. "Erfahrungswerte", sagt Gabriele Will. Sie leitet den Kissinger Supermarkt. Räucherlachs, Sahne, Mascarpone, Wein, Kloßteig, Pralinen, Pilze, Spargel - und Tiefkühlpizza: davon will die Kundschaft jetzt mehr. Vor einem Monat ging die Bestellliste ans Hauptquartier in Fulda. Von da aus kommt dreimal pro Woche eine Lieferung nach Bad Kissingen - Obst und Fleisch täglich. Doch die Regale, die am Donnerstag leer sind, sind leer. Kurt Schreiner will, dass es soweit nicht kommt.


Vergessene Geschenke und Butter

Wer am 24. Dezember kommt, braucht nur noch Kleinigkeiten: eine fehlende Butter, kleine Geschenke für Leute, die vergessen wurden, eine neue Lichterkette, weil die vom Vorjahr nicht mehr funktioniert. Um 14 Uhr klingt der Shopping-Wahn aus. Heute und am Mittwoch rechnen die beiden Marktleiter mit dem Hauptansturm. Die Hälfte der Kunden, die ihre Kühlschränke und Vorratskammern nicht schon gefüllt hat, zwängt sich jetzt durch die Gänge.
Aber: Was wird heuer gekauft? Haben sich viele von der gleichen Kochsendung inspirieren lassen? Wie ist das Wetter? "Der Idealzustand ist, dass von allem genügend da ist, aber auch nicht zu viel ürig bleibt", sagt Kurt Schreiner, stellvertretender Geschäftsführer der Filiale. Dass mal etwas ausgeht, wird immer wieder vorkommen, meint er. Für die Tage vor Weihnachten rüstet er nicht nur die Regale auf, sondern auch das Team.
"Die Leute wollen für die Feiertage etwas Besonderes und dafür wollen sie beraten werden", sagt er. Ein Springer sorgt dafür, dass jeder Kassierer zu seiner Pause kommt. Regale nachladen, Ansturm-Schäden in Ordnung bringen - "man steht den ganzen Tag unter Strom", sagt Gabriele Will. Jetzt kommt es darauf an, dass das Team gut funktioniert. Vor Weihnachten wuseln doppelt so viele Verkäufer durch den Supermarkt. Stress? "Ja", meint Kurt Schreiner und lächelt, "aber positiver Stress".


Geduldig Schlange stehen

"Es ist eine besondere Stimmung an Weihnachten", sagt Gabriele Will. "Die Kunden wissen, dass viel los ist und stellen sich drauf ein." Die Masse sei geduldig. "Die Leute kennen sich und unterhalten sich." Viele Kollegen freuen sich auf die turbulenten Tage, meint Kurt Schreiner: "Uns ist es lieber, wenn die Bude voll ist!" Weihnachten daheim, statt im Laden? Das ist nichts für Gabriele Will. "Es fehlt was."
Im Sommer haben sie Lebkuchen und Schoko-Nikoläuse geordert. Seit September stehen die im Lager bereit. Die Vorbereitungen für die kommenden zwei Wochen sind die aufwendigsten im ganzen Jahr. Per "Wunschliste" konnten sich die Kunden vorab ihr Produktpaket schnüren lassen. Abholbereit. "Wir sind zufrieden, wenn die Kundschaft zufrieden ist. Der Kunde muss sagen: Ich hab alles bekommen", meint Kurz Schreiner. Bis zum nächsten Großereignis: Ostern. Die Schokoladen-Osterhasen sind schon vor Heilig Abend bestellt.